Atlantis Magazin
Advertisement
Donnerstag, 15. November 2018

Home arrow Reportage & Service arrow Das älteste Schiffswrack der Welt wird im Schwarzen Meer entdeckt
HomeKontaktImpressumHaftungsausschluss
     

Aktuelles Magazin

atlantis_2018.jpg

Benutzer Login






Passwort vergessen?

Advertisement

Das älteste Schiffswrack der Welt wird im Schwarzen Meer entdeckt PDF Drucken E-Mail

odysseusDer an den Mast gebundene Odysseus hört den Gesang der Sirenen. Der Weinkrug befindet sich im Britischen Museum (Foto: Britisches Museum)

Hat so das Schiff von Odysseus ausgesehen? Das älteste intakte Schiffswrack der Welt, komplett mit Mast, Rudern und Ruderbänken, wurde auf dem Grund des Schwarzen Meeres gefunden, wo es seit mehr als 2400 Jahren liegt.

Das 23 Meter lange Handelsschiff wurde von einem ferngesteuerten U-Boot auf der Seite liegend aufgespürt. Britische Wissenschaftler vom Black Sea Maritime Archaeological Project, die das Wrack gefunden haben, sagen, dass seine Lage - etwa 80 Kilometer vor der Küste Bulgariens - enthülle, wie weit sich damals lebende griechische Händler mit ihren Schiffen vom Ufer entfernt wagten. Das Wrack zeige auch die Genauigkeit des Sirenenmalers, eines alten griechischen Künstlers, der Weinkrüge dekorierte. Einer davon befindet sich im British Museum. Darauf abgebildet: Odysseus, der an den Mast eines bemerkenswert ähnlichen Schiffes gebunden war, um den Sirenengesang hören zu können. Die Ruderbänke, die Riemenlöcher, der Mast und das Ruder des aufgefundenen Wracks ähneln denen der Abbildung auf dem Weinkrug, auf der die Matrosen von Odysseus mit wachsverstopften Ohren saßen, so dass sie das bezaubernde Lied der Sirenen nicht hören konnten. Wären sie dem Locken gefolgt, wären sie an der Felsenküste einer Insel zerschellt.

griechenschiff(Dieses Mosaik in Rimini zeigt eine Darstellung alter griechischer Trieren. Ganz ähnlich sieht das neulich im Schwarzen Meer gefundene Schiff aus; Foto: JoJan/Wikipedia, Text: Heinz Käsinger)

„Niemand hat je gewusst, wie genau die Darstellung auf der Sirenenvase war und ob der Künstler sie erfand oder zeichnete, was er tatsächlich sah“, sagte Jon Adams, Professor für Archäologie an der University of Southampton und leitender Wissenschaftler des Teams, das das Wrack fand. „Jetzt aber sehen wir archäologische Beweise. Das im British Museum abgebildete Schiff gleicht dem Wrack bis hin zur Form des Ruderblattes. Der Künstler muss mit Schiffen vertraut gewesen sein.“

Adams erklärt, dass der Mangel an Sauerstoff, 150 Meter unter dem Spiegel des Schwarzen Meeres bedeutete, dass Holzwracks lange Zeit erhalten blieben. In anderen Meeren, die reicher an Sauerstoff seien, hätten Meeresorganismen ein hölzernes Schiff längst zersetzt. „Wir haben nur sehr wenige Schiffe dieses Alters aber keines dergleichen aus der griechischen Welt“, fügte er hinzu und meinte weiterhin, "dass das Schiff, das sowohl ruder- als auch segelgetrieben war, in erster Linie für den Handel genutzt worden wäre, aber die Seeleute könnten auch an „einem kleinen Überfall“ auf die Schwarzmeerküstengemeinden beteiligt gewesen sein." Heimathafen des gefundenen Schiffs war wahrscheinlich eine der alten griechischen Siedlungen an der Küste des heutigen Bulgariens. Professor Adams meinte, dass die Lage des Wracks, 80 Kilometer vom Festland entfernt, enthülle, dass „alte Seeleute die Küste nicht schüchtern umarmten, indem sie von Hafen zu Hafen gingen, sondern auch das Blauwassersegeln und die einhergehende Navigation beherrschten.“

Das Schiff ist eines von 67 Wracks, die das Projekt in den letzten drei Jahren mit ferngesteuerten U-Booten gefunden hat. Die U-Boote werden normalerweise in der offshore Öl- und Gasförderindustrie eingesetzt. Weitere gefundene Wracks sind ein römisches Handelsschiff aus dem Jahr 200 unserer Zeitrechnung, aus dem das Team Amphoren bergen konnte. Sie entdeckten auch 1200 Jahre alte Wracks aus dem Byzantinischen Reich, ein mittelalterliches italienisches Schiff und einige aus der osmanischen Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. „Diese Wracks enthüllen eine Geschichte des intensiven Seeverkehrs, der alle Gemeinden rund um das Schwarze Meer von Anfang an verband“, sagte Professor Adams. Er fügte hinzu, dass es noch ältere Wracks geben würde, die unentdeckt auf dem Grund des Schwarzen Meeres liegen würden. Keine fünf Prozent der damals üblichen Routen sind untersucht. Ob das altgriechische Schiff Fracht beförderte, ist noch nicht bekannt, da das Innere mit Schlamm gefüllt ist, den die Wissenschaftler entfernen wollen. In diesem Zusammenhang suchen die Wissenschaftler noch nach einer Finanzierung für weitere Expeditionen.

Das vom Julia und Hans Rausing Trust finanzierte Projekt suchte ursprünglich gar nicht nach Wracks, sondern kartierte die antike Landschaft des Schwarzen Meeres, die vor Tausenden von Jahren überschwemmt wurde, nachdem das Wasser aufstieg, während die Gletscher nach der letzten Eiszeit schmolzen.

 
weiter >
Advertisement
Advertisement
Advertisement
 
 
 
Advertisement

Advertisement

© 2018 Atlantis Magazin