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Killer-Wels soll selbst gekillt werden – oder doch nicht? PDF Drucken E-Mail
Es ist eine waschechte Provinzposse, die sich derzeit in der hessischen Stadt Offenbach abspielt. Auf der einen Seite befinden sich ein riesiger, brandgefährlicher Wels und jede Menge bundesdeutscher Tierschützer. Auf der anderen Seite stehen die Stadtverwaltung, ein Angelverein und einige Enten und Hühner, teilweise artengeschützt. Dann gibt es noch das Regierungspräsidium Darmstadt, das irgendwie zwischendrin steht. Doch von vorne:

Im lauschigen Offenbacher Stadtpark gibt es einen malerisch gelegenen Teich. Zwischen alten Bäumen sprudelt ein Springbrunnen aus ihm heraus und das Maß der Romantik voll machen zahlreiche possierliche Wasservögel wie Enten und Teichhühner, die auf dem Gewässer einher schwimmen. Vögel dürften vor zwei, drei Jahren den Wels durch Flugbesatz auch eingeschleppt haben, denn eigentlich ist der Gumpen zu klein für große Fische. Trotzdem: Irgendwie gelangte der gefräßige Räuber in den Stadtteich und fing stante pede an, das Gewässer leer zu vespern – zunächst unbemerkt von der Bevölkerung und der Verwaltung. Denn die räuberischen Aktivitäten des Kolosses unter Wasser bemerkte man natürlich nicht. Erst als einige junge Wasservögel fehlten, wurde man aufmerksam und entdeckte schließlich auch den großen Fisch. Rund 1,50 Meter soll er lang sein und ein großes Maul haben und riesige Glubschaugen. Ein Wels halt.
Dass der Fisch sich aus Mangel an submariner Nahrung an oberflächliches Getier heran machte, war ein Fehler. Denn gerade Teichhühner stehen unter Artenschutz und so überlegte sich die Stadtverwaltung, was zu tun sei. Da Welse nicht geschützt sind fiel die Interessensabwägung auf der Behörde klar gegen den Küken-Killer, den Monsterfisch, den Problem-Wels aus, wie den Fisch die Medien mittlerweile nennen. Die Mitglieder eines Angelvereins sollten den Fisch herausholen und dem Verzehr zuführen. Ein Täter wird zum Opfer. So sahen es auch die Mitglieder des hessischen Fischerverbandes und schwärmten schon vom schmackhaften Fleisch des Tieres, reines Protein, grätenfrei, geschmacklich an Kalbfleisch erinnernd. Und überhaupt: Eine ebenfalls ins Auge gefasste Umsiedlung widerspräche dem Tierschutzgesetz, das vorschreibt, Tiere nur aus „vernünftigen Gründen“ fangen zu dürfen.
Das städtische Todesurteil wiederum rief einige Tierschutzaktivisten auf den Plan, die sofort ankündigten, die Angler bei ihrem mörderischen Vorgehen behindern zu wollen. Gefordert wurde von jener Seite eine Umsiedlung. Das wiederum ist aber nicht so einfach, wie jetzt das Regierungspräsidium Darmstadt verlauten ließ: Da es sich beim Wels um einen nicht heimischen Fisch handelt, darf er nur in ein stehendes Gewässer umgesiedelt werden. Fließgewässer sind für ihn tabu.
Nach einigem Hin- und Her und dem großen Interesse der Bevölkerung – und zwar bundesweit – entschloss man sich nun doch für die Variante der Umsiedlung. Man darf gespannt sein, wie es weiter geht.   Heinz Käsinger
 
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