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Montag, 3. August 2020

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Extremtourismus: Nach dem Weltraum jetzt die Tiefsee PDF Drucken E-Mail

(Text: Heinz Käsinger, Foto: Richard Varcoe/Caladan Oceanic LLC, Wikipedia Commons, die „Limiting Factor“ beim zu Wasser lassen in der Cumberland East Bay )

tiefseetourismusViertausend Menschen haben bereits den Mount Everest erklommen, Zehntausende haben die Antarktis besucht, ja selbst auf dem Mond sind ein Dutzend Besucher durch den jungfräulichen Staub getrampelt. Und Elon Musk plant, Weltraumtouristen ins Orbit zu schießen.

Jetzt bietet ein Reiseunternehmen ein weniger besuchtes Ziel für den Touristen an, der sich danach sehnt, abseits der ausgetretenen Pfade zu wandern. Für 750 000 Dollar wird eine ausgewählte Gruppe von Urlaubern in diesem Sommer in den Marianengraben gebracht. Dieser Tiefseegraben, auch Challenger Deep genannt, markiert mit rund 11 000 Metern die tiefste Stelle unserer Ozeane. Man kann mit Sicherheit sagen, dass diese Stelle der Erde vom Massentourismus unberührt ist. Nur sieben Menschen waren jemals dort.


„Dies ist das exklusivste Reiseziel der Welt“, sagte Rob McCallum vom Reiseunternehmen Eyos Expeditions, das bereits Touren zum Wrack der Titanic angeboten hat. Die Pauschalreise zum tiefsten Punkt der Erde – weit niedriger als der Everest hoch ist – wäre der erste Abstieg von Ausflugstouristen in die so genannte Hades-Zone (eng. und frz. "hadal-zone“, vom griechischen Wort Hades, Unterwelt). Es stehen drei Plätze zur Verfügung, die das Unternehmen an die ersten drei Personen verkauft, die den Fahrpreis zusammenbringen.

Möchtegern-Challenger-Deep-Besucher müssen eine achttägige Reise einplanen, die mit einem Flug zur US-Insel Guam im Westpazifik beginnt. Obwohl die Coronavirus-Pandemie die Reise verzögern könnte, wird erwartet, dass sie wie geplant im Juni 2020 beginnt.

Von Guam aus werden die Tiefseetouristen auf einem Forschungsschiff, der DSSV „Pressure Drop“, in See stechen. Reisende können einen Partner oder auch eine Katze mit auf das Schiff nehmen, aber es ist nur Platz für jeweils einen Touristen an Bord der „Limiting Factor“, einem Zwei-Mann-Tauchboot, das im vergangenen Jahr von einer Firma in Florida gebaut wurde. Dieses U-Boot unternimmt dann die etwa elf Kilometer lange, vertikale Reise in den Marianengraben.

Der Pilot wird Victor Vescovo sein, der im vergangenen Jahr zwei Mal in den Marianengraben gefahren ist (s. „Plastiktüte auf dem Grund des Marianengrabens“, http://www.atlantis-magazin.de/content/view/1269/205/). Vescovo, 54, hat den Everest bestiegen und ist mit Skiern zum Nord- und Südpol gefahren, was ihn zu einem sehr soliden Begleiter bei einem Abendessen macht. Langweilig wird es dabei nicht werden, denn der Mann glänzt durch lebhafte Anekdoten, die er dabei gerne zum besten gibt. So dürfte auch die rund 14-stündige Reise in einer engen Titankugel nicht langweilig werden.

Das U-Boot soll zwei bequeme Sitze für Herrn Vescovo und seinen Passagier sowie eine 90 mm dicke Schale haben, so dass die Fahrer keine Druckveränderungen erfahren, während ein Styroporbecher in einem Netzbeutel an der Außenseite des U-Bootes zu einem kleinen weißen Ziegelstein zerdrückt wird. Es gibt drei Fenster und hochauflösende Kameras, die einen Live-Stream der Umgebung des U-Bootes auf die Bildschirme im Innern übertragen.

Die Touristen, die als „Missionsspezialisten“ bezeichnet werden, werden vier Stunden auf dem Meeresboden verbringen, wo sie laut Eyos Expeditions ihre Umgebung erkunden und eventuell filmen dürfen. Auf dem flachen Meeresboden werden sie hoffentlich einen Amphipoden (ein garnelenähnliches Krebstier), einen Löffelwurm oder eine neue Art eines rosa Schneckenfisches entdecken. Den hatte Vescovo auf einer früheren Reise erspäht. Die Touristen sollten allerdings keine unberührte Meereswildnis erwarten: Neben dem rosa Schneckenfisch sah Vescovo leider auch Plastiktüten und Verpackungen von Schokolade in jener Tiefe.

Die Challenger Deep ist nach dem britischen Schiff „HMS Challenger“ aus dem 19. Jahrhundert benannt, das die tiefste Ozeanstelle damals entdeckt hat. Der erste erfolgreiche Tauchgang in den Marianengraben wurde 1960 von Lieutenant Don Walsh von der US-Marine und Jacques Piccard, einem Schweizer Wissenschaftler, durchgeführt. Sie tauchten damals bis zu einer Tiefe von 10 911 Metern (35 800 Fuß) ab. Im Jahr 2012 unternahm der Filmemacher James Cameron eine Reise mit einem Tauchboot namens „Deepsea Challenger“ in eine ähnliche Tiefe.

Im vergangenen Frühjahr machte dann die „Limiting Factor“ vier Tauchgänge zur Challenger Deep, von denen einer 35 853 Fuß erreicht haben soll, also 53 Fuß (16 Meter) mehr als damals Piccard. Diese Tiefe wurde zwar als neuer Rekord ausgerufen, aber die Messung hatte eine Fehlermarge von 34 Fuß. Cameron bestritt in der Folge, dass Vescovo tiefer getaucht sei als er. „Sein Messgerät ist vielleicht vorgegangen. Jedenfalls kann er nicht sagen, dass er tiefer getaucht ist als ich.'

 

 
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