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Dienstag, 2. Juni 2020

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Ingwerbier aus Hull enthüllt Identität eines verlorenen Schiffs PDF Drucken E-Mail

Text von Heinz Käsinger

Die Identität eines vor 168 Jahren verloren gegangenen Frachtschiffes ist nun geklärt worden – dank einiger Flaschen Ingwerbiers aus der englischen Stadt Hull. Das viktorianische Schiff mit dem Spitznamen „Flaschenwrack“ wurde schon vor vier Jahren in der Ostsee in einem Naturschutzgebiet vor den Ålandinseln, entdeckt; in flachem Wasser und auf ebendem Kiel. Doch weder der Finder Jerry Wilhelmsson noch spätere Besucher des Wracks konnten herausfinden, um welches Schiff es sich handelt.

Nun aber fanden Taucher der Baltic Underwater Explorers im Wrack auch Davenport-Geschirr mit Weidenmustern und eine Tonpfeife aus einer Londoner Werkstatt. Einige Historiker wagten daraufhin die Aussage, dass es sich beim Wrack um die Huller Brig „Regard“ handeln könnte. Die Brig war am 4. Oktober 1852 von London aus in See gestochen und machte einen Zwischenstopp in Hull. An Bord waren acht Mann Besatzung und der Kapitän war Luke C. Taylor, ein erfahrener, 62 Jahre alter Witwer. Geladen hatte die „Regard“ Rohzucker, Gusseisen, Reis und verschiedene andere Dinge. Von Hull aus ging es nach Elsinore in Norddänemark, von dort lief der Frachter am 17. Oktober mit Ziel St. Petersburg aus. Zuletzt gesehen wurde die „Regard“ vor der schwedischen Inselgruppe Øland. Von dort weg ist das Schicksal des Schiffs ins Dunkel der Geschichte gehüllt.

Die Identifizierung des Wracks war deshalb so schwierig, weil die Taucher keinerlei namentliche Kennzeichnung fanden, weder am Bug noch in Form einer Gravur auf der Schiffsglocke. Auch die Galionsfigur, an der noch Reste der Vergoldung hafteten, konnte keinen Hinweis geben. Die Direktorin des Åländer Schifffahrtsmuseums, zufälligerweise eine ehemalige Studentin der Universität Hull, fragte deshalb bei Dr. Robb Robinson und Peter Chapman von der Universität nach, die aufgrund der Fundstücke die „Regard“ identifizierten. Vorangegangen waren vier Jahre lange Recherche- und Detektivarbeit. Ein erster Hinweis kam aus Helsinki. Dortige Schiffsunterlagen sagen, dass am Jahresende 1852 an der finnischen Küste ein Heckspiegel mit der Aufschrift „Luke C. Taylor“, dem Namen des Kapitäns, angeschwemmt worden war. Die letzte Unsicherheit wurde durch das Vorhandensein des Ingwerbiers beseitigt.

Erstaunlicherweise handelt es sich um ein hölzernes Schiff. Diese sind bereits nach wenigen Jahren unter Wasser in den meisten Fällen komplett verrottet. Nicht so die „Regard“. Jerry Wilhelmsson: „So wie man sich als Kind in seinen Träumen ein Schiffswrack vorstellt, so sieht noch heute, 168 Jahre nach der Havarie, die „Regard“ aus. Der Grund dürften die günstigen Umstände sein, die der Ort bietet, an dem sie liegt. Der ist geschützt von Wellen und Strömungen und das Wasser ist kalt und sauerstoffarm. Dazu kommt die chemische Zusammensetzung des Wassers, die hier eher der eines Brackwassers gleicht. Der Schiffsbohrwurm kann hier nicht überleben, folglich ist auch das Holz verschont geblieben. Rätselhaft hingegen sind die Umstände, unter denen das Schiff damals verschwand. Es war erst 14 Jahre alt und in bestem Zustand. Der Kapitän war ein erfahrener Seemann, der die Route London – St. Petersburg schon Dutzende Male zurückgelegt hatte. Er lebte nur einen Steinwurf weit weg vom historischen Archiv der Stadt Hull, wo die Schiffsunterlagen der „Regard“ heute aufbewahrt werden. Seine Tochter heiratete 1853 den Kapitän Hunter. Und die Historiker fragen sich nun, ob es vielleicht noch direkte Nachfahren der Taylors in und um Hull gibt.

 
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