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Sonntag, 5. April 2020

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Artenschutz: Die Erfolge sind nur Vorzeigeprojekte PDF Drucken E-Mail

(Text: Heinz Käsinger, Foto: David Monniaux/Wikipedia Commons, Portrait einer Grünen Meeresschildkröte)

schildiGleich zwei Gedenktage im Jahr sollen die Menschheit an den Natur- und Artenschutz erinnern: Am 3. März ist der Tag des Artenschutzes, am 22. Mai der Tag der Biodiversität. „Scheinheilige Augenwischerei!“, sagen die einen, „notwendige Mahnung“, die anderen.

 

Sicherlich verschwinden unbemerkt jeden Tag Dutzende von Arten von der biologischen Landkarte – vor allem unspektakuläre Kleinlebewesen wie Insekten oder Krebstierchen. – Derzeit stehen rund 26 000 Arten auf der Roten Liste der Welt-Naturschutzunion IUCN. Aber bei einigen Arten gibt es auch nicht für möglich gehaltene Erfolge zu vermelden. Leider aber geraten meistens nur große, attraktive Tiere in den Fokus der Naturschützer und dienen dann als PR-Erfolg. So hat man sich Jahrzehnte lang nicht um den gemeinen Hausspatz gekümmert, um vor drei Jahren dann erstaunt festzustellen, dass seine Populationen in Europa um zwei Drittel zurückgegangen waren. Ähnliches war mit den Insekten geschehen. Erst die Ergebnisse einer Studie Krefelder Wissenschaftler von 2013 brachte ans Licht, dass die Biomasse der Insekten seit 1980 um fast 80 Prozent zurück gegangen war. Was dann wiederum erklärte, warum sich auch die Vogelbestände im freien Fall befinden.

Werden die Gründe untersucht, dann kommt man fast immer auf zwei Hauptnenner: Schwindender Lebensraum (Sümpfe, Wälder, Steppen) durch sich ausbreitende Landwirtschaft und der ungehemmte Einsatz von schädlicher Umweltchemie. Vom nur endemisch vorkommenden Mauritiusfalken zum Beispiel gab es 1974 nur noch vier Exemplare. Ein Brutpaar und zwei einzelne Vögel. Der Waldbestand auf Mauritius war seit der Besiedelung der Insel durch den Menschen auf drei Prozent der ursprünglichen Fläche geschrumpft. Dank intensiver Brutpflege der verbliebenen Vögel leben heute wieder um die 650 Falken auf Mauritius, woraus sich etwa 300 Vögel zu 150 Brutpaaren zusammengetan haben. mauritius(Bild: Mauritiusfalke, Zeichnung aus dem Jahr 1868 von John Gerrard Keuleman)

Ähnlich schlimm stand es um die Grüne Meeresschildkröte. Schon in den 1950er Jahren hatten Umweltschützer vor dem Verschwinden des Reptils gewarnt, trotzdem ging der Raubbau an den Tieren weiter. Nicht zuletzt deshalb, weil sie die Hâute Cuisine als delikate Suppenbeilage ausgemacht hatte. Ende der 1970er schwammen nur noch vereinzelte Tiere im Ozean, 1980 wurde das Tier unter strengen Schutz gestellt. Heute haben sich die Populationen erholt, trotzdem droht langfristig das Aus für diese – und auch andere – Reptilienart(en). Der Grund ist die Entstehung des Geschlechts: Erwärmt sich der Sand, in dem die Schildkröte (oder der Alligator oder die Echse) ihre Eier gelegt hat auf bis zu 28 °C, entstehen männliche Tiere. Ab etwa 32 °C warmem Sand schlüpfen Weibchen. Da die Klimaerwärmung schon weit fortgeschritten ist, hat man beispielsweise im Jahr 2018 bei Kontrollen an einem Schlüpfstrand in Australien ein Männchen zu 116 Weibchen gezählt.

Der Mensch dringt auch immer weiter nach Norden in die kalten Gebiete vor. Vom Löffelstrandläufer kennt man nur einen Platz, wo er nistet und das ist ein Strand im Norden Russlands. Öl- und Gasvorkommen dort haben seinen Lebensraum – und damit seine Anzahl – stark schrumpfen lassen. Heute siedelt man Brutpaare auch in anderen Regionen an und erzielt damit mäßige Erfolge, weil die Vögel sehr wählerisch mit ihrem Lebensraum sind. Die gezielte Eientnahme und die gefahrlose Aufzucht der Jungtiere durch den Menschen haben die Bestände aber wieder um 50 Brutpaare steigen lassen.

Trotz aller Erfolge auf der einen Seite: Solange die weniger beachteten Lebewesen, auch und vor allem Pflanzen, in Puncto Schutzmaßnahmen vernachlässigt werden, wird die Abwärtsspirale anhalten. Und Experten fragen sich, welches Spiel die Politik spielt. Seit 1990 sind die vom Staat bezahlten und geförderten Forschungsprojekte drastisch zurückgegangen. Die hier erwähnte Insektenstudie haben die Krefelder Wissenschaftler selber finanziert bzw. ehrenamtlich erarbeitet. Fast wäre man geneigt zu unterstellen, dass die Politik an belastbarem Datenmaterial überhaupt kein Interesse hat. Dabei ist eines sicher: Ein Zurück wird es nicht mehr geben. Ist eine Art verschwunden, ist sie dies unwiederbringlich. Welche Konsequenzen das auf den gesamten Planeten hat, ist unbekannt.     

 
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