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Tödliche Kreuzfahrtschiffe PDF Drucken E-Mail

Nachdem in der Vergangenheit bekannt wurde, dass Kreuzfahrtschiffe a) Dreckschleudern sind und b) auf den schwimmenden Luxushotels das Personal (oft ohnehin aus Billiglohnländern) quasi rechtlos ist, jetzt das: Jährlich verschwinden von Kreuzfahrtschiffen mehr als 20 Menschen. Die meisten davon spurlos.

In den Fokus der Öffentlichkeit gerieten die riesigen Luxusliner einmal mehr Mitte August 2018, als eine Frau in der Adria von der „Norvegian Star“ fiel und zehn Stunden lang im Meer trieb. Dann wurde sie von einem Schnellboot der kroatischen Marine gerettet.

Die Frau hatte Glück im Unglück. Eine Überwachungskamera filmte den Sturz aus dem siebten Stock (bzw. vom siebten Deck) des Schiffes und die Besatzung rief sowohl die italienische als auch die kroatische Küstenwache, die sofort die Suche einleiteten.

Wenn das, wie im Fall der hier genannten Britin, in Küstennähe geschieht (die „Norvegian Star“ war auf dem Weg von Pula nach Venedig), hat so ein Unglückswurm eine reelle Chance auf Bergung. Was aber, wenn das gefürchtete „Mann über Bord“ mitten auf dem Ozean passiert? Dann bleibt der verlustige Passagier in der Regel für immer verschwunden. Und das hat mehrere Gründe, der gewichtigste davon ist das Geld. So ist es ein wirklich teurer Spaß für die Reedereien, das Schiff anzuhalten, umzudrehen und eine aufwändige Suchaktion durchzuführen, obwohl das so vorgeschrieben ist. Mehr noch: Nach dem Ruf „Mann über Bord“ hat die sofort einzuleitende Suchaktion Priorität vor allen anderen Aufgaben des Schiffes. Das kurz MOB-Notfall genannte Manöver muss mehrmals jährlich geübt werden. Aus Kostengründen übersehen deshalb viele Besatzungen, dass Passagiere abgängig sind. Und: Würde einem breiten Publikum bekannt, dass die christliche Seefahrt auch für einen Kreuzfahrturlauber nicht ganz ungefährlich ist, würde das Luxusprodukt Kreuzfahrt einen nicht unerheblichen Imageverlust erleiden.

Zur Ehrenrettung der Reedereien sei gesagt, dass es bei bis zu 7000 Passagieren ziemlich schwer ist, Vermisstenfälle in kurzer Zeit zu erkennen. Wenn ein/e Alleinreisende/r die Kabine nicht benutzt, kann das auch andere Gründe haben.

Und dazu ist die Gruppe der Vermissten alles andere als homogen. Ein Drittel der verschwundenen Passagiere sind Selbstmörder, schätzt man. Die machen sich noch ein paar schöne Tage auf dem Schiff und hechten dann, vorwiegend nachts, in den Tod. Das nächste Drittel sind Unfälle, die meisten davon verursacht durch zu viel Alkoholgenuss der Betroffenen. Kurz: Die fallen einfach im Vollsuff über die Reling. Kritisch ist das letzte Drittel. Man vermutet, dass Morde darunter sind, durch Fahrlässigkeit Dritter verursachte tödliche Unfälle oder dass Menschen das Reisemedium Kreuzfahrtschiff dazu verwenden, um von der Bildfläche zu verschwinden. Stichworte sind Versicherungsbetrug und das vielbeschworene neue Leben mit einem anderen Partner.

Es leiden vor allem die Hinterbliebenen bzw. die Zurückgebliebenen. Die Reedereien schweigen, man hat es nicht gerne, das Premiumprodukt Schiffsreise beschmutzt zu sehen. In vielen Fällen ermitteln Polizei und Justiz. Ein Vater musste sich in Sachen seiner verschwundenen Tochter gar die Auskunft der Reederei vor Gericht erklagen.

Einige der betroffenen Hinterbliebenen haben deshalb zwischenzeitlich einen Verein gegründet und zumindest in Amerika gibt es jetzt ein spezielles Gesetz ausschließlich für Vermissten- bzw. Todesfälle im Zusammenhang mit Kreuzfahrten. Unter anderem verpflichtet dieses Gesetz die Reedereien bei einer Strafe von 250 000 US-Dollar, Vermisstenfälle innerhalb von vier Stunden zu melden. Kreuzfahrtschiffe, die US-amerikanische Häfen anlaufen wollen, müssen zudem das automatisch arbeitende man-over-board-Notfallsystem installiert haben. Klar ist: In den allermeisten Fällen können die Reedereien nichts für Vermissten- oder gar Todesfälle während einer Kreuzfahrt. Aber es ist eine andere Sache, wie man damit umgeht. Heinz Käsinger

 
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