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Todesursache: Plastikmüll PDF Drucken E-Mail

grafik_mikroplastik_fraunhofer_horschler(Prozentuale Verteilung der Herkunftsquellen von Mikroplastik, Grafik mit freundlicher Genehmigung des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik, Text von Heinz Käsinger)

In den letzten Monaten häuften sich die Todesfälle von Meerestieren durch verschluckten Plastikmüll. Anfang März 2019 fand man vor den Philippinen das bislang aktuellste Opfer: Ein Cuvier-Schnabelwal. Der tote Wal, der auf den Philippinen angespült wurde, hatte 40 kg Plastiktüten im Magen, haben Forscher gesagt. Arbeiter des D’Bone Collector Museum bargen den Cuvier-Schnabelwal östlich von Davao City Anfang März. In einem Facebook-Post sagte das Museum, dass das Tier das mit „dem meisten Plastik, das wir je in einem Wal gesehen haben“, gefüllt gewesen sei.

Den Forschern zufolge, befanden sich im Magen des Tieres 16 Reissäcke sowie mehrere Einkaufstaschen. Das Museum wird in den nächsten Tagen eine vollständige Liste der im Wal gefundenen Gegenstände veröffentlichen. Die Verwendung von Wegwerfkunststoff ist in einigen südostasiatischen Ländern, darunter auch auf den Philippinen, ein besonderes Problem. Fünf asiatische Länder – China, Indonesien, die Philippinen, Vietnam und Thailand – verursachten mehr als 60 Prozent der Kunststoffabfälle, die in den Ozeanen landen, so der Bericht eines Umweltaktivisten der Ocean Conservancy und des McKinsey Center for Business and Environment aus dem Jahr 2015.

Fälle wie die des toten Cuvier-Schnabelwals aus den Philippinen traten in den vergangenen Jahren und Monaten verstärkt auf. Im Juni 2018 verendete in Thailand ein Grindwal, nachdem er 80 Plastiktüten verschluckt hatte. In einem 2017 an der Nordseeküste angeschwemmten Schweinswal fand man Massen an Kunststoffseilen, Teile von Fischernetzen und ebenfalls Plastiktüten.

Unterdessen kommt ein Bericht, der für die britische Regierung angefertigt wurde zum Schluss, dass sich der Gehalt an Plastik im Ozean innerhalb eines Jahrzehnts verdreifachen würde, es sei denn, es werden sofort wirkungsvolle Maßnahmen zur Eindämmung der Verschmutzung ergriffen.          

Kommentar:

Gutes Plastik – böses Plastik

Die Zeichen stehen auf Alarm, das ist klar. Angesichts der Vermüllung der Meere durch (Mikro-) Plastik muss etwas geschehen. Kritische Geister, Umweltschützer, ja mittlerweile sogar Otto Normalbürger, fordern ein weitreichendes Plastikverbot. Und manche Leute machen sogar unsere Zukunft davon abhängig: Aktionen wie „Plantet or Plastic“ knüpfen den Fortbestand der Erde direkt an das vom Menschen künstlich hergestellte Material – bzw. dessen Verbot.

Aber so einfach ist die Sache nicht. „Das Plastik“ gibt es zunächst gar nicht. Es wäre sinnvoller, von Kunststoffen zu sprechen. Und wie beim Oberbegriff Metall gibt es hochwertigere Kunststoffe (vergleichbar beispielsweise mit dem Kupfer im Metallbereich) und weniger hochwertige Kunststoffe (vergleichbar z. B. mit dem Element Zink).

Die hochwertigen Kunststoffe landen in den allerseltensten Fällen im Meer, weil sie dafür schlicht viel zu wertvoll sind. Große Teile der Boeing 787, besser unter dem Namen „Dreamliner“ bekannt, bestehen aus solch hochwertigen Kunststoffen. Im Automobilbau, um Gewicht – und damit Treibstoff – zu sparen, verzichtet man ebenfalls nur schwer auf Kunststoffe. Kurz: Viele technische Probleme werden mittlerweile am wirtschaftlichsten und am umweltfreundlichsten durch den Einsatz von Kunststoffen gelöst.

Kunststoff wird dann zum Problem, wenn es im Verbraucherbereich zur Massenware wird. Es ist ja nicht nur das Plastik in den Weltmeeren. Wer während eines Ägyptenurlaubs einmal einen Ausflug in die Wüste unternommen hat, der wird diese bis weit hinein durch Plastiktüten und -flaschen verschmutzt vorfinden. Wer einen Kunststoffteppich im Meer analysiert, der findet Flipflops, Plastiktüten, Plastikflaschen, Einkaufskörbe, Frisierhauben, Fischereizubehör und Verpackungsmüll – aber keine Industriekunststoffe. Wir, die Endverbraucher und Endzeitszenarienheraufbeschwörer sind es also selbst, die unsere Umwelt derart zerstören. Weil wir zu bequem sind, auf steril in Plastikfolie verpackte (Fertig-) Lebensmittel zu verzichten. Weil wir keine Einkaufstaschen mehr schleppen wollen; klar, die leichten Plastiktragetaschen sind komfortabler und überall verfügbar. Und ein Kasten Sprudel mit Glasmehrwegflaschen ist einfach zu schwer und zu unkommod zu schleppen.

Schließlich ein Wort zum Mikroplastik in Meeren und Flüssen: 33 Prozent und damit der größte Anteil daran kommt vom Reifenabrieb des Straßenverkehrs. Und nur 1 Prozent verursachen die bösen Kosmetikunternehmen, die Mikroplastik in Peelingcremes mischen. Zehn Prozent stammen vom unsachgemäß entsorgten, d. h. einfach weggeschmissenen, Kunststoff. Zusammen ist das schon fast die Hälfte. Oder, andersherum: Wenn der Gesetzgeber Kunststoff nicht verbietet, warum meiden wir ihn dann nicht einfach? 

Ihr Heinz Käsinger

 

 
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