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Höllische Zustände im Paradies

s32_malediv-1.seite32-1 Von Heinz Käsinger

Urlauber schätzen die Malediven wegen der paradiesischen Landschaft und einem Serviceangebot das immer breiter und besser wird. Doch hinter den Kulissen herrscht ein Klima von Repression, Rechtsunsicherheit und Korruption. – Von großen und kleinen Umweltsünden ganz abgesehen.
Im Jahr 2004 vergab die Stiftung Shark Project ihren Anti-Award an die Malediven. Shark-Project-Gründer Gerhard Wegener verknüpfte die Entscheidung mit der Begründung, dass er die Hoffnung hege, auf den Malediven damit wirklich etwas bewegen zu können. Wegener lag mit dieser Einschätzung falsch. Die Tourismusverantwortlichen ließen entrüstet verlauten, man hätte schließlich soundsoviele Atolle unter Naturschutz gestellt, jegliche Fischerei dort verboten. Die Malediver verschweigen, dass das Verbot nur in den Touristenatollen und in den ohnehin fischarmen Landesteilen gilt. Die lohnenden Plätze werden weiterhin stark befischt. Kontrolliert werden die Verbote sowieso nur sporadisch und schlampig und mit geschlossenen Augen.
Und so kommt es auch zu den Auswüchsen, wie man sie hier auf unseren Bildern sieht. Das Finnen von Haien und mittlerweile auch Rochen hat stark zugenommen. Haiflossen werden für ein Paar Dollars an die chinesische Lebensmittelindustrie verhökert, die daraus sowohl Haifischflossensuppe, ein teures Statussymbol, herstellt oder sie zu Pillen und Pülverchen verarbeitet. Diese sollen die Manneskraft stärken – ein totaler Blödsinn, wie Pharmakologen nachgewiesen haben. Flossen von Mantas werden unter anderem als Köder für die Großfischangler und Hochseefischer verwendet. Wohlgemerkt schneidet man den harmlosen Planktonfressern diese bei lebendigem Leibe ab. Die Stücke dienen dann als schmackhafte Köder für Haie, die wiederum ganz oben auf der Beliebtheitsskala der westlichen Großfischfischer stehen. Und die machen alles mit, um an die beliebte Beute zu kommen. Auch das perverse und pietätlose Spielchen mit dem gefangenen Hai und dem Zackenbarsch wurde von weißen Feriengästen getrieben. Die maledivischen Guides hatten hier allenfalls eine Statistenrolle und das Inselmanagement sah tatenlos zu, man will keine Gäste vergraulen. Engagierte ausländische Arbeitskräfte auf den Malediven werden mundtot gemacht, wenn sie Missstände anprangern. Die hier abgebildeten Fotos wurden uns von deutschen Tauchbasenmitarbeitern zugespielt – mit der dringenden Bitte um Informantenschutz. „Wenn rauskommt, dass die Bilder von mir sind, habe ich weit reichende Schikanen zu befürchten, wenn ich nicht sofort ausgewiesen werde“, verriet uns der Mann. Überhaupt sind Meinungsfreiheit und kritische Auseinandersetzung mit dem System nicht gerne gesehen im Inselstaat. Als der Beitrag „Früher Nachruf auf die Haie der Malediven“ in unserer Ausgabe 3-06 erschienen war, meldeten sich einige Malediven-Insider bei uns, um über den Beitrag zu sprechen. Einhelliger Tenor: „Der Norbert traut sich ja was!“ Dazu muss man wissen, dass der Autor des Beitrags, Norbert Schmidt, zwei Tauchschiffe auf den Malediven betreibt, seit fast 30 Jahren unten ist. Ein anderes Thema ist die Vergabe von Tauchbasen. Ausländische Investoren sind hoch willkommen, dienen sie doch als Melkkühe erster Qualität. Unbestätigten Informationen zufolge müssen diese mit bis zu einer Million Dollar in Vorleistung treten, um an eine der beliebten und (hoffentlich!) lukrativen Tauchbasen zu kommen.
Ob der Geschäftspartner sich nach dem Vertragsschluss auch an ausgemachte Bedingungen hält, ist ebenfalls fraglich. Denn die Möglichkeit, Rechte bzw. Pflichten per Gericht einzufordern, ist auf den Malediven eine mehr als unwahrscheinliche Sache. Es herrscht keine Rechtssicherheit. Ein Informant, der ebenfalls nicht genannt werden will: „Da hatte ich schon fast alle Streitpunkte vor Gericht gewonnen und dann stand der Gegner auf und präsentierte dem Richter eine Sure aus dem Koran, nach der bestimmte Sachverhalte so und so zu bewerten seien – und schon hatte ich den Prozess dann doch verloren.“
Die Malediven tun an sich nichts ungesetzliches oder böses, sie verkaufen ihr Paradies auf dem Weltmarkt eben so teuer wie möglich. Doch wie sie dies tun, ist äußerst fragwürdig. Das Land deshalb zu boykottieren, hat wie immer schlimmere Nebenwirkungen als heilende Kräfte. Tausende von Menschen würden arbeitslos, zuerst natürlich die ärmsten der Armen, die vielen Inder, Bangladesher, Pakistaner, die die niedrigsten Arbeiten verrichten.
Wir haben das maledivische Fremdenverkehrsamt um eine Stellungnahme gebeten. Es hat bis heute nicht reagiert.

 
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