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Freitag, 20. April 2018

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Mittelgebirgssee ist Gewässertyp des Jahres PDF Drucken E-Mail

titisee„Sein Name: tiefer, großer, kalkarmer Mittelgebirgssee. Seine typischen Bewohner: Flussbarsche, Haubentaucher, gefährdete Algenarten und die Larven der Köcherfliege Oligotricha striata.“ So beschreibt das Umweltbundesamt (UBA) den Gewässertyp des Jahres 2017. Im Rahmen dieser Aktion wird alljährlich aus den 25 Fließgewässertypen, 14 Seentypen und elf Typen für Küsten- und Übergangsgewässer, ein Vertreter ausgewählt, um auf die Schutzwürdigkeit der Wasservorkommen in Deutschland aufmerksam zu machen. „Flüsse, Seen und Küstengewässer“, so das UBA, „sind vielfältige und ökologisch äußerst wertvolle Lebensräume, die im Naturhaushalt eine zentrale Rolle spielen.“ Mit der Öffentlichkeitsarbeit rund um die jährliche Wahl soll deshalb vor allem für einen sorgsameren Umgang mit den Gewässern geworben werden. Laut Bundesumweltministerin Barbara Hendricks fordert die EU-Wasserrahmenrichtlinie, auf die diese Einteilung der Gewässertypen zurückgeht, grundsätzlich eine „hohe Wasserqualität und gute Lebensbedingungen für die im und am Wasser beheimatete Tier- und Pflanzenwelt“.

Der Kommentar: PR-Gedöns statt Taten

 

Das ist doch mal ein Zeichen! Endlich weist das Umweltbundesamt auf die besondere Gefährdung der Mittelgebirgsseen durch Umwelteinflüsse hin. Das war längst überfällig. Davor, 2016, hat man den kiesgeprägten Strom zum Gewässer des Jahres gemacht und 2015 war es das salzreiche Wattenmeer. Und wiederum davor war es der tiefe, nährstoffarme See…

Ach, wissen Sie was? Mir platzt gleich der Kragen vor soviel Scheinheiligkeit. In Deutschland unterscheiden wir 25 Fließgewässertypen, 14 Seentypen und 11 verschiedene Küsten- und Übergangsgewässer. Und jeder einzelne dieser insgesamt 50 Gewässertypen ist gefährdet. Und zwar durch schädliche Umwelteinflüsse von Landwirtschaft, Verkehr und Produktion. Wobei die Landwirtschaft sowohl der Hauptverursacher des schädlichen CO2-Ausstoßes (Klimawandel) ist, als auch der Hauptverursacher von Boden- und Gewässerverunreinigungen. Kürzlich haben Wissenschaftler im Rahmen einer groß angelegten Studie festgestellt, dass wir, verglichen mit 1990 nur noch ein Viertel des Insektenbestandes haben. Drei Viertel – einfach verschwunden. Wir kennen auch den Grund: Es sind die Umweltgifte aus der Landwirtschaft, die der Grundlage allen Lebens, nämlich dem – übertragen – Luftplankton, den Garaus machen. Handelt die Politik? Mitnichten. Soeben wurde der Einsatz von Glyphosat für weitere Jahre erlaubt. Das hoch giftige Beizen von Saatgut: Nur beim Mais verboten, bei allen anderen Kornarten nicht. Wenn einem chemischen Betrieb 1000 Liter Giftgülle entweichen, dann geht ein Aufschrei durchs Land. Der Bauer hingegen darf Wald und Flur ganz legal verseuchen.

Ein Blick nach Frankreich zeigt, dass es auch anders geht. Dort sind dererlei Gifte seit einiger Zeit verboten. Und das, wo der Umweltschutz doch bekanntlich am Rhein endet und der deutsche Bauer der eifrigste Landschaftspfleger ist.

Und deshalb braucht unsere Regierung solche Feigenblätter und PR-Maßnahmen wie die Krönung eines Tiers oder Gewässers des Jahres. Wie wäre es mit handeln? Umweltgifte in der Landwirtschaft konsequent zu verbieten? Nein, das geht auf keinen Fall, weil die Bauernschaft das größte Wählerpotential etablierter Parteien ist. Die darf man nicht vor den Kopf stoßen.

In diesen Sinne: Gönnen wir den tiefen, großen, kalkarmen Mittelgebirgsseen also ihren einjährigen Ruhm. Ab 2018 wird der wieder vergessen sein. Erst wenn reihum alle anderen Gewässertypen dran waren, rückt er wieder in den Fokus der Bevölkerung. Hoffentlich habe ich mich bis dahin von meiner Übelkeit erholt. Text und Bild Heinz Käsinger
 
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