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Umwelt
Meeres- und Umweltschutz: Zappenduster bis hoffnungsvoll PDF Drucken E-Mail

Betrachtet man eine Reihe von Ereignissen rund um den Meeresschutz, die in den vergangenen Tagen und Wochen stattgefunden haben, bzw. bekannt wurden, so schwankt man zwischen hoffen und Bangen. Lesen Sie selbst:

true(Foto links: Dylan Walker, Wikimedia Commons. True-Wale sehen ein bisschen aus wie eine Kreuzung zwischen Delfin und Seekuh. Biologisch gesehen gehören sie zu den Schnabelwalen)

Am Strand der Insel Sotra vor Bergen, Norwegen, wurde kürzlich ein Cuvier-Schnabelwal entdeckt, der trotz heftiger und wiederholter Intervention von Menschen immer wieder Richtung Strand schwamm. Ein herbeigerufener Zoologe diagnostizierte, dass das Tier krank sei und unter starken Schmerzen leiden musste. Man beschloss deshalb schweren Herzens, das Tier einzuschläfern. Wissenschaftler der Universität von Bergen obduzierten den Kadaver schließlich und stellten dabei Erschreckendes fest: Im Magen des Tieres befanden sich mehr als 30 Plastiktüten, andere Plastikverpackungen und mehrere Kilogramm Mikroplastik. Der Kunststoff hatte einen Pfropfen im Magen gebildet, so dass sich der Wal nicht mehr ernähren konnte und langsam verhungert wäre.

Forscher des Geomar-Helmholtz-Zentrums für Meeresforschung in Kiel stellten fest, dass der Sauerstoffgehalt des Meeres langsam sinkt. Die Studie der Wissenschaftler offenbart, dass dieser seit den 1960er Jahren um mehr als zwei Prozent abgenommen hat. Mit der Studie stellten die Kieler die bislang wohl umfassendste Studie zum Sauerstoffverlust der Weltmeere vor. Grund für den Rückgang des Sauerstoffgehaltes ist mittelbar und unmittelbar die Erderwärmung. Problematisch ist der Rückgang vor allem für Meereslebewesen, die in ohnehin sauerstoffarmen Meeresregionen leben.

Knapp 200 Kilometer vor der Küste Westaustraliens sichteten Mitarbeiter der australischen Naturschutzbehörde Anfang des Monats März 2017 einen Delfin, der ein T-Shirt trug. „Das war Absicht“, stellt Walter Confine, Leiter der Gruppe, fest. „Das Tier hat sich nie und nimmer selbst auf diese Weise in das Shirt verstricken können.“ Die Ranger fürchten nun, dass das Kleidungsstück das Atemloch des Delfins verstopft und dieser qualvoll ersticken könnte. Auch die Strömungsqualitäten des Körpers sind durch das T-Shirt erheblich beeinträchtigt, er muss viel mehr Kraft zum Schwimmen und für die Jagd aufbringen als normal. So droht der Säuger zu verhungern, zumal er zusätzliche Kraft aufwenden muss, um im Schlaf das Atemloch an der Luft zu halten. Bleibt zu hoffen, dass die Ranger das zwischenzeitlich verschwundene Tier fangen und es vom Kleidungsstück befreien können. Und dass die so genannten Spaßvögel, auf deren Konto der üble Scherz geht, geschnappt werden. Dann drohen ihnen bis zu 2800 Euro (rund 4000 Australische Dollar) Strafe.

In Thailand werden in vielen Teichen und Brunnen Schildkröten gehalten, um dann Münzen in den Brunnen zu werfen. Das bringt Glück und vor allem ein langes Leben in Wohlstand – meinen sie. Eine Schildkröte lebte vom juvenilen Stadium an beispielsweise im Teich von Srirachian, das knapp 150 Kilometer südöstlich von Bangkok liegt. Besuchern war nun aufgefallen, dass das Reptil nicht mehr richtig schwimmen konnte und so brachte man es ins Universitätsklinikum in der Hauptstadt Bangkok. Dort wurde es zunächst geröntgt und dabei entdeckte man massive Münzvorkommen im Innern der Schildkröte. Ein achtköpfiges Chirurgenteam entfernte daraufhin in einer sechsstündigen Operation 915 Münzen aus dem Verdauungstrakt des Tieres. Jetzt befindet es sich zur Rekonvaleszenz in einer Schutzanlage der Marine und dann wird es ins freie Meer entlassen werden. Die Thailänder haben der reichen Kröte bereits einen Namen gegeben: Omsin, Sparschwein, wird es dort nun genannt. (Neuigkeiten hierzu unter AKTUELLES)

Nach drei schlechten und einer durchwachsenen Nachricht (vor fünf Jahren hätte man die Schildkröte noch geschlachtet, statt sie zu operieren) schließlich noch eine gute Meldung:

Kürzlich ist es gelungen, die sehr seltenen True-Wale besser kennenzulernen. Tauchern ist es gelungen, Unterwasseraufnahmen von ihnen zu schießen. Dabei erkannte man individuelle Zeichnungen am Hinterkopf dieser Schnabelwalart. Bekannt wurde jetzt auch, dass die Paarungszone und die Kinderstube der True-Wale der nördlichen Populationen (Verbreitungsgebiet ist hier der Nordatlantik) bei den Kanarischen Inseln und den Azoren liegen. Auf der Südhalbkugel halten sich die Wale bevorzugt in den gemäßigten Breiten des Indischen Ozeans zwischen dem Kap der Guten Hoffnung im Westen und Westaustralien im Osten auf. Von jenen True Walen weiß man heute noch nicht viel mehr. Im Pazifik gab es bislang keine Sichtungen. Überhaupt sind Begegnungen mit diesen Walen mehr als selten. Denn die Bestände sind nur sehr klein und außerdem halten sich die Tieftaucher lange Zeit in großen Meerestiefen auf. Text: H.K.

 
Ist das Tote Meer bald tot? PDF Drucken E-Mail

totesmeer2(Bild links: Blick vom Kibbuz En Geddi auf das Tote Meer) Im Jordantal, etwa auf halber Strecke zwischen dem See Genezareth und dem Golf von Aqaba, liegt das Tote Meer. Es befindet sich damit am nördlichsten Ende des Ostafrikanischen Grabenbruchs und an der tiefsten Festlandstelle der Erde: 420 Meter unter dem Niveau des Meeresspiegels. Wer auf der israelischen Seite des Jordantales steht, hoch droben auf der Festung Masada, hat einen herrlichen Blick auf das Tal, den Salzwassersee und die Berge Jordaniens dahinter. Leider könnte dieser schöne Ausblick bald ohne das tiefe Blau des Sees auskommen müssen. Denn der See ist von der Austrocknung bedroht. Rund ein Meter sinkt sein Wasserspiegel pro Jahr.  Das Tote Meer teilt damit das Schicksal des Sees Genezareth – aus durchaus ähnlichen Gründen.

tootesmeer1(Bild rechts: Mit 34 % Salzgehalt hat das Tote Meer zehn Mal mehr Salzkonzentration als beispielsweise der Atlantik. Menschen schwimmen wie Korken)

Grundsätzlich ist Wasser ein mehr als knappes Gut in jener Weltregion. Der Libanon, Syrien, Jordanien und Israel, mithin alle Anrainerstaaten des Jordantales, beziehen Süßwasser aus dem Jordan oder seinen Zuflüssen. Manche Zuflüsse gibt es gar nicht mehr, weil die Menschen das Wasser direkt von den Quellen wegzapfen. Der Hauptarm des Jordan samt seiner Zuflüsse nördlich des Sees Genezareth schaffen es nicht einmal mehr, jenen See zu füllen. Auch dessen Niveau sinkt dramatisch, Städte wie Jerusalem und Amman nutzen ihn als Trinkwasserdepot. Südlich des Genezarethsees ist der einst wasserreiche Jordan zu einem dürren Rinnsal verkommen. Das weniger Wasser, das er noch führt, wird zur Bewässerung der jordanischen und israelischen Felder gebraucht. Im Toten Meer landet so gut wie nichts mehr. Doch auch das Tote Meer selbst wird ausgebeutet. Unternehmen wie die Dead Sea Works oder die Arab Potash Company pumpen riesige Wassermengen ab, um daraus wertvolle Mineralien und Heilschlämme zu gewinnen. Dieser Raubbau ist auch der Grund, warum sogar ein normal stark fließender Jordan, die Entwicklung nicht mehr rückgängig machen könnte. Der Fluss in seiner normalen Stärke würde die Lage höchstens stabilisieren.

totesmeer4(Bild links: Salzkristallriff im Toten Meer ) Durch den Rückgang des Wasserspiegels hat sich eine mehrere hundert Meter breite Strandzone aus getrocknetem Schlamm gebildet. Und diese ist, darüber hinaus, zu einer tückischen Gefahr für Mensch und Tier geworden. Denn stellenweise haben sich unter der Kruste Sinklöcher gebildet: Salzdepots im Erdreich wurden von Regenfällen tiefer in den Grund gespült und haben teils mehrere Meter tiefe Krater zurückgelassen. Allerdings bedeckt mit einer trügerisch dünnen Abdeckung aus Schlamm. Obwohl links und rechts des Toten Meeres diese Zone für Spaziergänger, Wanderer oder Camper gesperrt ist, gibt es sowohl in Jordanien als auch Israel jährlich Dutzende von Toten und Schwerversetzten, die sich über die Verbote hinweggesetzt und die Strandzone als Abenteuerspielplatz genutzt haben. Wer Pech hat, verschwindet hier im Boden wie ein Bergsteiger in einer Gletscherspalte. Die mächtigsten dieser Sinklöcher sind fast 30 Meter tief und haben bis zu 40 Meter Durchmesser.

totesmeer7(Bild rechts: Halb- und Halbaufnahme. Im Hintergrund die Berge Masadas (isarelisches Ufer) Israel, Jordanien und die Palästinenser haben sich jetzt verständigt, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Geplant ist ein sogenannter „Friedenskanal“, der von Aqaba am Roten Meer bis zum Toten Meer führen soll. Aus einer Entsalzungsanlage in Aqaba soll die dort entstehende Salzlake durch eine Pipeline ins Tote Meer gepumpt werden und den Wasserspiegel dort wieder anheben. Wo die Pipeline Gefälle hat, soll sie zusätzlich zur Stromgewinnung genutzt werden. Die Weltbank unterstützt das Vorhaben. Doch auch diese Lösung ist nicht unumstritten. So warnen Wissenschaftler davor, dass das Tote Meer durch chemische Prozesse, hervorgerufen durch die unterschiedlichen Zusammensetzungen des Rotmeer- und des Totmeerwassers durch Ausfällungen verschlammen oder gar vergipsen könnte. Und auch Biologen sind skeptisch. Das Tote Meer ist nämlich keinesfalls tot, wie uns der Name weismacht. Vielmehr verfügt es über ein kompliziertes, sehr fragiles Ökosystem, das durch die von der Pipeline eingeschleppte Rotmeerflora und –fauna empfindlich gestört werden könnte. Allerdings wird dies von allen Beteiligten als das kleinere Übel angesehen.  Text und Bild H. K.

 
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