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Montag, 30. November 2020

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Funde in Sir John Franklins „HMS Erebus“ liefern Anhaltspunkte für das Schicksal von Seeleuten PDF Drucken E-Mail

(Text: Heinz Käsinger, Bild: Wikipedia public domain, das Gemälde zeigt die beiden Schiffe „Erebus“ und „Terror“ auf einer gemeinsamen Fahrt 1841 nach Neuseeland )

erebusHunderte von persönlichen Gegenständen, die aus dem Wrack der „HMS Erebus“ geborgen wurden, könnten ein neues Licht auf das Schicksal von Sir John Franklins Expedition zur Suche nach der sagenumwobenen Nordwestpassage werfen. Die Expedition ging verschollen, erst vor einigen Jahren wurden Franklins Schiffe „Erebus“ und „Terror“ gefunden.

Archäologen hoffen, dass die Analyse der 350 Fundstücke, darunter die Epauletten eines Offiziers, eine Haarbürste und ein blau-weißes Tafelservice, Einblicke in die letzten Monate der Expeditionsmitglieder geben könnte, die in den 1840er Jahren verschwanden, nachdem ihre Schiffe „Erebus“ und „Terror“ vor King William Island eingefroren waren. Die Artefakte wurden bei 93 Tauchgängen zu dem vor sechs Jahren entdeckten Wrack geborgen. Das Unterwasser-Archäologenteam der Parks Canada kartierte und fotografierte die Artefakte vor Ort, bevor sie zur Analyse einschließlich Röntgenaufnahmen und DNA-Tests an die Oberfläche gehoben wurden. Zu den auffälligsten Funden gehören extrem gut erhaltene Silberdraht-Schulterteile einer Offiziersuniform, die in einer Schublade in einer der Kabinen gefunden wurden. Es wird angenommen, dass sie dem 3. Leutnant James Walter Fairholme gehörten, einem Offizier, der zu Beginn der Expedition 24 Jahre alt war und als ein kluger, angenehmer Begleiter und gut informierter Mann beschrieben wurde.

Ein Bleistempel mit der Aufschrift „Ed Hoar“ und einem begleitenden Ankersymbol könnte zur Kennzeichnung der Habseligkeiten von Edmund Hoar, dem Steward des Kapitäns, verwendet worden sein.

Das Team fand in der Speisekammer ordentlich gestapelte Teller, 12 Weinflaschen, eine Flasche Brandy oder Portwein mit noch einem Teil des Inhalts, ein Akkordeon, Navigationsinstrumente und eine Bürste mit den Haaren von mindestens drei verschiedenen Personen. Ein Kreis aus Siegellack trägt den Daumen oder Fingerabdruck des Matrosen, der den Siegellack zuletzt auf einem Brief verwendet hat.

„Erebus“ und „Terror“ verließen England 1845 unter dem Kommando des altgedienten Forschers Franklin, um die Nordwestpassage zu suchen, eine schwer zugängliche Handelsroute nach Asien. Eine von zwei Offizieren in einem Steinhaufen auf König-William-Island hinterlassene Notiz, die in den 1850er Jahren entdeckt wurde, besagt, dass die Schiffe im September 1846 im dicken Eis gefangen waren, Sir John im darauf folgenden Sommer starb und die überlebenden Mitglieder der Expedition die Schiffe im April 1848 verließen und zum Back River aufbrachen. Keiner der 128 Männer überlebte, obwohl von einigen von ihnen Skelettüberreste auf der Insel und auf dem vorgesehenen Fluchtweg geborgen wurden. Die Archäologen meinten trotzdem, es sei zu früh, um Schlussfolgerungen über das Schicksal der Expedition zu ziehen. Sie sagten jedoch auch, dass die Besitztümer auf der „Erebus“, zu denen auch Habseligkeiten von Besatzungsmitgliedern der „Terror“ gehörten, die Theorie stützen könnten, dass einige von ihnen zu dem verlassenen Schiff zurückkehrten und es schafften, es eine gewisse Strecke zu bewegen, bevor sie es ein zweites Mal verließen. Dies könnte seine Lage etwa 80 Meilen südlich des Wracks der „Terror“, das 2016 entdeckt wurde, erklären.

Marc-André Bernier, ein Unterwasserarchäologe von Parks Canada, erklärte der National Post: „Die Lage der Schiffe, als wir sie entdeckten, warf so viele Fragen auf. Deshalb waren wir gezwungen, die Art und Weise, wie sie dorthin kamen, neu zu interpretieren. Die Geschichte war vorher eher linear: Die Besatzung verließ die Schiffe, sie begannen zu laufen, und ein Mann nach dem anderen starb. Aber jetzt denken wir, dass sie zunächst vielleicht doch ein Schiff haben retten können, weiter nach Süden segelten und es dann wieder verlassen mussten. Nach Berichten von Inuit, die die Schiffe im 19. Jahrhundert gesehen haben, sahen sie Fußabdrücke im Schnee und Rauch von dem Ort aufsteigen, an dem sich die „Erebus“ heute befindet.

Die Taucher von Parks Canada sagten, es sei möglich, dass die Besitztümer der Offiziere, unter anderem Navigationsinstrumente, Epauletten und Tabakspfeifen nach dem Tod ihrer Besitzer von Matrosen zum Schiff zurückgebracht wurden, mit der Absicht, sie als Andenken an ihre Familien zurückzugeben.                            

Nachtrag: Siehe zu diesem Bericht auch unseren Artikel „Franklins „Terror“ ist gefunden“ aus dem Jahr 2016: Franklins Terror ist gefunden

 
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