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Dienstag, 26. September 2017

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Vom Nordkap nach Gibraltar Teil 2 PDF Drucken E-Mail
Meine Reise mit Jim
s88_auf-jim1 Teil 2: Vom Oberrhein nach Gibraltar
Von Heinz Käsinger


Auf dem ersten Wegstück unserer Reise vom Nordkap nach Gibraltar begleiteten Sie uns vom äußersten Zipfel Norwegens bis ins Herz Westeuropas, dem Oberrhein. Schön, dass Sie auch auf dem zweiten Teil der Reise bis hinunter nach Spanien, besser gesagt England, wieder dabei sind.
Die Idee, per Wohnmobil diagonal durch Europa zu fahren, lieferte uns der amerikanische Schriftsteller John Steinbeck. Er fuhr 1960, ebenfalls mit Wohnmobil und Hund, kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten: „Ich hatte zu lange nicht die Sprache Amerikas gehört, zu lange nicht den Geruch des Grases, der Bäume und der Abwasserkanäle wahrgenommen, die Berge und Gewässer nicht gesehen, die Farbe und den Ton des Lichts“, beginnt er sein Buch.
So etwas wollten wir nachstellen, hier in Europa. Natürlich konnten wir, als Tauchmagazin, keine Sozialstudie der Menschen unseres Kontinents abliefern, der Fokus unserer Reise sollte und musste auf und unter dem Wasser liegen. Aber auch wer Europa tauchend bereist, kommt mit Menschen und Landschaften in Berührung. Wer irgendwo an einem See sein Tauchgerödel auspackt, hat schnell Kontakt; wird interessiert („Was hat dieses Teil für eine Funktion?“), mehr oder weniger fachkundig („Man darf nie direkt auftauchen, nicht wahr?“) und manchmal auch belehrend („Regel Nummer eins: Tauche nie allein!“) angesprochen. Auch Probleme können nicht übersehen werden, beispielsweise ist die Ostsee das am stärksten eutrophierte Gewässer Europas. Wir haben einen jungen Kontinent kennengelernt, ohne Zollkontrollen und Vorurteile. Und wir sind dem alten Europa begegnet, den Kulturdenkmälern und Sehenswürdigkeiten, den Sagen und Märchen. Kaum ein See, kaum ein verwunschener Flussarm, um den sich nicht eine uralte Geschichte rankt.
Wie zum Beispiel die Sage vom Eichener See. Eichen ist ein kleiner Ort auf dem Dinkelberg, einem sanften Hügelland, das wiederum den südlichsten Ausläufer des Schwarzwaldes bildet. Der Dinkelberg ist geologisch jung, besteht aus stark durchkarstetem Kalkstein, birgt viele Tropfsteinhöhlen und unterirdische Wasserläufe. Der bekannteste Wasserlauf ist der Bach, der durch die riesige Tropfsteinhöhle bei Hasel, einem Nachbarort Eichens, fließt. Und jener Bach hat eine sonderbare Eigenschaft. Er versiegt von Zeit zu Zeit. Dafür füllt sich eine kleine, sonst trockene Talsenke bei Eichen mit Wasser – der Eichener See entsteht. Ein See auf Zeit, sozusagen.

In den 70er Jahren war harpunieren noch politisch korrekt

Klar, dass einem unberechenbaren Gewässer auch so mancher ertrinkt. Beispielsweise jenes gottlose Brautpaar, das die Ehe nicht von Gott besiegeln ließ sondern nur vom markgräflich-badischen Amtmann in Schopfheim. Als man nach dem Hochzeitsschmaus einen gemeinsamen Spaziergang durch die besagte Eichener Talsenke machte, ließ Gott den See ansteigen und das Brautpaar ertrank.
In der Tat ist das Phänomen um den Eichener See eines der großen ungelösten Rätsel der Geologie. Er steigt und fällt unabhängig vom Wetter. Komplizierte Zusammenhänge im Erdinnnern sind dafür verantwortlich. So sind früher, immer wenn der See da war, die Brunnen der wesentlich tiefer gelegenen, rund 15 Kilometer entfernten Stadt Lörrach versiegt. Findige Köpfe kamen auf die Idee, das Wasser zu färben. Man vermutete, dass, sobald der See abliefe, sich die Brunnen Lörrachs mit farbigem Wasser füllen müssten – falsch. Ein kleiner Bach, der bei Rheinfelden in den Hochrhein mündet, führte die Farbe mit sich. Lörrachs Brunnen aber erhielten ihr klares, reines Wasser zurück.
Vom Oberrhein aus hatte ich mich zunächst ostwärts gewandt, um dem gerade präsenten Eichener See einen Besuch abzustatten. Jetzt sollte es hinüber gehen in die Schweiz, die ich gemütlich durchqueren wollte. Oben am Gotthard lernte ich Ruedi kennen. Er hatte mich angesprochen, weil er vorne hinter der Windschutzscheibe des Wohnmobils eine ATLANTIS-Ausgabe bemerkte und mich fragte, ob ich auch tauche. So kamen wir ins Gespräch und Ruedi lud mich ein, mit ihm einen Tauchgang zu unternehmen. Allerdings lehnte ich dankend ab. Ruedis Hobby lässt sich nämlich nicht aufs Tauchen reduzieren. Es ist vielmehr eine Kombination aus Hochgebirgswandern, Bergsteigen, Kraftsport und Tauchen. Ruedis Leidenschaft ist es, die vielen namenlosen Gletscher- und Eisseen der Alpen jenseits der 2000-Meter-Grenze zu betauchen, weit abseits der Straße, der Tauchgang immer verbunden mit einem mindstens einstündigen Auf- und Abstieg samt dem Schleppen der gesamten Ausrüstung.
Bei einer Apfelsaftschorle erzählt er von seinen Abenteuern. Wie jenen, als er mit einem Kameraden zusammen vor drei Jahren in den Südtiroler Alpen winters einen Eistauchgang gemacht hat in so einem mit Wasser gefüllten Gletscherloch auf 3500 Metern Höhe – ein Biwak im Trockentaucher eingeschlossen.
Vom Gotthard geht es hinunter nach Italien. Durchs Tessin, wo ich einen entspannten Drifttauchgang in der Verzasca erlebe und an Ruedi denke, der sich jetzt gerade bergan quält. Der Verkehr um Chiasso und um Mailand herum ist wie immer gigantisch und die engen Kehren der Autobahn hinunter nach Genua kann ich mit dem Wohnmobil nur langsam nehmen. Aber dann liegt es vor mir, glitzert und schimmert in der milden Herbstsonne – das Mittelmeer. Wir, die wir seit 30 Jahren und mehr tauchen, haben hier um Genua herum unsere ersten Salzwassertauchgänge unternommen. Im Gepäck hatten wir die Bücher von Hans Hass und harpuniert haben wir natürlich auch ein bisschen, das war damals politisch noch korrekt.
Immer noch herzhaft lachen muss ich, wenn ich an eine Begebenheit denke, die sich damals abgespielt hat. Ich war mit einem älteren Clubkameraden über ein Pfingstwochenende nach Rapallo zum Tauchen gefahren. Am Strand trafen wir zwei Schnorchler aus Kassel, die außer Flossen, Masken und Schnorchel vor allem zwei riesige Harpunen, mit denen man einem Wal hätte das Lebenslicht auspusten können, mit sich führten.
Indem ich gemächlich nach Westen entlang der Riviera rolle, ziehen die klangvollsten Ortsnamen an mir vorbei. Genua zuvorderst, die alte, mächtige Kaufmannsstadt. Ventimiglia und Menton, die beiden Grenzstädte, die hüben und drüben die italienische von der französischen Riviera trennen; Montecarlo natürlich. s84_jim1
Hier übernachte ich, ziehe mir einen feinen Anzug an und fordere das Glück beim Roulette in der Spielbank heraus. Ich sah eine Menge Prominenz, Filmschauspieler und Sportgrößen. Wieviel ich verloren habe, verschweige ich. Denn wie immer liest der Familien-Finanzminister mit.
Nur wenige Kilometer weiter westlich gibt sich die Tauchmedienbranche an jedem letzten Oktoberwochenende des Jahres ein Stelldichein. In Antibes hat der rührige Weggefährte Cousteaus, Daniel Mercier, ein Foto- und Filmfestival rund ums Tauchen etabliert. Im vergangenen Oktober fand es zum 33. Mal statt.
Darüber hinaus gilt Antibes als die Geburtsstadt des Sporttauchens. Denn hier machte der junge Hass die Bekanntschaft von Guy Gilpatric, einem amerikanischen Journalisten, der schon vor Hass das Schnorcheln und die Unterwasserjagd entdeckt hatte.
Die Wracks, die hier vor der südfranzösischen Küste liegen, haben unter Tauchern Kultstatus. Sie heißen „Le Grec“, „Rubis“ oder „Donator“. Jedes davon hat seine eigene, spannende Geschichte. Zum Beispiel das U-Boot „Rubis“. 1931 lief sie vom Stapel, versenkte im Zweiten Weltkrieg 14 Schiffe. Wurde wegen einer Kolission außer Dienst gestellt, 1949 jedoch wieder gebraucht und reanimiert. Erst 1958, das Zeitalter der Atom-U-Boote graute bereits, wurde die „Rubis“ vor Cap Camarat versenkt. Heute machen die Matrosen der französischen Marine Sonarübungen am Wrack.
Die südfranzösische Küste hier um die Îles d‘Hyère herum ist paradiesisch. Fast erinnert sie mit ihrem milden Klima und der subtropischen Flora an die Karibik. Es ist Ende Oktober und die Temperaturen liegen noch immer zuverlässig über 25 Grad Celsius.

Das Problem der Umweltverschmutzung scheint gelöst

Leider muss ich hinter Marseille die Küste verlassen, um auf die andere Seite Frankreichs zu gelangen, die Atlantikseite.
Während ich zuvor noch einige Tage auf einem Campingplatz direkt am Meer raste, halte ich Rückschau auf die 32 Jahre, die ich bereits tauche. In dieser Zeit hat es kaum ein Jahr gegeben, in dem ich nicht mindestens ein Mal am Mittelmeer war. Zumindest punktuell konnte ich so die Entwicklung seines Zustandes verfolgen. s87_jim2
Und ich darf sagen, dass es seit den 70er und 80er Jahren deutlich besser wurde, was die Umweltschäden anbelangt. Fische sind wieder reichlich vorhanden, selbst in Sichtweite von Genua, Toulon oder Marseille trifft man bei fast jedem Tauchgang auf Tintenfische, Zackenbarsche, Muränen. Stellenweise hat es sogar Barrakudaschwärme im Freiwasser, sieht man Tun- und Mondfische.
Schön so, da kann einem auch die Fischsuppe wieder schmecken, die man ab sofort ohne schlechtes Gewissen genießt. Über die echte Marseiller Boullabaisse sagt Starkoch Paul Beaucuse: „Welchen Fisch man dazu nimmt, bleibt jedem selbst überlassen. Nur zwei sind zwingend vorgeschrieben. Nämlich Drachenkopf und Heringskönig.“
400 Kilometer später verlasse ich Frankreich, reise nach Spanien aus. Vorher habe ich um Bordeaux herum einige der bekannten Châteaux besucht, und mir einige Kisten völlig überteuerten Rotwein gekauft. Im Bordelaise ist das Pflicht, finde ich. Ärgern werde ich mich erst später, wenn ich wieder zurück in meiner elsäßischen Heimat bin und feststelle, dass zur Supermarktware des betreffenden Weinguts geschmacklich kein Unterschied besteht, preislich jedoch sehr wohl.
Die Tauchgründe des Baskenlandes westlich von Irún sind anspruchsvoll zu betauchen wegen ständiger Gezeitenströmung. Auch die Sicht ist bescheiden, dafür wuchert das Leben. Ausgedehnte Seegraswiesen, Kelpwälder, kilometerlange Muschelbänke säumen die Küsten. Hier werden die schmackhaften, fleischigen Jakobsmuscheln für den europäischen Feinschmeckermarkt gezüchtet. Die Jakobsmuschel ist eine Kammmuschel, die in den gemäßigten Meeren wie dem Mittelmeer oder dem Atlantik um Spanien herum vorkommt. Benannt wurden die Muscheln nach dem spanischen Nationalheiligen Jakobus. Dessen Gebeine sollen in der Kathedrale von Santiago de Compostella ruhen.
Der Jakobsweg ist ein uralter Pilgerpfad, der von den Pyrenäen nach Santiago de Compostella führt und an dessen Wegrand viele Baudenkmäler stehen. Kirchen und Brücken, moderne Baukunst von Antonio Gaudí, mittelalterliche Burgen. Also verlasse ich die Küste und beschließe, den Jakobsweg zu nehmen. Mein Interesse hat unter anderem einen Grund: Eines meiner liebsten Lokale bei mir zu Hause ist der „Hirschen“ in Oberrimsingen. Eine steinalte Wirtschaft von einer steinalten Frau bereits in dreizehnter Generation geführt, die Tochter wird sie einmal übernehmen und hoffentlich auch die Enkelin. Gegenüber dieser alten Wirtschaft steht das Kirchlein des Ortes. Wirtschaft und Kirche waren im Mittelalter neben Paris, Worms und Autun einer der großen Sammelpunkte nördlich der Alpen, wo sich Pilgergruppen vor der langen Reise nach Santiago zusammenfanden. Was mir wieder einmal vor Augen führt, dass Europa damals schon zusammen gehört hätte. Übrigens: Pilger nach Santiago de Compostella erkannte man unter anderem an einer mitgeführten Schale der Jakobsmuschel, die als Trink- und Schöpf becher diente.s85_jim3
Dann habe ich Porto erreicht. Für mich die Gelegenheit, ein paar Tage auszuruhen, Stadtluft zu schnuppern. Hund Jim schnuppert vor allem Dieselabgase und vermisst es, durch die Gegend zu streunen und seine Marken zu setzen. Aber ich kann ihm die Stadt nicht ersparen, denn in Porto wohnt Peter, mein bester Freund. Der hat zuerst seine Maria geheiratet und ist 1983 mit ihr nach Porto, ihre Heimatstadt, gezogen. Vergangenes Jahr waren wir, ebenfalls per Wohnmobil, zur Hochzeit der Tochter hier. Natürlich hatten wir angesichts der Hochzeitsvorbereitungen keine Zeit, tauchen zu gehen. Und das werden wir jetzt nachholen. Vorher aber mache ich mich über Marias portugiesischen Schweinebraten her, einem außen knusprig und innen butterweich geratenen Stück Hals in einer kräftigen Rotwein- Olivensauce mit neuen Kartoffeln. Dann muss ein großes Glas Aguardente, ein gehaltvoller Trester, der Verdauung nachhelfen.

Portugiesischer Schweinebraten wird in würziger Sauce geschmort

Das Tauchen im Atlantik vor Portugals Küsten ist natürlich eine Katastrophe. Nicht immer, aber jetzt, bei diesem Besuch. Zwar ist es windstill und warm, so richtig schönes portugiesisches Spätsommerwetter doch Poseidon schmettert Wasserwände gegen die Strände, als wolle er sie zertrümmern. Doch natürlich hält das zwei gestandene Schwarzwälder nicht von einem Abstieg ab. Der Sandboden ist derart aufgewühlt, dass wir keinen halben Meter Sicht haben. So sehen wir auch die Felsen nicht, gegen die uns die Strömung regelmäßig schmettert. Bald wissen wir nicht mehr, wo oben und unten ist. Ich habe mich etwas überbleit in der Hoffnung, so weniger Spielball der Gezeiten zu sein. Ein folgenschwerer Fehler, denn im weiteren Verlaufe des Tauchgangs setzt sich der Sand überall im Jacket fest, der Inflator funktioniert nicht mehr und vor lauter Kampf denke ich nicht daran, die Tarierweste per Lungenkraft aufzupusten. Im Vertrauen, ich hätte das auch gar nicht gekonnt, so außer Atem war ich gewesen. Mit letzter Kraft kämpften wir uns an Land zurück. Ein ähnliches Drama sollte sich später vor den Berlengas wiederholen, einer kleinen Inselgruppe vor der Küste. Nun, wir haben überlebt und feierten unser Abenteuer im Probierstübchen der Portweinkellerei Taylor‘s mit Blick auf einen schattigen Garten. Und später, mit einer Flasche vom „ganz Guten“ im Wohnzimmer meiner Freunde mit herrlichem Blick auf die Douromündung.
Nachdem ich mich von meinen Freunden verabschiedet hatte und das letzte Stück Weg hinunter nach Gibraltar unter die Räder nehme, beherrschen mich gemischte Gefühle. Einerseits freue ich mich auf die letzte Etappe, andererseits wird es jetzt aber auch Zeit, dass ich wieder heim komme. Wohl jeder Routier kennt das Gefühl: Noch 125 Kilometer nach Jerez. Nach endlos gedehnter Zeit der Blick auf den Kilometerzähler. Was? Das kann doch nicht sein! Erst 33 Kilometer gefahren. Hund Jim interessiert das nicht. Er liegt unter dem Esstisch und wird nur unruhig, wenn seine Spaziergangszeiten anstehen. Von Zeit zu Zeit setzt er sich auf den Beifahrersitz und beobachtet die Landschaft. s88_gibraltar2
Und auf diese Weise sieht er jetzt endlich auch den Endpunkt unserer gemeinsamen Reise vor sich auftauchen, den Felsen von Gibraltar. 425 Meter hoch ragt der Kalksteinkoloss aus dem Meer, das hier nicht mehr Mittelmeer ist und noch nicht Atlantik. Die Engländer besetzten den strategisch enorm wichtigen Fels bereits 1713 im Zuge des spanischen Erbfolgekrieges. Sie halten sich hier bis heute. Und somit begegnen wir der letzten Geschichte auf unserer Reise quer durch Europa. Auf dem Felsen nämlich wohnt eine Kolonie Berberaffen, die Lieblinge der Touristen. Die Sage weiß: Solange die Berberaffen auf Gibraltar wohnen, werden die Engländer den Fels halten können.
In der Straße von Gibraltar wartet ein letztes Tauchabenteuer. Tauchen mit Orcas. Die Schwertwale haben sich hier versammelt, um Jagd auf den Tunfisch zu machen, der hier in großen Schwärmen vorkommt.
So haben wir unsere Reise bei den Orcas in Nordnorwegen begonnen und bei den Orcas vor Gibraltar beendet. Dazwischen haben wir erfrischende Tauchgänge in Süß- und Salzwasser unternommen, Geschichte und Geschichten gehört und erlebt. Trotz Orca, Hecht und Zander war die Begegnung mit den Menschen unseres Kontinents das wahrhaft faszinierende Erlebnis.
Ich habe Europa von seinem nördlichsten Punkt bis zu seinem südlichsten durchquert. Jedenfalls nach landläufiger Meinung. Denn das Nordkap ist nicht ganz der nördlichste Punkt des Kontinents. Rund eineinhalb Kilometer weiter nördlich liegt Kap Knivskjelodden. Und auch Gibraltar liegt einige hundert Meter weiter nördlich als Tarifa, Europas’ Festland wirklich südlichstem Punkt.
Aber was soll das schon. Nordkap und Gibraltar haben Symbolcharakter. Darauf kam es bei dieser Reise an. Trotzdem bilde ich mir nicht ein, unseren Kontinent wirklich zu kennen. Dazu blieben einfach zu viele Landstriche unberührt, die gesamten Britischen Inseln samt Irland, Westfrankreich, die Beneluxländer und Dänemark. Oder der gesamte Osten Europas. Von Andrey Bizuikyn, meinem russischen Kollegen vom „Oktopus“, habe ich erfahren, dass östlich von Moskau das größte zu betauchende Höhlensystem der Welt liegt. Die Masurischen Seen, die Höhlen, die den Untergrund Budapests durchziehen, die Gebirgsseen Österreichs, der ganze italienische Stiefel, Adria, Balkan, Griechenland samt Ägäis. Wahrlich, ich sage euch: Tausende von Kilometern liegen vor einem armen Dieselmotor.


Danksagung

ATLANTIS bedankt sich bei den Unternehmen Bürstner und Hymer, die zuverlässige und komfortable Fahrzeuge für diese Reise zur Verfügung gestellt haben.
www.buerstner.de, www.hymer.de


Literatur zum Thema

Meine Reise mit Charley
Eine sehr persönliche Bestandsaufnahme Amerikas von John Steinbeck. Er schaut dem Volk aufs Maul, kritisiert amerikanische Lebensart. Eines der ersten Roadbooks der Literatur, ebenso anspruchsvoll wie vergnüglich – und nie langweilig.

Traumstraßen der Welt
Dass es nicht immer nur die Panamericana oder die Route 66 sein müssen, wissen wir schon lange. „Traumstraßen der Welt“ gibt einen ebenso informativen wie reich bebilderten Überblick über interessante Routen in der alten und der neuen Welt. Praktische Streckeninformationen wechseln gekonnt mit Lesegeschichten ab, jedenfalls erhält der Leser umfangreiches Material zur jeweils vorgestellten Route. Ein Auszug aus dem Inhalt: Die romantische Straße in Deutschland; der Jakobsweg, Spanien; die Straße der Freundschaft von Nepal nach Tibet; Highway No. – und viele mehr. Weltbildverlag, ISBN 3-8289-3179-0

Traumstraßen Deutschlands
Das kleine Tochterbuch zu „Traumstraßen der Welt“. Ähnlich aufgebaut, d. h. Bild- und Textinfo wechseln ab. Vorgestellt werden unter anderem die Oberschwäbische Barockstraße, die badisch-pfälzische Weinstraße, Störtebekerstraße usw. ATLANTIS meint: Die Schönheit Deutschlands in einem Buch. Weltbildverlag, ISBN: 3-8289-3177-4

Die Ostsee
Christoph Neidhardt, ein Binnenländer aus der Schweiz, gibt kenntnisreich Auskunft über „das Meer in unserer Mitte“ – die Ostsee. Und das von der Frühzeit bis heute, quer durch alle Disziplinen wie Geschichte, Politik, Philosophie, Wirtschaft, Soziologie. Eines der besten Bücher, die ich in den letzten Monaten gelesen habe. Mare Buchverlag, ISBN: 3-936384-83-5

Vineta
Die beiden Wissenschaftler Klaus Goldmann und Günter Wermusch begeben sich auf die Suche nach der versunkenen Stadt an der Ostsee und geraten unversehens in einen archäologischen Krimi. Bastei Lübbe, ISBN 3-404-64179-5

Campingführer/Ratgeber
Einfach mal in der Buchhandlung stöbern (oder bei amazon.de, dort findet man jede Menge Ratgeber – und ADAC-Campingführer für den Standort erster Wahl.


Tipps zum Tauchurlaub per Wohnmobil

Miete oder Kauf?
Zwei Dinge entscheiden: Geld und Geschmack. Rechnet man den Kaufpreis, die Abschreibung/Wertminderung und die Unterhaltskosten und setzt man diese ins Verhältnis zu den jährlichen Fahrtkilometern, so kann die Miete durchaus die kostengünstigere Variante sein. Wer wirklich viel verreisen kann, Rentner zum Beispiel, der fährt mit dem Kauf günstiger.

Wie groß?
Nach oben wird die Größe zunächst beschränkt von der Klasse des Führerscheins bzw. der Tonnage des Fahrzeuges. Inhaber der Klasse 3 dürfen Fahrzeuge bis 3,5 bzw. 7,5 Tonnen fahren. Eine mehrköpfige Familie braucht natürlich ein größeres Gefährt als ein Single oder ein Paar. Achtung: Größere Fahrzeuge werden leicht unhandlich zu fahren, in engen tritt man sich ständig auf die Füße.

Wohnmobil oder Wohnanhänger?
Wer richtig tourt, der ist mit einem Wohnmobil besser bedient. Das kann man zur Not auch auf einem normalen Autobahnparkplatz abstellen oder für eine Nacht am Waldrand. Wer sich ein festes Urlaubsziel aussucht, wählt den Wohnanhänger. Der wird auf dem Campingplatz ein Mal fest installiert, seine Ausflüge unternimmt man dann mit dem Zugfahrzeug.

Mit oder ohne Familie?
Eine solche Gewalttour wie wir sie hier vorgestellt haben, geht nur alleine oder zu zweit ohne Kinder. Grundsätzlich aber ist Wohnmobilurlaub Familienurlaub schlechthin.

Und die Bauart?
Gerade wer taucht, braucht viel Stauraum. Es gibt Wohnmobile, die hinten regelrechte Garagen für viele Art von Sportgeräten angebaut haben. Sogar kleine Motorräder passen da rein – Tauchausrüstung sowieso. Die Aufteilung des Innenraumes wiederum ist reine Geschmackssache. Vor dem Kauf also unbedingt festschreiben, auf was man Wert legt (Backofen, Tiefkühlfach ja/nein; getrennte Betten/Ehebetten; viel oder wenig Stauraum für Küchenutensilien oder Kleidung; Größe der Wasser/Abwassertanks usw.).

 
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