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Dienstag, 2. Juni 2020

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Ein Franzose will die Menschheit zum träumen bringen PDF Drucken E-Mail

ballesta(Text: Heinz Käsinger, Foto: privat / Wikipedia Commonsm Laurent Ballesta)

Eine knapp drei Millionen teure Tiefseeexpedition im Mittelmeer soll neue Erkenntnisse über zwei in den Weltkriegen gesunkene Schiffe bringen und den Verschmutzungsgrad des Meeres in jenen Tiefen feststellen. Expeditionsleiter Laurent Ballesta hat jedoch auch ein persönliches Ziel: Die Menschen zum träumen zu bringen.

 

 

In der Dämmerungszone, 120 Meter unter dem Meer, ist der Druck 13-mal größer als an der Oberfläche, und nur ein Prozent des Sonnenlichts kommt durch. Laurent Ballesta, ein bekannter französischer Taucher, war in den letzten Jahrzehnten oft in jenen Tiefen unterwegs – aber immer nur für wenige Minuten. Sonst wären die Dekompressionspausen einfach zu lang. Im nächsten Monat wird er eine Mission unternehmen, von der er sagt, sie werde es ihm ermöglichen, einen Monat lang täglich 120 Meter unter der Oberfläche des Mittelmeers zu verbringen. In einer winzigen Kapsel wird er das Meer zwischen Marseille und Monaco erkunden. Ballesta (45) wird Fischarten fotografieren, die noch nie zuvor in ihrer natürlichen Umgebung fotografiert wurden, bisher unzugängliche Schiffswracks erforschen und neue Daten über die Verschmutzung durch Plastik und Chemikalien vorlegen. Er und Antonin Guilbert, ein Meeresbiologe, Thibault Rauby, ein Tauchlehrer, und Yannick Gentil, ein Kameramann, werden eine Variation der in der Ölindustrie verwendeten Sättigungstauchtechniken anwenden. Dabei wird in einem unter Druck stehenden Habitat an der Oberfläche gelebt und von dort aus Tauchgänge in einer Tauchglocke unternommen. Dadurch umgeht man Dekompressionsunfälle, die durch zu schnelles Auftauchen verursacht werden und sogar tödlich sein können.

Wenn die Taucher der Ölindustrie ihre Glocke verlassen, bleiben sie mit einer Rettungsleine an ihr befestigt. Ballesta und sein Team werden aber stattdessen Rebreather-Tauchgeräte verwenden. Zur Orientierung der Taucher wird ein auf akustischen Signalen basierendes System eingesetzt. „Es wird ein gewisses Maß an Gefahr bestehen, aber wir werden uns völlig frei bewegen können“, sagte er. Die Temperatur in 120 m Tiefe beträgt 12 °C, aufgrund des Drucks entspricht der Kalorienverlust, die die Wassertemperatur im menschlichen Körper verursacht, dem in der Antarktis – über Wasser. Die Taucher sind deshalb gezwungen, mehrere Schichten einer speziellen Thermalkleidung zu tragen. Sie atmen ein Mischgas aus hauptsächlich Helium mit nur zwei Prozent Sauerstoffanteil. Wenn sie ihre zweimal täglichen Erkundungen beendet haben, steigen sie wieder in die Glocke und kehren zu ihrer Station an der Oberfläche zurück, wo der Druck demjenigen in 120 m Höhe entspricht. 

protee(Foto: Wikipedia Commons, die „Protée“ war ein französisches U-Boot der Redoutable-Klasse. Ballesta wird es im Zuge seiner Expedition besuchen  )

Ballesta verbringt normalerweise fünf Stunden damit, nach höchstens 30 Minuten auf 120m zur Oberfläche zurückzukehren. Jetzt plant er zwei Abstiege täglich von jeweils vier Stunden Dauer, die vier Wochen lang durchgeführt werden und zwischen denen er schnell zur schwimmenden Basisstation zurückkehrt, um dort zu schlafen und zu essen. „Niemals wird jemand so viel Zeit in so großer Tiefe verbracht haben“, sagte er. „Mein Ziel ist es zu zeigen, dass das Mittelmeer immer noch sehr schön ist. Eine Art verlorenes Paradies mit geheimen Oasen“, fügte er hinzu. Und: „Es gibt immer noch unbekannte Tiere, die es zu beschreiben und zum ersten Mal im Bild festzuhalten gilt.“ Auf ihrer Reise zwischen Marseille und Monaco werden die Männer unter anderem auch das Wrack der „Natal“, ein französisches Kreuzfahrtschiff, das 1917 bei der Kollision mit einem französischen Frachtschiff sank , besuchen. 104 Menschen fanden damals den Tod. Außerdem steht das Wrack der „Protée“ auf dem Programm, ein französisches U-Boot, das 1943 nach einem Minenangriff verloren ging. Ballesta ist schon auf Plastikmüll in einer solchen Tiefe gestoßen und erwartet, während seiner Erkundung noch mehr zu finden. Öffentliche Stellen, darunter die französische Wasser- und Schifffahrtsbehörde sowie ein regionaler Gemeindeverband (die ein Drittel der Kosten von 2,7 Millionen Euro finanzieren) haben den Taucher gebeten, den Verschmutzungsgrad zu erfassen. „Ich werde die Arbeit machen, keine Frage. Aber das ist nicht das, was mich am meisten interessiert“, Ballesta. „Ich möchte die Menschen mit meinen Erkenntnissen und Bildern zum Träumen bringen.“

 
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