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Freitag, 22. November 2019

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Stürme statt Piraten PDF Drucken E-Mail
galeone-sturm(Bild: pxhere.com, barocke Galeonen im Sturm, Text: Heinz Käsinger)

Beladen mit Kanonen, Schätzen, Seeleuten und Entdeckern, die verbissen die Welt ergründen – und vor allem kartographieren – wollten, traten Hunderte spanischer Galeonen den Weg aus der Neuen Welt zurück nach Hause an. Darauf hatten Piraten nur gewartet. Um ihnen auszuweichen, steuerten die Schatzschiffe auf die hohe See zu.

Ein fünfjähriges Forschungsprojekt im Auftrag des spanischen Kulturministeriums hat nun ergeben, dass das Wetter (und nicht die Piraten) maßgeblich für das Schicksal zahlreicher Havarien war. Laut dem Bericht der Wissenschaftler, die 681 Schiffswracks aus fünf Jahrhunderten untersuchten, forderten entweder tropische Stürme oder Hurrikane 91,2 Prozent der Schiffe. Nur 0,8 Prozent wurden bei Piratenangriffen versenkt und 1,4 Prozent gingen bei Seeschlachten mit verfeindeten Mächten verloren. In 4,3 Prozent der Fälle liefen die Schiffe auf Felsen oder gingen durch Navigationsfehler unter.

Carlos León, ein Archäologe, leitete das Forschungsteam, das Wracks vor Kuba, Panama, der Dominikanischen Republik, Haiti, den Bermudas, den Bahamas und der US-Atlantikküste protokollierte.

Die Liste der untersuchten Wracks reicht von der „Santa María“, dem Flaggschiff von Christoph Kolumbus, das am Weihnachtstag 1492 vor Haiti verloren ging, bis hin zu „Plutón“, dem spanischen Zerstörer, der im Juli 1898 von einem US-Boot vor der Küste Kubas getroffen wurde und das Ende des spanisch-amerikanischen Krieges markierte.

León hat in Sevilla und Madrid Schiffsregister durchsucht und eine Liste erstellt, um die Wracks auch in Zukunft finden zu können und zu erklären, wie die Galeonen versenkt wurden.

„Die Versenkung durch Piratenschiffe bietet viel Stoff für Legenden", sagte er. „Die Wahrheit aber ist: Spanische Schiffe waren gefürchtet. Sie waren schwer bewaffnet und hatten Dutzende von Kanonen. Sie jagten so den Piraten mehr Angst ein, als umgekehrt.“

Die größte Anzahl von Wracks wurde in Buchten vor Panama, der Dominikanischen Republik und den Florida Keys gefunden.

Die an Bord gefundenen Schätze und Waren helfen zu erklären, wie Spanien damals ein ungemein reiches und profitables Imperium aufbauen konnte. Die Schiffe transportierten Tonnen von Gold und Silber, die aus Minen in Südamerika gewonnen wurden. Oder sie hatten religiöse Gegenstände, Steine für den Kirchenbau, Kleidung für Sklaven und Waffen, um Rebellionen zu unterdrücken an Bord.

Der Staat Spanien wird nun ein digitales Inventar der Wracks erstellen, das er mit anderen Ländern teilen kann, damit die Schatzschiffe vor skrupellosen Plünderern geschützt werden können.

Einige Beispiele, die dokumentiert wurden: Vor der US-amerikanischen Küste (ohne die Landzunge von Florida) liegen 153 bekannte spanische Wracks. Vor Florida konnten 150 davon lokalisiert werden. Alleine im Jahr 1563 gingen vor den Bermudas 15 Spanier verloren, ebenso viele schon 1533 vor den Florida Keys. Rund um Kuba konnte man 249 spanische Transportschiffe lokalisieren. Und vor Panama und der Dominikanischen Republik sollen sich jeweils 66 Wracks befinden. Die Arbeit wird Carlos León und seinen Mitarbeitern also nicht so schnell ausgehen.


 
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