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Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Umwelt
Der Irrsinn beginnt: Tief, tiefer, Tiefseegrabungen PDF Drucken E-Mail

jialong( Die „Jiaolong“ kann in Tiefen bis zu sieben Kilometer vordringen und dort Felder von Bodenschätzen erkunden (Foto: Chonghe Marine Industrie, Text: H.K.)

 

Die chinesische Werft Fujian Mawei Shipbuilding arbeitet derzeit an einem Schiff, das alle bisher in China gebauten Schiffe in den Schatten stellen wird. Soeben ist der Rumpf des 227 Meter langen Ozeanriesen fertiggestellt worden und ein Sprecher der Werft informierte in einer Pressemitteilung: „Wir sind exakt im Plan. Alles im grünen Bereich.“ Das Schiff könne, so der Sprecher weiter, im kommenden Jahr 2018 an das kanadische Unternehmen Nautilus Minerals übergeben werden. Darüber hinaus gehende Informationen gab die Werft nicht, technische Details zum Schiff unterliegen strengster Geheimhaltung.

Wenige Tatsachen aber traten ans Licht und die sehen wie folgt aus: Es handelt sich bei diesem Schiff um ein Schürf-Schiff, das Bodenschätze in Tiefen bis zu 2,5 Kilometern abbauen kann. Folgerichtig wird es auf dem Schiff Bergbauausrüstung, tauchfähige Roboter, Bohrvorrichtungen und Landeplattformen für Helikopter geben. Das Schiff kann fünf Jahre lang ununterbrochen auf See bleiben!

Der chinesische Minister für Land- und Bodenschätze, Jiang Daming, sagt dazu: „Tiefbohrungen, ob an Land oder auf See, sind eine strategische Herausforderung. Oberflächennahe Bodenschätze sind weitgehend abgebaut und wer aus besonderer Tiefe fördern kann, der hat einen klaren wirtschaftlichen Vorteil.“ In der Tat, so vermuten Geowissenschaftler, lagern speziell in der Tiefsee 88 Billionen Tonnen Seltene Erden, eine Billion Tonne Kobalt und drei Trillionen Tonnen gemischtmetallische Knollen. – Ein Riesengeschäft für alle Beteiligten und von diesem Kuchen will China ein besonders großes Stück abhaben.

Deshalb treibt das Land die Entwicklung entsprechender Techniken voran. Fachleute staunen ohnehin. 2014 lief bei der Chonghe Marine Industrie, Shanghai, die „Taixin No. 1“ vom Stapel, die die Fähigkeit besitzt, Zirkonium und Titan abzubauen – und das in Tiefen von 80 bis 100 Meter. Die Ingenieure der Werft waren damals besonders stolz auf diese Fähigkeit. Denn gängige Technik beschränkt sich auf Tiefen von 40 Meter und weniger.

Westliche Beobachter staunen darüber, wie es China gelingen konnte, innerhalb von nur drei Jahren einen Technologiesprung von 100 Meter auf 2500 Meter zu machen. Tatsache ist, dass die Regierung einen von 2016 bis 2020 dauernden Plan aufgestellt hat, der das „Auffinden, Vermessen und Ausbeuten unterseeischer Minen“ zum Ziel hat.

Teil dieser Anstrengungen ist auch das bemannte Forschungs-U-Boot „Jiaolong“, seit 2010 im Dienst und mit der Fähigkeit ausgestattet, Lagerstätten von wertvollen Mineralien in Tiefen von bis zu sieben Kilometern aufzufinden und zu erkunden. Dem nicht genug, wurde Ende vergangenen Jahres eine wissenschaftliche Kommission zusammengestellt, die die theoretischen Grundlagen der Ausbeutung der Tiefsee schaffen soll. Jiang Daming hat die Mitglieder der Kommission bei der Gründungsveranstaltung noch einmal explizit auf die politische und historische Bedeutung ihrer Aufgabe hingewiesen: „Die Tiefsee steckt voller Schätze. Es ist an Ihnen, die Schlüsseltechnologien zu entwickeln, die es uns möglich macht, an diese Schätze heran zu kommen.“

Zurück zum gerade im Bau befindlichen Riesenschiff: Das soll in den internationalen Gewässern vor Papua Neu Guinea operieren. Selbstverständlich in ökologisch sensiblen Regionen, die durch den starken El Niño ohnehin stark strapaziert sind. Und überhaupt sind die Auswirkungen großer Veränderungen durch Tiefseearbeiten auf unseren Planeten nicht einmal ansatzweise erforscht. Kritische Experten meinen, dass sich der Mensch noch innerhalb dieses Jahrtausends selbst ausrotten wird.

 
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Tauchroboter erkennt und betäubt Rotfeuerfische

roboter( Bild: RISE soll autonom arbeiten und bis zu 50 Rotfeuerfische pro Tauchgang fangen können. Das Gerät wird rund 1000 Euro kosten. Werksfoto RISE)

Ein Tauchroboter, dessen Kamera Fische automatisch erkennen kann, sie mit einem Stromstoß betäubt und  dann in einen speziellen Behälter saugt, klingt für Naturschützer schrecklich – und ist es sicher auch. Aber: Der Roboter ist einzig und alleine darauf programmiert, dies mit Rotfeuerfischen zu tun, die gerade den Westatlantik erobern – wo sie wirklich nicht hingehören und wo sie das örtliche Ökogefüge gefährlich durcheinander mischen. Auf dem Speiseplan der gefräßigen Lauerräuber steht beispielsweise eine Reihe von Friedfischen, die sich ausnahmslos von Phytoplankton und Algen ernähren. Fehlen diese Fische im Riff, so nehmen Algenbestände überhand und überwuchern die Korallenriffe. Diese sterben dann ab. Umgekehrt haben örtlich angesiedelte Raubfische keine Strategie dafür entwickeln können, die Giftstacheln des Feuerfisches zu überwinden und ihn so selbst zu Beute zu machen.

feuer-0 kopieRotfeuerfische sollen ausgezeichnet schmecken und die Restaurants in der Karibik zahlen die Lieferanten gut, die ihnen die stacheligen aber hoch giftigen Schönheiten anbringen. Allerdings leben viele Rotfeuerfische in zu großen Tiefen als dass sie von Fischern oder Harpunen-bewaffneten Tauchern erreicht werden könnten – bis in Tiefen von 300 Meter dringen sie vor. Kein Zweifel möglich: Es muss gehandelt werden, sonst sind die Riffe des Atlantik von der Vernichtung bedroht (siehe dazu auch ATLANTIS 1-2013, Foto rechts: Heinz Käsinger).

Abhilfe verspricht nun die Entwicklung RISE. Das Kürzel RISE steht für „Robots in Service of the Environment“. Es handelt sich dabei um einen Tauchroboter, der die Rotfeuerfische mit einem Bilderkennungsprogramm identifiziert und sie mit einem Stromschlag betäubt. Dann wird der Körper lebend in einen speziellen Tank eingesaugt. Bis zu 50 Fische haben im Tank Platz. Ist der voll, werden sie zur Oberfläche gebracht. Dort werden sie in Tanks gehalten und nach Bedarf frisch an Fischrestaurants ausgeliefert.

Der Roboter wird von einem Menschen auf einem Boot gesteuert, der auch den Stromschlag von oben auslöst. Aber erst dann, wenn er auf einem Bildschirm selbst gesehen hat, dass das potentielle Opfer ein Rotfeuerfisch ist. Ein Prototyp des Geräts wird noch in diesem Monat April 2017 vor den Bermudas erprobt. Läuft alles problemlos, so soll das Gerät später völlig automatisiert arbeiten.

Entwickelt wurde RISE von Colin Angle, dem Gründer des amerikanischen Unternehmens iRobert. iRobert fertigt Staubsauger und Militärroboter. Ein gewisses Know-how war also schon einmal vorhanden. Jedenfalls war Angle zum Tauchurlaub auf Bermuda und vom Tauchguide auf das Problem Rotfeuerfisch aufmerksam gemacht worden.

Wieder daheim setzte sich Angle an den Rechner und entwickelte nicht nur RISE, sondern gründete auch ein Non-Profit-Unternehmen selbigen Namens, um den Roboter zu vermarkten. Er meint: „Roboter haben gerade im Umweltschutz ein enormes Potenzial. Sie können vieles, was Menschen nicht können, gerade beim Einsatz in kritischer Umgebung.“

feuermaul(Foto links: Heinz Käsinger, der Rotfeuerfisch saugt seine Beute einfach in sein riesiges Maul)

Die Hilfe kommt zur rechten Zeit. Rotfeuerfische sind intensive Brüter, die pro Jahr rund zwei Millionen Eier produzieren. Überleben davon nur fünf Prozent, bedeutet das, dass jedes Jahr rund 100000 Exemplare dazu kommen – pro Brutpaar! Eine erschreckende Zahl, die einer Lawine gleichkommt.

Der Fisch hat sich während der vergangenen 30 Jahre nicht nur in der Karibik, sondern auch in anderen Meeren extrem stark verbreitet. Sogar im östlichen Mittelmeer, rund um Zypern,  wurden während der vergangenen Monate Exemplare gesichtet. Da kann man nur hoffen, dass die Tests vor Bermuda erfolgreich verlaufen und RISE im kommenden Jahr den Verkauf der Endversion des Roboters starten kann. Der soll dann rund 1000 Euro kosten. Text Heinz Käsinger

 
Meeres- und Umweltschutz: Zappenduster bis hoffnungsvoll PDF Drucken E-Mail

Betrachtet man eine Reihe von Ereignissen rund um den Meeresschutz, die in den vergangenen Tagen und Wochen stattgefunden haben, bzw. bekannt wurden, so schwankt man zwischen hoffen und Bangen. Lesen Sie selbst:

true(Foto links: Dylan Walker, Wikimedia Commons. True-Wale sehen ein bisschen aus wie eine Kreuzung zwischen Delfin und Seekuh. Biologisch gesehen gehören sie zu den Schnabelwalen)

Am Strand der Insel Sotra vor Bergen, Norwegen, wurde kürzlich ein Cuvier-Schnabelwal entdeckt, der trotz heftiger und wiederholter Intervention von Menschen immer wieder Richtung Strand schwamm. Ein herbeigerufener Zoologe diagnostizierte, dass das Tier krank sei und unter starken Schmerzen leiden musste. Man beschloss deshalb schweren Herzens, das Tier einzuschläfern. Wissenschaftler der Universität von Bergen obduzierten den Kadaver schließlich und stellten dabei Erschreckendes fest: Im Magen des Tieres befanden sich mehr als 30 Plastiktüten, andere Plastikverpackungen und mehrere Kilogramm Mikroplastik. Der Kunststoff hatte einen Pfropfen im Magen gebildet, so dass sich der Wal nicht mehr ernähren konnte und langsam verhungert wäre.

Forscher des Geomar-Helmholtz-Zentrums für Meeresforschung in Kiel stellten fest, dass der Sauerstoffgehalt des Meeres langsam sinkt. Die Studie der Wissenschaftler offenbart, dass dieser seit den 1960er Jahren um mehr als zwei Prozent abgenommen hat. Mit der Studie stellten die Kieler die bislang wohl umfassendste Studie zum Sauerstoffverlust der Weltmeere vor. Grund für den Rückgang des Sauerstoffgehaltes ist mittelbar und unmittelbar die Erderwärmung. Problematisch ist der Rückgang vor allem für Meereslebewesen, die in ohnehin sauerstoffarmen Meeresregionen leben.

Knapp 200 Kilometer vor der Küste Westaustraliens sichteten Mitarbeiter der australischen Naturschutzbehörde Anfang des Monats März 2017 einen Delfin, der ein T-Shirt trug. „Das war Absicht“, stellt Walter Confine, Leiter der Gruppe, fest. „Das Tier hat sich nie und nimmer selbst auf diese Weise in das Shirt verstricken können.“ Die Ranger fürchten nun, dass das Kleidungsstück das Atemloch des Delfins verstopft und dieser qualvoll ersticken könnte. Auch die Strömungsqualitäten des Körpers sind durch das T-Shirt erheblich beeinträchtigt, er muss viel mehr Kraft zum Schwimmen und für die Jagd aufbringen als normal. So droht der Säuger zu verhungern, zumal er zusätzliche Kraft aufwenden muss, um im Schlaf das Atemloch an der Luft zu halten. Bleibt zu hoffen, dass die Ranger das zwischenzeitlich verschwundene Tier fangen und es vom Kleidungsstück befreien können. Und dass die so genannten Spaßvögel, auf deren Konto der üble Scherz geht, geschnappt werden. Dann drohen ihnen bis zu 2800 Euro (rund 4000 Australische Dollar) Strafe.

In Thailand werden in vielen Teichen und Brunnen Schildkröten gehalten, um dann Münzen in den Brunnen zu werfen. Das bringt Glück und vor allem ein langes Leben in Wohlstand – meinen sie. Eine Schildkröte lebte vom juvenilen Stadium an beispielsweise im Teich von Srirachian, das knapp 150 Kilometer südöstlich von Bangkok liegt. Besuchern war nun aufgefallen, dass das Reptil nicht mehr richtig schwimmen konnte und so brachte man es ins Universitätsklinikum in der Hauptstadt Bangkok. Dort wurde es zunächst geröntgt und dabei entdeckte man massive Münzvorkommen im Innern der Schildkröte. Ein achtköpfiges Chirurgenteam entfernte daraufhin in einer sechsstündigen Operation 915 Münzen aus dem Verdauungstrakt des Tieres. Jetzt befindet es sich zur Rekonvaleszenz in einer Schutzanlage der Marine und dann wird es ins freie Meer entlassen werden. Die Thailänder haben der reichen Kröte bereits einen Namen gegeben: Omsin, Sparschwein, wird es dort nun genannt. (Neuigkeiten hierzu unter AKTUELLES)

Nach drei schlechten und einer durchwachsenen Nachricht (vor fünf Jahren hätte man die Schildkröte noch geschlachtet, statt sie zu operieren) schließlich noch eine gute Meldung:

Kürzlich ist es gelungen, die sehr seltenen True-Wale besser kennenzulernen. Tauchern ist es gelungen, Unterwasseraufnahmen von ihnen zu schießen. Dabei erkannte man individuelle Zeichnungen am Hinterkopf dieser Schnabelwalart. Bekannt wurde jetzt auch, dass die Paarungszone und die Kinderstube der True-Wale der nördlichen Populationen (Verbreitungsgebiet ist hier der Nordatlantik) bei den Kanarischen Inseln und den Azoren liegen. Auf der Südhalbkugel halten sich die Wale bevorzugt in den gemäßigten Breiten des Indischen Ozeans zwischen dem Kap der Guten Hoffnung im Westen und Westaustralien im Osten auf. Von jenen True Walen weiß man heute noch nicht viel mehr. Im Pazifik gab es bislang keine Sichtungen. Überhaupt sind Begegnungen mit diesen Walen mehr als selten. Denn die Bestände sind nur sehr klein und außerdem halten sich die Tieftaucher lange Zeit in großen Meerestiefen auf. Text: H.K.

 
Ist das Tote Meer bald tot? PDF Drucken E-Mail

totesmeer2(Bild links: Blick vom Kibbuz En Geddi auf das Tote Meer) Im Jordantal, etwa auf halber Strecke zwischen dem See Genezareth und dem Golf von Aqaba, liegt das Tote Meer. Es befindet sich damit am nördlichsten Ende des Ostafrikanischen Grabenbruchs und an der tiefsten Festlandstelle der Erde: 420 Meter unter dem Niveau des Meeresspiegels. Wer auf der israelischen Seite des Jordantales steht, hoch droben auf der Festung Masada, hat einen herrlichen Blick auf das Tal, den Salzwassersee und die Berge Jordaniens dahinter. Leider könnte dieser schöne Ausblick bald ohne das tiefe Blau des Sees auskommen müssen. Denn der See ist von der Austrocknung bedroht. Rund ein Meter sinkt sein Wasserspiegel pro Jahr.  Das Tote Meer teilt damit das Schicksal des Sees Genezareth – aus durchaus ähnlichen Gründen.

tootesmeer1(Bild rechts: Mit 34 % Salzgehalt hat das Tote Meer zehn Mal mehr Salzkonzentration als beispielsweise der Atlantik. Menschen schwimmen wie Korken)

Grundsätzlich ist Wasser ein mehr als knappes Gut in jener Weltregion. Der Libanon, Syrien, Jordanien und Israel, mithin alle Anrainerstaaten des Jordantales, beziehen Süßwasser aus dem Jordan oder seinen Zuflüssen. Manche Zuflüsse gibt es gar nicht mehr, weil die Menschen das Wasser direkt von den Quellen wegzapfen. Der Hauptarm des Jordan samt seiner Zuflüsse nördlich des Sees Genezareth schaffen es nicht einmal mehr, jenen See zu füllen. Auch dessen Niveau sinkt dramatisch, Städte wie Jerusalem und Amman nutzen ihn als Trinkwasserdepot. Südlich des Genezarethsees ist der einst wasserreiche Jordan zu einem dürren Rinnsal verkommen. Das weniger Wasser, das er noch führt, wird zur Bewässerung der jordanischen und israelischen Felder gebraucht. Im Toten Meer landet so gut wie nichts mehr. Doch auch das Tote Meer selbst wird ausgebeutet. Unternehmen wie die Dead Sea Works oder die Arab Potash Company pumpen riesige Wassermengen ab, um daraus wertvolle Mineralien und Heilschlämme zu gewinnen. Dieser Raubbau ist auch der Grund, warum sogar ein normal stark fließender Jordan, die Entwicklung nicht mehr rückgängig machen könnte. Der Fluss in seiner normalen Stärke würde die Lage höchstens stabilisieren.

totesmeer4(Bild links: Salzkristallriff im Toten Meer ) Durch den Rückgang des Wasserspiegels hat sich eine mehrere hundert Meter breite Strandzone aus getrocknetem Schlamm gebildet. Und diese ist, darüber hinaus, zu einer tückischen Gefahr für Mensch und Tier geworden. Denn stellenweise haben sich unter der Kruste Sinklöcher gebildet: Salzdepots im Erdreich wurden von Regenfällen tiefer in den Grund gespült und haben teils mehrere Meter tiefe Krater zurückgelassen. Allerdings bedeckt mit einer trügerisch dünnen Abdeckung aus Schlamm. Obwohl links und rechts des Toten Meeres diese Zone für Spaziergänger, Wanderer oder Camper gesperrt ist, gibt es sowohl in Jordanien als auch Israel jährlich Dutzende von Toten und Schwerversetzten, die sich über die Verbote hinweggesetzt und die Strandzone als Abenteuerspielplatz genutzt haben. Wer Pech hat, verschwindet hier im Boden wie ein Bergsteiger in einer Gletscherspalte. Die mächtigsten dieser Sinklöcher sind fast 30 Meter tief und haben bis zu 40 Meter Durchmesser.

totesmeer7(Bild rechts: Halb- und Halbaufnahme. Im Hintergrund die Berge Masadas (isarelisches Ufer) Israel, Jordanien und die Palästinenser haben sich jetzt verständigt, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Geplant ist ein sogenannter „Friedenskanal“, der von Aqaba am Roten Meer bis zum Toten Meer führen soll. Aus einer Entsalzungsanlage in Aqaba soll die dort entstehende Salzlake durch eine Pipeline ins Tote Meer gepumpt werden und den Wasserspiegel dort wieder anheben. Wo die Pipeline Gefälle hat, soll sie zusätzlich zur Stromgewinnung genutzt werden. Die Weltbank unterstützt das Vorhaben. Doch auch diese Lösung ist nicht unumstritten. So warnen Wissenschaftler davor, dass das Tote Meer durch chemische Prozesse, hervorgerufen durch die unterschiedlichen Zusammensetzungen des Rotmeer- und des Totmeerwassers durch Ausfällungen verschlammen oder gar vergipsen könnte. Und auch Biologen sind skeptisch. Das Tote Meer ist nämlich keinesfalls tot, wie uns der Name weismacht. Vielmehr verfügt es über ein kompliziertes, sehr fragiles Ökosystem, das durch die von der Pipeline eingeschleppte Rotmeerflora und –fauna empfindlich gestört werden könnte. Allerdings wird dies von allen Beteiligten als das kleinere Übel angesehen.  Text und Bild H. K.

 
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