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Deutsches WKII-U-Boot „U23“ vor Agva lokalisiert PDF Drucken E-Mail

arendt(Bild oben: Bundeswehr der Bundesrepublik Deutschland, Konteradmiral a. D. Rudolf Arendt 1966, damals noch Fregattenkapitän, war im Zweiten Weltkrieg Kommandant von U23, Text: Heinz Käsinger)

Vor einem dreiviertel Jahrhundert wurde einem jungen deutschen U-Boot-Kommandanten auf einer geheimen Mission im Schwarzen Meer befohlen, sein eigenes U-Boot zu evakuieren und zu versenken, damit es nicht in russische Hände gerät. Rudolf Arendt, heute 96 Jahre alt und pensionierter Admiral, verbrachte den Rest seines Lebens auf der Suche nach dem Wrack der U23.

Diese Woche hat sich endlich sein Wunsch erfüllt.

u23(Bild unten: Wikipedia, ein baugleiches Schwesterschiff der U23 vom Typ IIB)

Nach einer seiner alten Seekarten hat ein Schiffsingenieur das U-Boot ein paar Meilen vor der Küste der Türkei gefunden und lange schlafende Erinnerungen an eine der seltsamsten Episoden des Zweiten Weltkriegs wachgerufen.

1942, als sich das Kriegsglück an der Ostfront gegen Deutschland zu richten begann, wollte Hitler eine kleine Flotte von U-Booten gegen die Stalin-Marine im Schwarzen Meer einsetzen. Aber es gab ein Problem: Da die Türkei entschlossen war, ihre Neutralität zu wahren, wurde der Bosporus für die Nazis geschlossen, und mit ihr jede Hoffnung, ihre U-Boote auf dem Seeweg ins Schwarze Meer zu verlegen.

Doch dem Führer lag schon seit mehr als einem Jahr ein Plan vor, ein halbes Dutzend U-Boote, dazu U-Bootjäger und Schnellboote von der Ostsee bis zur Küste Rumäniens über rund 3000 Kilometer Kanäle, Autobahnen und die Donau zu transportieren. Dort wurden die für den Transport zerlegten Boote wieder zusammengebaut.

Rudolf Arendt, damals erst 21 Jahre alt und Oberleutnant, wurde das Kommando über U23 übertragen. Das fast 43 Meter lange U-Boot, bewaffnet mit fünf Torpedos und einer Besatzung von 25 Mann, war Teil einer Flottille, die später 26 russische Schiffe versenken sollte. Im Herbst 1944 stürmte die Rote Armee jedoch durch Polen und Ungarn, und Rumänien wechselte die Seite. Deutschland war gezwungen, seinen Schwarzmeerhafen Konstanza aufzugeben.

Seinen letzten Befehl erhielt Arendt aus Berlin: Er sollte an einen Ort vor den türkischen Gewässern fahren, sein U-Boot versenken und über Land nach Griechenland und von dort nach Deutschland zurückfliehen.

„Die Türkei war damals neutral, also durften wir ihr Territorium nicht verletzen“, sagt Ahrend heute über die damalige Lage. Und: „Das war Hitlers persönliches Versprechen.“

U23 feuerte seine letzten Torpedos zurück nach Konstanza und versenkte damit noch zwei rumänische Kriegsschiffe. Dann nahm es Kurs auf die türkische Küste. Die letzten drei Sprengladungen benutzte Arendt, um sein eigenes Schiff zu versenken. Eine Ladung wurde im Heck hinter der Enigma-Maschine platziert, wo sich die Munition befand. Die anderen beiden waren im Periskopschaft und in den Torpedorohren festgemacht.

Arendt nähte die Flagge des U-Bootes in seine Hose ein, und verließ das Schiff mit seiner Mannschaft auf einem Rettungsfloß und ruderte mit Rudern, die aus kaputten Schließfächern improvisiert wurden.

Nachdem sie an Land gegangen waren, wurden sie von türkischen Soldaten gefangen genommen und in ein Lager gebracht, wo der Kapitän fast erschossen wurde, weil er sich weigerte, den Standort des U-Bootes preiszugeben. Arendt erfuhr später, dass die Russen den anderen Offizieren ein Kopfgeld angeboten hatten, wenn sie überliefen.

Nach dem Krieg trat Arendt 1956 in die westdeutsche Marine ein, wo er eine tolle Karriere bis hin zum Admiral machte.

Dabei hegte er ständig die Hoffnung, dass er eines Tages den Standort seines alten U-Bootes finden würde. Im Jahr 2006 reiste er in die Türkei und zeigte seine Karten Selcuk Kolay, einem bekannten Wrackforscher. Zwei Jahre später gab Kolay bekannt, dass er das Wrack der U23 und zweier anderer U-Boote durch ein Sonargerät identifiziert habe.

Doch erst in der vergangenen Woche erhielten die Taucher die ersten eindeutigen Aufnahmen des U-Bootes. Experten sagten, dass der Fund zwar „spektakulär“ sei, es aber keinen Grund gebe, Millionen für die Bergung des Wracks auszugeben.

Arendt meint dazu philosophisch. „Es ist schön zu wissen, wo mein Boot liegt. Aber jetzt kann es dort bleiben.“

Achtung: ATLANTIS berichtete bereits in seiner Ausgabe 1/2011 ausführlich über die damaligen Begebenheiten. Chefredakteur Heinz Käsinger besuchte zusammen mit dem damals 87-jährigen Zeitzeugen Gerd Enders den Fundort von U20 im Schwarzen Meer vor dem türkischen Küstenort Karasu. Bei der U20 handelt es sich um ein Schwesterschiff der U23 und die war ebenfalls in die damaligen Ereignisse verstrickt. Das letzte Boot, die U19, wird wohl für immer verschollen bleiben. Einen ausführlichen Bericht finden Sie unter:

http://www.atlantis-magazin.de/content/view/585/47/

 


 
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