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Ozeanografie
Chet van Duzer: Seeungeheuer und Monsterfische Sagenhafte Kreaturen auf alten Karten PDF Drucken E-Mail

Van Duzer, Chet:

Seeungeheuer und Monsterfische

Sagenhafte Kreaturen auf alten Karten

Harter Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 22,5 x 29,5 cm

144 Seiten mit vielen farbigen Abbildungen

Verlag Philipp von Zabern, Imprint der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft,  Darmstadt, 2015

ISBN 978-3-8053-4859-1

Preis: 39,95 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen:

Die ersten in Europa gezeichneten Karten sind keine Landkarten im üblichen Sinne. Sie zeigen die Erde als Scheibe, eingeteilt in verschiedene Sektoren mit entsprechenden Beschriftungen und umgeben vom unendlichen „Okeanos“. Die gleiche Darstellungsweise findet sich denn auch dort wieder, wo unsere christliche Denkweise widergespiegelt wird, mit Jerusalem im Zentrum. Selbst das Paradies mit Adam und Eva und der teuflischen Schlange werden darin gezeigt, die die beiden zur Erbsünde verführte…

In den Tiefen des Okeanos sind dann alle möglichen Seeungeheuer dargestellt: Natürlich die „teuflischen“ Schlangen, aber auch Monsterfische und riesige Wale mit furchteinflößenden Zähnen. Es gibt Seeschweine und Seedrachen, Monster mit einem Elefantenrüssel und Kraken, die Schiffe angreifen oder sich die Seeleute einzeln von Bord herunterholen, ebenso riesige Krebse, die Menschen zwischen ihren Scheren zerschneiden usw. – also das reinste Gruselkabinett. Man kann aber auch Sirenen mit einem oder zwei Fischschwänzen begegnen, solchen, die mit ihren lieblichen Gesängen Seeleute ins Meer hinunterlocken, und ebenso kann man auch Instrumente spielenden Meermännern und anderen Fabelgestalten begegnen.

Nun, Erklärungen dafür, warum frühe Kartographen ein solches Bestiarium gezeichnet haben, gibt es verschiedene: Zum einen war man ursprünglich tatsächlich vom Vorhandensein solcher Gruselgestalten mit Widder-, Löwen- und Vogelköpfen überzeugt. Man folgte dabei einer Theorie des Plinius, die besagte, dass alle irdischen Geschöpfe ihre Entsprechung in den Tiefen der Meere wiederfinden, nur eben halt noch unentdeckt, und man denke auch an andere antike Geschichten, wie etwa die von Skylla und Charybdis… Auch wenn später Zweifel daran aufkamen, die Monstergeschöpfe machten sich nun mal gut in entfernten Ozeanen, sie lockerten die Darstellungen auf, konnten auf die Gefahren der Seefahrt hinweisen und je nachdem, wieviel Geld potente Auftraggeber, z.B. Fürstenhäuser für solche Kartenwerke ausgeben wollten, zeichnete man ganz einfach mehr oder weniger davon, eventuell aber auch gar keine hinein. Jedenfalls finden sich solche Fabelgestalten selbst noch auf einigen der ersten wirklichen Seekarten wieder, den sogenannten Portolankarten mit ihrem charakteristischen Liniennetz, die zeitgleich in etwa mit dem Aufkommen von Kompassen in Europa entstanden sind.

Mit wissenschaftlicher Akkuratesse hat der Autor alle Fakten (Hintergründe, Ursprünge usw.) zu diesen meist sehr gefährlich ausschauenden Figuren zusammengetragen. Dazu hat er zahlreiche Museen und Bibliotheken „durchkämmt“ und viele alten Schriften gelesen, woraus schließlich dieser reich illustrierte Band entstanden ist, zu dessen Text 299 Fußnoten gehören, denen der interessierte Leser noch weitere Zusammenhänge und Details entnehmen kann. Ein äußerst empfehlenswertes Buch für alle Freunde der Kartografie und diejenigen, die tiefergreifende marine Interessen haben.

 
Gottfried Hempel, Kai Bischof, Wilhelm Hagen (Hrsg.): Faszination Meeresforschung Ein ökologisches PDF Drucken E-Mail

Hempel, Gottfried / Bischof, Kai / Hagen, Wilhelm (Hrsg.):

Faszination Meeresforschung

Ein ökologisches Lesebuch, 2. Auflage

Fester Einband mit farbigem Titelbild, Format ca. 16,5 x 24 cm

573 S. mit vielen, meist farbigen Abb., zahlr. Tabellen und 48 Informationsboxen

Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, 2017

ISBN 978-3-662-49713-5

Preis: 34,99 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (März 2018):

Dieses großartige wissenschaftliche Werk ist in seiner 2. Auflage bei einem anderen Verlag erschienen. Über 60 versierte Autoren arbeiteten daran und berichten über ihre meeresbiologischen Forschungen in allen Klimazonen. Zahlreiche Kapitel aus der 1. Auflage sind komplett entfallen, wurden aktualisiert oder teilweise gekürzt. Dafür kamen andere Kapitel, sogar ganze Teile hinzu, da sich die Meeresforschung seit der 1. Auflage vor rund 10 Jahren auf den verschiedensten Gebieten sehr stark weiterentwickelt hat. So kam vor allem der Klimawandel mit seinen verschiedenen Teilaspekten hinzu. Ebenso erlebte die marine Mikrobiologie enorme Fortschritte, genauso die Tiefseeforschung, die Biodiversitätsforschung und vieles andere mehr. Zusammenhänge werden hervorragend verdeutlicht. Ich hätte dem Buch allerdings einen anderen Titel gegeben: Denn wer nur den Titel liest, weiß nichts von den neu aufgenommen Teilen und wird möglicherweise gar nicht erst dazu greifen. Das wäre bedauerlich. Riesige Datenmengen aus den verschiedensten Gebieten prägen mittlerweile gar die Arbeit vieler Meeresbiologen. Neuauflagen weisen normalerweise auch keine solch grundlegenden Änderungen auf. Mit anderen Worten: Die 1. Auflage aus dem nicht mehr existierenden Hauschild Verlag ist etwas größer und besticht durch seine teilweise ausführlicheren Darstellungen und die zusätzlich beigegebenen Abbildungen. Gerade Nichtfachleute, für die das Buch ebenfalls geschrieben wurde, sollten deshalb möglichst beide Bände besitzen! Alles wird stark komprimiert. Beim Lesen fängt man dort an, was am meisten interessiert. Verweise auf andere Kapitel verhindern Wiederholungen weitestgehend. Auch interessierte Laien können sehr gut folgen. Allerdings finden sich zahlreiche Abkürzungen, die wohl jeweils erklärt werden, aber einige Seiten später kennt man u.U. nicht mehr ihre Bedeutung. Dann fängt die Sucherei an. Besser wäre es deshalb gewesen, ein Verzeichnis der gebrauchen Abkürzungen hinzuzufügen. Ansonsten ein phantastisches Buch, das einen über eine längere Zeit beschäftigen wird, sehr empfehlenswert!

 

 
Heinrich-Böll-Stiftung: Meeresatlas Daten und Fakten über unseren Umgang mit dem Ozean PDF Drucken E-Mail

Heinrich-Böll-Stiftung:

Meeresatlas

Daten und Fakten über unseren Umgang mit den Ozeanen

Broschiert mit sw. Titelbild, Format DIN A4

50 S. mit sehr vielen farbigen Abb.

Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, 2017

Preis: Kostenlos,

der Text auch abrufbar unter http://creativecommons.org/licenses/by/40/de/legalcode 

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (Juni 2017):

Verschiedene Institute, die sich intensiv mit der Meeresforschung auseinandersetzen, haben hier mit der Heinrich-Böll-Stiftung zusammengearbeitet, um dieses Buch – ja, eigentlich müsste man eher sagen – dieses Heft herauszubringen. Es hat DIN A4- Format, und würde es als normales Buch erscheinen, dann wären es deutlich über 100 Seiten. Man kann es umsonst erwerben, jedenfalls lohnt sich die Anschaffung sehr. Man kann es auch im Internet herunterladen. Der Untertitel lässt ahnen, um was es im Einzelnen geht. Wir gehen nämlich nicht gerade ordentlich mit unseren Ozeanen um, und die meisten machen sich kaum Vorstellungen, was da so alles geschieht. Sicher – die Ozeane sind für die meisten von uns weit weg, und da macht man sich weniger Gedanken. Dabei wäre es sehr angebracht, denn derzeit werden die Meere regelrecht ausgeplündert und wir benutzen sie über Gebühr als Abfalleimer. Dabei stellen sie eigentlich  die  Lebensgrundlage einer wachsenden Weltbevölkerung dar: Um die Mitte dieses Jahrhunderts werden wir immerhin schon 10 Millionen Menschen sei. Und wie soll das weitergehen? Dabei gibt es derzeit noch immer keine oberste internationale Behörde, die für den Schutz des gesamten Meeres verantwortlich ist. Die Industrialisierung der Ozeane steht gerade erst am Anfang: Das Bohren nach Erdöl und Erdgas wird umso gefährlicher, je weiter wir nach unten gehen, und obwohl viele Geheimnisse der Tiefsee noch unerforscht sind, soll bereits mit dem Tiefseebergbau begonnen werden. So werden möglicherweise Ökosysteme vernichtet, bevor wir sie kennen gelernt haben. Der Welthunger nach Rohstoffen lässt uns nach Manganknollen, Kobaltkrusten und Schwarzen Rauchern greifen. Wir befinden uns inmitten einer ungeheuren Herausforderung: Einem Klimawandel, der schon jetzt für viele lebensbedrohlich ist. Zwar dämpfen derzeit die Meere diese Gefahr, doch ungeheure Flüchtlingsströme, unter denen wir schon heute leiden, werden nicht nur durch den Krieg in Syrien ausgelöst. Trockenzonen, unter denen die Ärmsten am stärksten leiden, breiten sich aus und zwingen zur Migration. Das gleiche wird geschehen, wenn die Meeresspiegel weiter ansteigen: Immerhin leben schon heute die meisten Menschen in 200 km Küstennähe. Trotzdem werden weiterhin Mangrovensümpfe abgeholzt, damit der Küstenschutz gefährdet. Die Meerestemperatur erhöht sich, Riffe sterben ab, kalkbildende Tiere verlieren lebenswichtige Grundlagen. Das Meer versauert ständig weiter, Überfischung ist längst an der Tagesordnung, die Mikronahrung leidet unter der Versauerung, Fischfarmen und andere Aquakulturen sind ebenfalls noch immer nicht problemlos, Todeszonen entstehen im Mündungsgebiet vieler Flüsse. Durch Staumauern findet in gleichen Gebieten keine ausreichende Sedimentation statt. Müll und Gift landet im Meer, ungeheure Plastikmengen sammeln sich in riesigen subtropischen Wirbeln, und am Mikroplastikproblem gehen nicht nur Vögel zugrunde. In der Tat – wir leben inmitten einer Meereskrise, die ungeheure Probleme aufwirft und allmählich immer stärker in den Blickpunkt rückt. Das Heft beschäftigt sich mit all diesen Krisen und setzt sich mit der Zukunft auseinander, zeigt auch, welchen Einfluss Welthandel und Preiskampf bieten. Die Welt muss gemeinsam handeln, um all diese Probleme gemeinsam zu meistern, und wir alle haben unseren Einfluss dabei geltend zu machen, packen wir es an!

 
Kevin J. Brown: Ansichten der Welt - Kartografische Reisen durch die Zeit PDF Drucken E-Mail

Brown, Kevin J:

Ansichten der Welt

Kartografische Reisen durch die Zeit

Harter Einband mit farbigem Titelbild und ebensolchem Schutzumschlag, Format ca. 27,5 x 31.5 cm

208 S. mit sehr vielen farbigen ganz- oder doppelseitigen Karten

Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

ISBN 978-3-667-11084-8

Preis: 49,90 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (März 2018):

Atlanten und Weltkarten kennt heute jeder. Wir wissen eine Menge über Meere, Kontinente, Inseln und einzelne Länder – z.B. auch, dass unser Planet der einzige im Sonnensystem ist, der über sehr viel Wasser verfügt, dem wir letzten Endes auch unsere eigene Existenz verdanken. Immerhin werden etwa ¾ der Oberfläche von Meeren bedeckt, und würde man z.B. die Landteile, und selbst den Mount Everest, im Meer versenken wollen, sie würden allesamt tief darin versinken. Hätte man schon früher dieses Wissen gehabt, so hätte man möglicherweise unseren Planeten „Ozean“ genannt. Doch wie war es wirklich? Immerhin kamen wir die weitaus meiste Zeit ohne Karten aus. Das Buch beginnt also recht spät, bei den Anfängen der Kartografie kurz vor der Zeitenwende. Gezeigt werden Ausschnitte einer 6,75 Meter langen Karte, nur 35 cm hoch, die die Heerstraßen des römischen Reiches von Spanien bis Indien zeigt. Da unmaßstäblich, ähnelt sie unseren heutigen Straßen- oder U-Bahnkarten. Spätere Karten folgen vor allem religiösen Gegebenheiten, schließen gar das Paradies mit ein und zeigen die Erde als Scheibe, umgeben von Okeanos, einem unendlichen Meer voller Gefahren. Und es dauerte nochmals lange, bis wir die Erde nicht mehr als Mittelpunkt der Welt ansahen und von ihrer Kugelgestalt überzeugt wurden. Erste nautische Portolankarten – auch solche sind vorhanden – entstanden mit dem Aufkommen des Kompasses und weisen nach heutigen Begriffen ein verwirrendes Liniennetz auf. Darin wird über das Landesinnere kaum etwas ausgesagt, aber alle Küstenorte, auch Flüsse sind verzeichnet, sodass zunächst die Mittelmeerfahrer das ganze Jahr über quer über das Meer Ziele in Afrika und Europa ansteuern konnten. Auch die Schiffe wurden größer. Diese Seekarten wurden zum Ausgangspunkt für alle späteren physikalisch-geografischen Karten. Sie wurden mit Gold aufgewogen und folgten mitunter sozialen und wirtschaftlichen Aspekten, zeigten auch nicht vorhandene Inseln (siehe z.B. das Titelbild des Buches), bis man dazu überging, nicht bekannte Gebiete weiß zu lassen, darauf wartend, dass auch diese Gegenden einwandfrei gezeichnet werden konnten. Das Buch folgt allen Jahrhunderten der Kartografie und zeigt neben alten, kunstvoll dekorierten Karten auch Karten zu Propaganda- und Werbezwecken bis hin zu modernen Weltkarten nach Merkatorprojektion. Europäische Karten werden ebenso dargestellt wie fernöstliche aus China und Japan. Dazu kommt eine sehr gute Kommentierung, insgesamt sehr empfehlenswert.

 
Latour Francoise: Ozeane PDF Drucken E-Mail
Latour, Françoise:

Ozeane

Geheimnisvolle Meereswelten verstehen und schützen

Harter Einband mit farbigem Titelfoto und ebensolchem Schutzumschlag, ca. 27,5x37 cm

224 Seiten mit sehr vielen Abbildungen

Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2011

ISBN 978-3-7688-3325-7

Preis: 44.-- Euro

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen

Ein ganz besonders schönes Umweltbuch im Großformat mit sehr guten Fotos, die durch ihre Größe besonders zur Geltung kommen. Einfach großartig. Die Kapitel sind gut gegliedert, und der fundierte Text wartet mit einem enormen Detailreichtum auf. Wenn ich trotzdem nicht ganz zufrieden bin, so vor allem wegen der schlechten Übersetzung aus dem Französischen.

 

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Le Carrer, Olivier: Die Vermessung der Ozeane Welt- und Seekarten von der Antike bis zur Neuzeit PDF Drucken E-Mail

Le Carrer, Olivier:

Die Vermessung der Ozeane

Welt- und Seekarten von der Antike bis zur Neuzeit

Fester Einband mit farbiger Schutzhülle, Format ca. 27,3 x 36,5 cm

128 Seiten mit sehr vielen farbigen Kartenausschnitten

Verlag Delius Klasing, Bielefeld, 2016

ISBN 978-3-667-10725-1

Preis: 49,90 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (Okt. 2016):

Ein großartiges Buch für alle, die alte Landkarten mögen. Großformatig wird deren Entwicklung von den frühesten Anfängen bis ins unsere heutige GPS-Zeit und die der modernen Computerkarten sehr gut aufgezeigt. Freilich, die meiste Zeit hindurch spielten Landkarten für uns gar keine Rolle, und in Europa stammen die ersten aus der Antike. Eratosthenes, griechischer Dichter und Gelehrter aus dem 1., eventuell auch noch dem 2. Jahrhundert n. Chr. war jedenfalls der erste, der versuchte, die damals bekannte Welt auf einer zusammenfassenden Karte mit Parallelkreisen und Meridianen darzustellen. Er war nicht nur von ihrer Kugelgestalt überzeugt, sondern er führte auch ein phantastisches Experiment durch, um danach den Erdumfang mit bemerkenswerter Genauigkeit zu berechnen. Das entsprach jedoch nicht dem Allgemeinwissen der damaligen Zeit, sondern Europa war vor allem christlich geprägt. Da stellte man sich die Erde ganz anders vor, nämlich als einfache Scheibe, umflossen von Oceanos, einem unendlichen Meer. Gleichzeitig war unsere Erde der Mittelpunkt der Welt. Anfangen konnte man mit derlei „Karten“ natürlich nichts, aber sie waren trotzdem angesehen, enthielten Flüsse, Häuser und Seen, und zumeist war sogar das Paradies eingezeichnet. Karten dieser Art hatten also vor allem klerikal-kirchlichen Wert, und sie waren bis ins späte Mittelalter geläufig.

Dabei fuhr man Im Mittelmeer schon sehr viel früher zur See, auch schon lange vor Christi Geburt, folgte dabei den jeweiligen Küstenlinien. Die fanden sich in Kartenskizzen wieder, die Ankerplätze Flussmündungen, Häfen und landschaftliche Besonderheiten aufzeigten und später ihren Niederschlag in ersten Portulanen fanden, in denen noch viele andere seemännische Besonderheiten verzeichnet waren. Den eigentlichen Durchbruch erfuhr die Seefahrt durch das Aufkommen erster Kompasse im 12. Jahrhundert, und kurz darauf folgten auch schon die ersten Portulankarten mit erstaunlicher Genauigkeit. All diese Karten enthielten eine Windrose, sodass man ihnen zusammen mit dem Kompass sehr gut folgen konnte. Über die Anordnung dieses sich kreuzenden Liniennetzes, der sog. Rumben, die diesen Seekarten ein unverwechselbares Aussehen gaben, wird leider so gut wie nichts ausgesagt, auch nichts darüber, dass die Seekarten auf den Kartentischen der damaligen Schiffe jeweils verdreht wurden – entsprechend der Richtung, in die die Schiffe fuhren. Deshalb waren die einzelnen Orte an den gegenüber liegenden Küsten (z.B. Italien) mal normal und auf der anderen Seite auf dem Kopf stehend beschriftet. Angaben über das Landesinnere gab es dabei noch nicht. Das erfolgte erst sehr viel später. Ebenso wird nichts über sagenhafte Seeungeheuer und das mittelalterliche Bestiarium ausgesagt, das viele Karten der damaligen Zeit ziert. Dagegen wird sehr gut darüber berichtet, warum die Karten nicht immer Norden oben hatten: Man sprach noch nicht von Nord oder Süd, sondern richtete sich ganz einfach nach den jeweils vorherrschenden Winden. Also war es gleichgültig, was auf den Karten oben oder unten war. Die Rumbernlinien wurden zuerst gezeichnet und darüber kam dann die Küstenformation. Das Ganze so, dass sie möglichst mit einer Längsseite parallel verlief. Kompass und Portulankarten gehörten also untrennbar zusammen und revolutionierten die gesamte Seefahrt. Schiffe wurden größer und brauchten nicht mehr über längerer Zeit in Häfen herum zu dümpeln, sondern fuhren jetzt das ganze Jahr über. Die Reise ging jetzt auch über das offene Meer, und Europäer suchten nach neuen Handelswegen. Die Kugelgestalt wurde mittlerweile allgemein anerkannt und das kopernikanische Zeitalter mit der Sonne als Mittelpunkt unserer Welt wurde seit dem 16. Jahrhundert ebenfalls zur Selbstverständlichkeit. Drei neue Kontinente (einschließlich der Antarktis) und zahlreiche Inseln wurden innerhalb eines einzigen Jahrhunderts neu entdeckt, und auch das Landesinnere wurde immer wichtiger und besser erforscht. Die Portulankarten mit ihren Romben hielten sich über vier Jahrhunderte, und danach ähnelten die einzelnen Karten immer mehr dem heutigen Aussehen. Karten wurden in verschiedenen Ansichten gezeichnet, denn es erfordert ganz einfach Kompromisse, die Kugelgestalt der Erde auf rechteckige Blätter zu zeichnen. Ebenso wurden die Karten jetzt jeweils so dargestellt, dass Norden stets oben zu liegen kam, eine Maßnahme, die eigentlich auch – wäre man bereits den Anregungen des Ptolemäus gefolgt – schon seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. möglich gewesen wäre…

Insgesamt ein großartiges Werk mit vielen phantastischen, teilweise doppelseitigen Ausschnitten aus Karten verschiedenster Jahrhunderte, die den Text mit den Abbildungen sehr gut verbinden. Sehr empfehlenswert.

 

 
Meyer/Rolf/Faltermeier/Peter: Faszination Hai PDF Drucken E-Mail
Meyer, Rolf / Faltermeier, Peter:

Faszination HaiHaie im Meer und hinter Glas

Harter Einband mit farbigem Titelfoto, ca. 18x23,5 cm

248 S. mit 135 Fotos und 55 Zeichnungen

Natur und Tier Verlag, Münster, 2011

ISBN 3-931587-50-9

Preis: 49,80 Euro

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen
 
Ein recht interessantes Buch, wenngleich mir verschiedene Kapitel aus dem Freileben der Haie und deren Gefährlichkeit nicht so recht gefallen.
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Wolfgang Korn / Ulli Kulke: Lebensraum Meer Menschen, Küsten, Handelsrouten PDF Drucken E-Mail

Korn, Wolfgang / Kulke, Ulli:

Lebensraum Meer

Menschen, Küsten, Handelsrouten

Fester Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 25 x 28,5 cm

322 S. mit sehr vielen farb. Abb.

Fackelträger Verl., Köln, 2015

ISBN 978-3-7716-4597-7

Preis: 39,99 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen:

Der Untertitel lässt bereits erkennen, dass wir kein ozeanographisches oder meeresbiologisches Buch vor uns haben, auch kein Taucherbuch. Zwar spielen all diese Bereiche eine äußerst wichtige Rolle darin, ebenso „unsere“ UW-Welt, wie wir sie lieben, aber auch die übrigen, überwiegend kulturgeschichtlichen Kapitel sind dermaßen interessant, tiefgründig und fesselnd geschrieben, dass man das Buch erst zur Seite legt, wenn man am Ende angekommen ist. Und dann wird man es mit Gewissheit noch öfter zur Hand nehmen, um den Inhalt des einen oder anderen Kapitels weiter zu verinnerlichen! Aber nicht nur der Text ist zu loben, sondern auch die Gestaltung des Buches, der besonders ansprechende Layout und die ausgefallene Fotoauswahl sind erwähnenswert.

Der Inhalt reicht von den Einbäumen des Binnenlandes, den ersten Anfängen der Küstenschifffahrt über die Großsegler bis hin zu Supertankern und riesigen Kreuzfahrt- und Containerschiffen unserer Zeit, auch um die immer stärker befahrenen Seehandelsrouten und wie und wo ausgediente Schiffe schließlich abgewrackt werden. Es geht um die frühesten Anfänge der Küstenschifffahrt, um Purpurhändler und Phönizier im Mittelmeer, um Wikinger, ihre blutigen Überfälle und ihre frühe Besiedlung atlantischer Großinseln. Es geht um die Erfindung des Kompasses und genau gehender Schiffsuhren, um frühe Seekarten und die großen Entdeckungsreisen, um Europas Werttrennen zu den Gewürzinseln. Es geht um Kolonialgebiete, den Goldrausch der Spanier, um damalige Piraten ebenso wie um heutige Seeräuber, um versunkene Schätze, die Erkundung des Golfstromes und die Entdeckung des weltweiten  thermohalinen Förderbandes, um den Kampf der Elemente, den Küstenschutz, um Badestrände und das Wattenmeer, um Mangrovenwälder, um heutige Umweltprobleme, den überbordenden Fischfang, um die Gefährdung unzähliger Meerestiere, den Meeresschutz und die Tiefseeforschung, um den vor einigen Jahren beendeten Zensus der Meere, um die Rohstoffgewinnung und Ölplattformen im Meer, um die heutige Klimaerwärmung und seine nicht absehbaren Folgen – kurz, um alle möglichen Themen, die mit dem Meer zusammenhängen und die uns in Zukunft noch ganz besonders berühren werden. Ein außerordentlich interessantes Buch, das man nur empfehlen kann!

 

 
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