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Sonntag, 5. April 2020

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Steinskulpturen helfen, das Meer zu retten PDF Drucken E-Mail

Text von Heinz Käsinger

Emily Youngs Werke wurden weltweit ausgestellt und brachten ihr die Auszeichnung der „besten noch lebenden Steinbildhauerin“ Großbritanniens ein. Kein Wunder also, dass das jüngste Projekt der Britin ihre Agentin verblüfft hat. Young ist jetzt in der Toskana ansässig und fertigt zehn Tonnen schwere Köpfe aus Marmor im Wert von bis zu 500 000 Pfund an, bevor sie sie ins Mittelmeer wirft, wo sie niemand sehen wird, der sich nicht Flossen und Tauchermaske aufsetzt.

„Mein Agent sagte: ‚Sind Sie verrückt? Haben Sie eine Ahnung, für wie viel ich die verkaufen kann?’“ Young, 68, lacht, als sie das der Times erzählt. Gerade bereitet sie sich darauf vor, einen weiteren massiven Kopf vor der toskanischen Küste zu versenken. Ihre Köpfe mögen in die nasse Vergessenheit rollen, aber Young sagt, sie hätten einen höheren Zweck als nur beguckt zu werden. Die Britin gehört zu einem Team von Bildhauern, die den örtlichen Meeresboden mit ihren Werken übersät haben, um illegale Fisch-Trawler aufzuhalten, die ihn nachts mit Schleppnetzen durchpflügen und dabei jeden Tintenfisch, jede Brasse und jeden Barsch fangen und das Seegras herausreißen, von dem sich die Fische ernähren.

„Es ist herzzerreißend zu sehen, wie wüstenhaft öd der Meeresboden geworden ist. Aber bei unseren Skulpturen bleiben die Netze der Boote jetzt hängen und können nicht mehr benutzt werden“, freut sie sich. Das Projekt wurde von Paolo Fanciulli, einem einheimischen Fischer, ins Leben gerufen, der 2006 damit begann, die Arbeit der Trawler mit Betonblöcken zu durchkreuzen. Die Besatzung der Trawler bedrohten Fanciulli massiv, schlitzten seine Autoreifen auf und schickten ihm anonyme Morddrohungen. Doch der traditionell fischende Mann ließ sich nicht einschüchtern. Als der Besitzer eines toskanischen Steinbruchs, der einst sogar von Michelangelo genutzt wurde, 300 Marmorblöcke anstelle von Beton anbot, war es für Fanciulli Zeit, in die Offensive zu gehen. Er bat einige ihm bekannte Bildhauer, sich an die Arbeit zu machen. Der gestiftete Marmor, der aus Carrara stammt, hat einen gräulichen Farbton und ist gestreift. Es ist vielleicht nicht der weiße Marmor, der weltweit zu Spitzenpreisen verkauft wird, aber darauf kam und kommt es schließlich nicht an.

„Paolo ist ein Superstar, der von Generationen von Fischern abstammt und erkannte, dass die Fischbestände kollabieren werden, wenn wir sie weiterhin so rücksichtslos plündern“, sagt Young. Sie hingegen wurde in eine Familie von Künstlern, Politikern und Abenteurern hineingeboren. Ihre Großmutter Kathleen Scott war eine Bildhauerin, die bei Auguste Rodin studierte und gut mit Pablo Picasso und George Bernard Shaw bekannt war. Nun hofft das ungleiche Paar, die Fischbestände vor der Toskana durch diese ungewöhnliche Aktion zu retten.

 
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