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Biologie
Sy Montgomery: Rendezvous mit einem Oktopus Extrem schlau und unglaublich empfindsam PDF Drucken E-Mail

Montgomery, Sy:

Rendezvous mit einem Oktopus

Extrem schlau und unglaublich empfindsam:

Das erstaunliche Seelenleben der Kraken

Fester Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 15 x 22 cm

336 Seiten

mareverlag, Hamburg, 3. Auflage, 2017

ISBN 978-3-86648-265-4

Preis: 28.00 Euro

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (Februar 2018):

Ein sehr interessantes Buch, das über Schauaquarien, eigene Lebensabschnitte und vor allen Dingen aus dem Leben und der Sinneswelt von Kraken berichtet. Es ist ein sehr empfehlenswertes Buch, hervorragend ausgearbeitet, Spiegel-Bestseller und schon in der 3. Auflage erhältlich. In Amerika war es ein New-York-Times-Bestseller, und es schaffte es gar bis unter die Finalisten des National Book Award 2015. Es ist leicht und interessant zu lesen, bietet weit mehr als lediglich Unterhaltung: Ein Tatsachenbericht, der Einblicke in das Seelenleben und die Biologie von Kraken gibt, wie wir es in dieser Komplexität nirgendwo anders lesen können. Der persönliche Kontakt zu Wissenschaftlern, aber auch zu Pflegern von Schauaquarien, das Studium fachbezogener Bücher und wissenschaftlicher Aufsätze zu diesem Thema, die im Text anklingen und nochmals im Anhang aufgeführt sind, zeigen das enorme Interesse, das die Autorin diesen Tieren entgegenbringt. Immerhin geht es dabei weder um Wirbeltiere oder gar Primaten, sondern um Weichtiere mit drei Herzen und Saugnäpfen an den Fangarmen, die Superkräfte entfalten können. Es geht um Tiere, die die Färbung und Struktur ihrer Haut ändern, sich fast unsichtbar machen können und durch kleinste Öffnungen zwängen. Es geht um Tiere, die kaum etwas mit uns gemeinsam haben, aber dennoch in Gefangenschaft mit uns Kontakt aufnehmen. Sie sind außerordentlich intelligent und können sogar richtig spielen. Nein, das hatte ich, der viele Kraken im Mittelmeer fotografierte, nicht erwartet. Denn der Titel des Buches erinnerte mich zunächst an einen Sience-fiction-Roman, bis ich den dünn gedruckten Untertitel gelesen hatte. Ehrlich gesagt, gefällt mir dieser Titel überhaupt nicht, denn es geht nicht um das Rendezvous mit einem Oktopus, sondern es sind mehrere, mit denen die Autorin über Jahre hinweg im New-England-Aquarium in Boston Freundschaft schloss. Wegen dieser Tiere lernte sie sogar Tauchen - was ihr offenbar nicht leicht fiel - um sie auch im Freileben studieren zu können. Insgesamt ist das Buch ein absolutes Muss für jeden Tauchsportler, Aquaristik-Liebhaber oder Naturfreund.

 
Lisa-ann Gershwin: Quallen Von der Faszination einer verkannten Lebensform PDF Drucken E-Mail

Gershwin, Lisa-ann:

Quallen

Von der Faszination einer verkannten Lebensform

Fester Einband mit farbigem Titelbild, Größe ca. 21,7 x 24,6 cm

224 S. mit vielen farbigen Abbildungen

Edition Delius im Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

ISBN 978-3-667-11024-4

Preis: 29,90 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (November 2017):

Einer der bedeutendsten, deutschen Zoologen, Ernst Haeckel, veröffentlichte schon ab 1879 eine großartige, mehrbändige und großformatige Monographie mit phantastischen Zeichnungen über „Das System der Medusen“. Mittlerweile sind viele neue Arten zu diesen glibberigen Tieren hinzugekommen. Man weiß auch mehr darüber, und doch setzt man sich erst in neuerer Zeit näher damit auseinander. Nur der kleinste Teil davon, nämlich 50 der faszinierendsten Arten werden in diesem Buch vorgestellt, wobei nicht nur Medusen und Staatsquallen beschrieben werden, sondern auch andere nicht damit verwandt Arten, Rippenquallen etwa und auch die quallenähnlichen, im freien Wasser lebenden Salpen und deren Verwandtschaft. Sehr gewissenhaft und ausführlich setzt sich die Autorin in fünf längeren Kapiteln mit diesen Tieren auseinander: Der Anatomie, dem Lebenszyklus, der Taxonomie und Evolution, der Ökologie und allen möglichen Umweltfragen, wobei die einzelnen Kapitel und Unterkapitel jeweils über eine Doppelseite gehen, gefolgt von Artensteckbriefen, die von ganzseitigen, farbigen Fotos im Dunkelfeld begleitet werden. Quallen gehören zu den ältesten Niederen Tieren, die schon seit rund 500 Millionen Jahren durch die Meere schweben. Die meisten sind klein, einige kleiner als ein Sandkorn, andere nur im Millimeter- oder Zentimeterbereich, dazu durchsichtig. Nur verhältnismäßig wenige faszinieren UW-Fotografen, vor allem größere Arten, darunter solche, die Schirme bis zu drei Metern im Durchmesser messen, sehr schwer werden und 30 m lange Tentakel besitzen, oder die durch ihre Zeichnung auffallen. Die größte ist die Riesenstaatsqualle, die aus vielen einzelnen Organismen besteht und Tentakel über 50 m Länge besitzt. Quallen besiedeln sämtliche Meere, selbst das Süßwasser, auch kalte Meere und die Tiefsee. Vielfach leicht zerbrechlich, werden heute ganz besondere Fangmethoden angewandt. Manche Arten sind völlig ungefährlich, andere wie kleine Würfel- und Irukandjiquallen, die nicht nur nesseln können, sind gar in der Lage, Schwimmer und Badehungrige innerhalb kürzester Zeit zu töten. In Südostasien werden Quallen auch gegessen und gelten dort als knusprige Delikatesse mit Pfiff. Es sind äußerst faszinierende Tiere, wobei die unscheinbare, nur erbsengroße Qualle Turritopsis dohrnii gar unsterblich ist! Vor allem heute können Quallen teilweise in ungeheuren Schwärmen auftreten, ausgelöst durch den Klimawandel, die Versauerung der Meere, durch Überfischung, das Plastikmüllproblem, eingeleitete Chemikalien und andere Maßnahmen. Sie können damit zur allgemeinen Bedrohung werden, zu aufwändigen, technischen Störungen führen und sind gar in der Lage, ganze Lebensräume auf ein niedrigeres, biologisches Niveau zurück zu verwandeln. Damit können diese Tiere, denen man bisher nur geringe Bedeutung beigemessen hat, letztlich auch für uns Menschen gefährlich werden. Es wird Zeit, diesen Besonderheiten eine weit höhere Aufmerksamkeit zu schenken. Insgesamt ein Buch, das eigentlich nicht nur Taucher und Aquarianer, sondern einen jeden begeistern und zum Nachdenken anregen muss.

 
Heinz Krimmer: Netzwerk Korallenriff, wertvoller als Google, Apple und Co. PDF Drucken E-Mail

Krimmer, Heinz:

Netzwerk Korallenriff

Wertvoller als Google, Apple und Co.

Broschiert mit ausfaltbarem Einband. Innen mit Karte der „normalen“ und Tiefseekorallenriffe, Einband mit farbigem Titel, Größe ca. 13,7 x 21,5 cm

224 S. u. zahlreichen Bildern auf Tafeln

Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart, 2017

ISBN 978-3-440-15447-2

Preis: 19,99 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (November 2017):

Der Untertitel schien mir anfänglich zu weit aufgetragen, aber beim Lesen stellt man schnell fest, ein ganz besonderes Buch vor sich zu haben. In der Tat ist es derzeit das umfassendste seiner Art! Der Autor geht wohl in seiner Betrachtungsweise sehr weit zurück und weist u.a. auf riesige Gebirgszüge hin, die im Laufe von Jahrmillionen durch die Arbeit kleiner Korallenpolypen entstanden sind. Damit wird klar, dass diese Tierchen weit umfangreichere Bauten errichtet haben als etwa wir Menschen. Aber noch etwas anderes wird deutlich: Bücher dieser Art, für die Allgemeinheit geschrieben, müssen ganz einfach umfassend sein. Nur so werden Facetten und Zusammenhänge sichtbar, die zuvor manchem verborgen geblieben sind. So wussten durchaus auch andere Autoren Bescheid über die Gebirgsbildung, aber ihre Bücher setzten anders an. Sie berichten über ein bestimmtes Gebiet, dort vorkommende Riffe und deren heutiges Aussehen. Hier aber geht es um die Korallen ganz allgemein, ihre Bedeutung, ihren gegenwärtigen, gefährdeten Zustand und um deren Zukunft. Dabei werden tropische und subtropische Flachwasserriffe angesprochen. Die uns Tauchsportler so begeistern, wobei die meisten allerdings noch nicht einmal zwischen früher, vor etwa 50 oder mehr Jahren, und heute unterscheiden können. Es geht aber auch um Tiefseeriffe, die man vor wenigen Jahren noch überhaupt nicht kannte, und die auf ganz andere Weise ebenso weltumspannend existieren. Sie allesamt werden durch die Meeresversauerung, die Klimaerwärmung und viele andere menschliche Eingriffe ebenso bedroht, wie durch zunehmend sich stärker auswirkende Naturkatastrophen. Dadurch nehmen die Riffe gewaltig ab. Dabei sind sie nicht nur für den Küstenschutz in Zukunft äußerst wichtig, sondern sie können auch mit dem allmählich ansteigenden Meeresspiegel weiter nach oben wachsen.

Korallenriffe lösen mit derartigen Möglichkeiten den Urwald als wichtigstem Lebensraum ab. Wo andere nur wenige Worte brauchen, benötigt der Autor über 30 Seiten, um allein die komplexen Lebensmöglichkeiten der Polypen zu beschreiben. Dabei geht er auch auf deren Fortpflanzung ein, die in verschiedenen Ozeanen zu unterschiedlichen Zeiten stattfindet, sowie auf die Zooxanthellen, die mit Steinkorallen in Symbiose leben – der wohl großartigste Schritt beim Recycling überhaupt. Gleichzeitig zeigt Krimmer das außerordentlich enge Wärmeprofil auf, in dem diese Pflänzchen leben können, und er weist auf über 40 Arten hin, die teilweise auch höhere Temperaturen vertragen. Damit wird ein Hoffnungsschimmer gesetzt, Riffe auch bei steigenden Temperaturen am Leben zu erhalten. Die Akteure müssen „nur“ rechtzeitig zusammenfinden, um ihr Leben nicht während der Korallenbleiche zu verlieren. Ebenso beschreibt der Autor ganze Riffe, für die die Bezeichnung Netzwerk besonders gut gewählt ist. Schließlich haben wir es nicht nur mit Steinkorallen, sondern auch mit Schwämmen, Leder- und Hornkorallen zu tun, auch mit Pflanzen und  vielen verschiedenen Rifffischen und Räubern, mit Krebsen, Weichtieren und anderen mehr, die allesamt abwandern, wenn Riffe tatsächlich verschwinden sollten. Wir nehmen Teil bei einem Blick in das Herz der Evolution und können nur hoffen, dass die Korallenriffe letztlich doch überleben werden. Der Autor folgt neuesten Forschungsergebnissen, berichtet über wichtige Medikamente aus den Riffen, und doch vermisste ich einiges: So berichtete nicht nur Darwin über Atolle, sondern auch Hans Hass, auch der Beitrag über von Gleichstrom durchflossene Baustahlgeflechte zum Nachwachsen ist mir etwas zu kurz. Trotzdem ein Buch, das man nur empfehlen kann! 

 

 

 
Sardet, Christian: Plankton Der erstaunliche Mikrokosmos der Ozeane PDF Drucken E-Mail

Sardet, Christian:

Plankton

Der erstaunliche Mikrokosmos der Ozeane

Harter Einband mit farbigem Titel und farbigem Schutzumschlag

Format ca. 25 x 34 cm

Mit sehr vielen farbigen Abb.

Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 2016

ISBN 978-3-8001-0398-0

Preis: 39,90 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (April 2017):

Phantastisch, endlich ein Sachbuch, das Seinesgleichen sucht! Es gibt eine ganze Reihe wissenschaftlicher Werke, die sich ausschließlich dem Plankton widmen, aber bisher kein einziges, das für die Allgemeinheit bestimmt ist und entsprechende Erklärungen bereithält. Hier ist es nun – großformatig und mit vielen hervorragenden, computergenerierten Farbfotos versehen. Es kann deshalb auch als Bildband betrachtet werden. Dabei auch einige der großartigen Zeichnungen von Ernst Haeckel. Ja, wir finden sogar ein Suchbild, um beim Blick auf eine Planktonprobe verschiedene Organismen zu erkennen, und wir können durch zahlreiche Icoons zusätzliche Webseiten mit weiteren Informationen aufzuschlagen. Hinzu kommen sehr interessante Texte, nicht nur Bildbeschreibungen, sondern auch Kapitel, die sich mit all den Wesen auseinandersetzen, die dem Plankton zugehörig sind. Allerdings sind die Texte nicht immer leicht zu lesen, was jedoch nicht negativ zu verstehen ist. Nur der kleinste Teil der Planktonorganismen kann natürlich bildlich dargestellt werden. Insgesamt macht das Plankton, selbst wenn man die meisten Organismen wegen ihrer Winzigkeit nicht sehen kann, 95% des gesamten Lebens im Meer aus. Das Buch beschäftigt sich mit der Entstehung des Lebens und dem Plankton weltweit. Ihm gehören die meisten Organismen des Meeres zumindest zeitweilig an. Plankton besteht aus Eiern von Fischen und Korallen ebenso, wie den Jugendstadien der verschiedensten Tierklassen und selbst größeren Tieren, wie etwa Quallen. Darunter auch diejenige, der man bislang als einzigem Organismus Unsterblichkeit zuschreibt, da sich ihre Entwicklung umkehren kann – von einer Meduse zurück zum Polypen. Manche, wie etwa Staatsquallen, können aber auch über 30 Meter lang werden. Die meisten anderen allerdings sind so winzig, wie etwa Bakterien und viele andere, dass man sie nicht ohne Mikroskop erkennen kann. Schließlich gehört auch das pflanzliche Plankton dazu, welches immerhin rund 50% unseres Luftsauerstoffs produziert.

Unter dem Begriff Plankton versteht man all jene Organismen, die aus eigener Kraft nicht gegen Strömungen anschwimmen können, sondern sich vom Wasser dahintreiben lassen. Es kann auch nicht in der Tiefsee existieren, sondern kommt nur in den lichtdurchflutenden Zonen des Meeres vor. Es stellt die ersten Stufen der Nahrungskette dar, und das tierische Plankton unternimmt tagtäglich zur Nachtzeit die bedeutendsten Tierwanderungen überhaupt. Treten – wie gegenwärtig – Änderungen durch den Chemismus des Meeres, den Klimawandel und/oder der Überfischung auf, so kann dies unabsehbare Folgen nach sich ziehen. Es ist also durchaus angebracht, diesen Organismen deutlich mehr Aufmerksamkeit als bisher zu schenken. Manche Arten verlassen beim Älterwerden das Plankton wieder und leben erwachsen am Grund oder im Freiwasser weiter. Abgestorbene Teile sinken als „Meeresschnee“ nach unten und dienen auf diese Weise z.T. auch Tiefseeorganismen als Nahrung, und weitere Reste davon wandeln sich im Laufe von Jahrmillionen zu besonderen Energieformen um oder werden gar zu festem Gestein. Ein großartiges Buch, das alle Freunde der UW-Welt besitzen sollten.

 
Palla, Rudi: Valdivia / Die Geschichte der ersten deutschen Tiefsee-Expedition PDF Drucken E-Mail

Palla, Rudi:

Valdivia

Die Geschichte der ersten deutschen Tiefsee-Expedition

Harter Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 17 x 22,5 cm

238 S. mit vielen, z.T. farbigen Abb. und einer Karte

Verl. Galiani, Berlin bei Kiepenheuer und Witsch, 2016

ISBN 978-3-86971-124-9

Preis: 28,00 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (April 2017):

Das Buch beschäftigt sich im Wesentlichen mit dem Verlauf der Valdivia-Expedition. Leider muss ich gestehen, dass es mir nicht sonderlich gefallen hat. Andererseits ist es durchaus angemessen, dieser großartigen Expedition ein zeitgemäßes Buch folgen zu lassen. Immerhin war diese Unternehmung nach der Challenger-Expedition die zweite größere Tiefsee-Expedition überhaupt, die vor über 100 Jahren stattgefunden hat. Da ist es schon interessant, wieso es überhaupt dazu kommen konnte. Schließlich dachte man damals völlig anders als heute, auch über die Meere selbst und die Tiefsee. Ebenso war die Technik eine andere. Das gehört nur deutlicher herausgearbeitet. So liest sich die Geschichte bei weitem nicht so spannend, wie im Klappentext angepriesen. Das Buch enthält im Wesentlichen nur das, was der Expeditionsleiter Carl Chun schon damals in seinem dickeren Bestseller „Aus den Tiefen des Weltmeeres“ zu berichten hatte. – Nein, da habe ich mir insgesamt doch weitaus mehr vorgestellt! In der Tat haben die Meere und die Tiefsee erst sehr spät Einzug in unser Denken gefunden, und dass die Wissenschaftler damals das Weltmeer in einem völlig anderen Zustand antrafen als wir heutzutage, ist genauso selbstverständlich wie sich unser Wissen im Laufe der Zeit grundlegend gewandelt hat. Im letzten Kapitel geht der Autor wohl kurz auf die wesentlichen Schwierigkeiten ein, denen sich dieses Ökosystem mittlerweile ausgesetzt sieht. Allerdings dringt er leider nicht weiter in die Tiefe vor. Immerhin haben wir heute nicht nur ein deutlich umfassenderes Allgemeinwissen und damit auch eine erheblich bessere Vorstellung von den Meeren. Schließlich können wir wöchentlich UW-Filme im Fernsehen sehen (auch wenn dies meist flachere Bereiche betrifft), aber auch über die Tiefsee wird öfter berichtet. Selbst die Tageszeitungen sind voll von Gefahren durch Tiefseebohrungen, vom Klimawandel, dem Abschmelzen der Pole und vom Ansteigen des Meeresspiegels. Von der Erwärmung, der Versauerung und der Überfischung der Meere ist genauso die Rede, wie vom allgemeinen Artenschwund, dem Plastikmüllproblem und vielem anderem mehr. Auch wissen wir mittlerweile mehr über Meeresströmungen, vom Aussehen des Untergrundes, über schwarze und weiße Raucher usw. Da ist in unserem Falle ein Bezug zur Valdivia-Expedition insgesamt wohl naheliegend, doch hätte man die Erinnerung an die erste deutsche Tiefsee-Expedition auch auf andere Art und Weise wach halten können. So wäre z.B. ein Vergleich zwischen damals und heute von Interesse. Immerhin wurden damals viele fragile Geschöpfe in den Fangnetzen zerquetscht und blieben dadurch unerkannt. Ähnliches gilt für alle anderen heutigen Fragestellungen zu diesem Thema. Da möchte man mehr über allgemeine Untersuchungen erfahren, über jüngere Expeditionen, Tiefsee-Tauchboote und ferngesteuerte Rovs, autonome Messgeräte und selbst über die Meeresforschung aus dem Weltall. Da genügt eigentlich kein ein einfaches historisches Werk über den Verlauf einer Expedition und die dabei durchgeführte Äquatortaufe. Ein einzelnes, kürzeres Kapitel hätte dazu längst ausgereicht. Man möchte halt lieber ein Sachbuch lesen, das deutlich mehr Wissen vermittelt. Wer allerdings das Buch von Carl Chun nicht kennt, der sollte trotz meiner obigen Einwände wenigstens zu diesem greifen, das in der Mitte mit sehr schönen Farbbildern versehen ist…

 
Gerhard Wegner / Christine Gstöttner: Blind Dates - Das große Buch der Haibegegnungen PDF Drucken E-Mail

Wegner, Gerhard / Gstöttner, Christine:

Blind Dates

Das große Buch der Haibegegnungen

Fester Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 22 x 30,2 cm

248 S. mit sehr vielen Abb.

Verlag Sharkproject, Offenbach, 2014

ISBN 978-3-00-043676-5

Preis: 39,95 € 

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen:

Ein tolles Buch, in dem das Wissen und die Erfahrungen aus 35.000 Haibegegnungen stecken, die nicht etwa die beiden Autoren selbst hatten, sondern sie stammen von insgesamt 25 Personen, versierten Sporttauchern, UW-Fotografen, Filmemachern, Tauchbasenbesitzern, Zoologen usw., die hier zusammengetragen wurden. Diese Autoren werden im Einzelnen vorgestellt, und das Buch ist so gestaltet, dass bestimmte Verhaltensweisen gezielt nachgefragt und dann von den einzelnen Experten beantwortet werden. So entsteht ein recht umfassender Überblick aus dem Leben und im Umgang mit diesen Tieren. Allerdings will das Buch kein wissenschaftliches sein, darauf wird wiederholt verwiesen – kann es auch nicht, denn dafür sind selbst 35.000 Begegnungen viel zu gering, um zu abschließenden Antworten zu gelangen, aber es ist doch ein Buch, das einen jeden interessieren muss, der selbst das Tauchen als Sport betreibt – gleichgültig, ob es sich dabei um absolute Neulinge oder erfahrene Taucher handelt. Aus den über 500 verschiedenen Arten werden diejenigen vorgestellt, denen man beim Tauchen am häufigsten begegnet. Ihre Verbreitung wird ebenso kommentiert wie ihre bevorzugten Beutetiere und ihr Verhalten gegenüber Schnorchel- oder Gerätetauchern, Schwimmern und Surfern. Das Wichtigste zur Anatomie und den besonderen Sinnesleistungen dieser Tiere werden beschrieben. Es geht um ganz normale Begegnungen, um das gezielte Anlocken und um Haifütterungen, es geht um unser richtiges Verhalten diesen Tieren gegenüber, aber auch um die Ursachen der äußerst seltenen Haiangriffe und Unfälle, und wie man diesen vorbeugen, bzw. begegnen kann. Gerade diesen Fakten wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Ebenso ist die Rede von der wirtschaftlichen Bedeutung der Haie, dem überbordenden Haifischfang und dem schrecklichen Finning, aber auch von der ökologischen Bedeutung dieser Tiere wird gesprochen, ihrem notwendigen Schutz, vom „Sharkproject“ ist die Rede, von seiner Entstehung und den verschiedenen Aktionen dieser Schutzorganisation.

Etwas unglücklich lediglich der Umstand, den Hass`schen Schrei zur Abwehr von Haiattacken anhand der äußerst geringen Geräuschentwicklung bei der Benutzung von Rebreathern (S. 77) erklären zu wollen. Dazu gibt es nämlich zunächst keinerlei Verbindung: Das erste Sauerstoffgerät von Hass wurde 1941 entwickelt. Die Wirksamkeit des Schreis hat er jedoch schon 1939/40 auf seiner Karibikreise (s. sein Buch „Unter Korallen und Haien“) zufällig entdeckt, bei der ohne Atemgerät und nur mit angehaltenem Atem getaucht wurde. In der Ägäis 1942, als das Kreislaufgerät erprobt wurde (s. „Menschen und Haie“), musste er erfahren, dass der Schrei dort nicht wirkte. Ursache waren die durch Dynamitfischer ausgelösten Explosionsgeräusche, die die Haie sogar regelrecht anlockten… Die nur bedingt wirkungsvolle Bedeutung des Schreis hat er also bereits selbst erkannt und einwandfrei dokumentiert.

Schön wäre schließlich gewesen, die Seitenansichten der insgesamt 22 vorgestellten Arten so zu zeichnen, dass sie der Wirklichkeit entsprechen, statt durchweg nur einen einzigen stilisierten Seitenriss zu haben, an dem die jeweiligen Größen dargestellt werden. Ungeachtet dessen ist das vorliegende Buch jedoch ohne weitere Einschränkungen zu empfehlen! Es ist – wie im Untertitel bezeichnet – wirklich ein Buch der Haibegegnungen und dazu völlig anders als alle anderen. Zudem lassen sich viele Apps anklicken und Videofilme zu den einzelnen Kapiteln anschauen. Einfach großartig.

 
Marine Pictolife PDF Drucken E-Mail
Marine Pictolife
 
Mittelmeer oder Ostatlantik oder Karibik oder Rotes Meer
 
wasserfestes Material
 
ca. 60 Seiten mit sehr vielen farbigen Abbildungen
 
Format: 12,5 x 16,3 cm; Gewicht: 200 g
 
ISBN Nummer 978-2-9527809-1-9
 
Preis: 24 Euro 
 
Bestellung über unser Buchprogramm: hier
 
Das Fischbestimmungsbüchlein ist aus Plastik hergestellt und deswegen perfekt fürs Wasser geeignet. Es ist sehr handlich und findet daher seinen Platz in jeder Taucherweste. Informationen sind  in Englisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch und Deutsch angegeben. 2 Sachregister mit 6 Unterteilungen. Ein super praktisches und sehr hilfreiches Büchlein für die Tauchreise. Es gibt den Fischbestimmer für vier verschiedene Meere: Mittelmeer, Ostatlantik und Karibik, neu ist die Ausgabe Rotes Meer.
 
Ross Piper: Unbekannter Planet - Die erstaunliche Vielfalt unserer Tierwelt PDF Drucken E-Mail

Piper, Ross:

Unbekannter Planet

Die erstaunliche Vielfalt unserer Tierwelt

Harter Einband mit farbigem Titelfoto und ebensolchem Schutzumschlag

Format ca. 25 x 29 cm, 320 S. mit über 500 Abb.

Konrad Theiss Verl., Imprint der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft WBG, Darmstadt, 2014

ISBN 978-3-8062-2913-4

Preis: 49,95 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen:

Ein Buch, das man aufgrund seiner über 500 phantastischen Farbfotos als Bildband bezeichnen könnte, das jedoch wegen seiner tiefschürfenden Texte weit mehr ist. Es geht dabei um die Evolution. Die Geschichte des Lebens reicht rund 500 Millionen Jahre zurück. Damals entwickelten sich in aquatischen Lebensräumen die ersten Einzeller, aus denen im Laufe der Zeit all die anderen unzähligen Pflanzen- und Tierarten entstanden sind. Wie viele es wirklich waren, beziehungsweise sind, werden wir nie erfahren, und wir kennen auch noch längst nicht die ökologische Bedeutung all dieser bunten Artenvielfalt. Bisher wurden etwa 1,5 Mill. Tierarten identifiziert, aber begründeten Schätzungen zufolge sind es höchstwahrscheinlich 10-200 Mill. Verschiedener Spezies. Das heißt, trotz intensiver Forschungen schürfen wir seit zweieinhalb Jahrhunderten noch immer an der Oberfläche! So stellt die bekannte Fauna nur etwa 0,03-0,6% der Tierwelt insgesamt dar, und die uns am besten bekannte Welt der Wirbeltiere macht nur den geringsten Prozentsatz aus. Dabei stellen wir uns im Allgemeinen bislang vor, dass sich das Leben von seinen allerersten Anfängen immer weiter nach oben entwickelte, sodass schließlich wir selbst als „Krone der Schöpfung“ entstanden sind.

Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass das nach wie vor vielgebrauchte System von Linné keinesfalls so perfekt ist wie wir annehmen, sondern gleich aus mehreren Gründen nicht richtig sein kann: Natürlich war der schwedische Arzt und Naturforscher 1735, als er mit seinem System der Natur begann und die wissenschaftliche Nomenklatur entwickelte, dem Denken seiner Zeit unterworfen. Die Religion spielte dabei eine große Rolle und die heutigen Möglichkeiten der Forschung standen ihm nicht zur Verfügung. Heute wissen wir, dass es bei der Entwicklung der einzelnen Lebensarten keine vorbestimmte Richtung gibt, dass sich einzelne Arten durchaus auch rückentwickeln können, und verwandtschaftliche Verhältnisse erscheinen in gänzlich neuem Licht.

Das Buch zeigt nun den Lebensbaum so, wie die verwandtschaftlichen Verhältnisse, die Stämme, Familien und Arten tatsächlich sind. Er weist auf die positiven Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Arten hin, um die Natur im Gleichgewicht zu halten. Es geht also insgesamt nicht darum, nur den Artenreichtum aufzuzeigen, sondern vor allem auch zu schützen, um das gesamte Lebenssystem, wie es sich trotz aller Umweltsünden noch immer darstellt, zu bewahren und zu schützen, um letztlich auch uns selbst ein Weiterleben zu ermöglichen. Immerhin sind wir gegenwärtig mit dem Gegenteil beschäftigt. Unser menschliches Handeln, vor allem der CO2-Anstieg und die zunehmende Versauerung der Meere, die Umweltverschmutzung, die Abholzung der Urwälder usw. hat zum stärksten Artensterben geführt, das die Erde je erlebt hat. Der Ausgang ist offen. Aber lesen Sie das Buch selbst! Und schauen Sie sich die Bilder an. Es ist nicht nur ein ästhetischer Genuss, diesen Fotos zu folgen, die zumeist aus dem aquatischen Lebensraum stammen. Sie warten teilweise mit Details auf, die wir im Allgemeinen noch nie so gesehen haben, da dafür zu starke Vergrößerungen erforderlich sind. Viele Fotos sind mit dem Mikroskop, andere gar rasterelektronenmikroskopisch aufgenommen. Dadurch wird ein unvergleichlicher Formenreichtum sichtbar, eine Schönheit und eine Ästhetik, wie man sie sich reizvoller kaum vorstellen kann. Ein ganz besonders empfehlenswertes Buch.

    

 
Susan Middleton: In den Tiefen des Ozeans - Die schillernde Welt der Wirbellosen PDF Drucken E-Mail

Middleton, Susan:

In den Tiefen des Ozeans

Die schillernde Welt der Wirbellosen

Harter Einband mit farbigem Titelfoto und farbigem Schutzumschlag

Format ca. 26 x 31 cm, 256 S. mit vielen Farbfotos

Knesebeck Verlag, München, 2014

ISBN 978-3-86873-744-8

Preis: 49.95 €  

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen:

Ein Bildband der absoluten Spitzenklasse! Es sind keine UW-Fotos im üblichen Sinne, sondern alle Bilder sind in einem Forschungslabor des „Friday Harbour Marine Lab“ entstanden, in dem Räumlichkeiten zeitweise zum Fotolabor umgestaltet wurden. Insgesamt hat Susan Middleton sieben Jahre dort gearbeitet und fotografiert, um später die interessantesten und schönsten Fotos zu diesem Bildband zusammenzustellen. Es sind ausschließlich Bilder von Invertebraten, die (unverständlicherweise) oft als Niedere Tiere bezeichnet werden und deren Bedeutung für das Leben im Meer erst heutzutage einigermaßen erfasst wird. Es sind Tiere, die ihrem Lebensraum auf ganz besondere Art und Weise angepasst sind, die nicht nur arten- und zahlenmäßig (Insekten nicht mitgerechnet) die Wirbeltiere bei weitem übertreffen, die zum Teil höchstentwickelte Sinnesorgane besitzen, von denen wir Menschen nur träumen können, und die vom Körperbau her gesehen sehr unterschiedlich wirken. Sie sind dermaßen effizient, dass sie die Erde schon viele Millionen Jahre länger bewohnen als wir Menschen. Das Besondere an diesen Bildern ist, dass die jeweils dargestellten Arten – Stachelhäuter, Weichtiere, Würmer, Krebse, Nessel- und Hohltiere und viele andere mehr – jeweils freigestellt vor einem weißen oder schwarzen Hintergrund dargestellt werden. Dadurch wird der Blick durch nichts abgelenkt und man kann sich weitaus besser auf die jeweiligen Besonderheiten des Körperbaus und ihrer Organe konzentrieren, als das bei normalen UW-Aufnahmen der Fall ist, wo solche Details meist total verschwinden. So kommt die Besonderheit der einzelnen Arten, ihre außergewöhnliche Schönheit und Anmut weitaus besser zur Geltung. Aber das ist noch nicht alles: Sylvia Earl hat ein sehr interessantes Vorwort zu diesem Buch verfasst. Außerdem berichten die beigegebenen Artikel u. a. auch von unseren Umweltsünden, vor allem der Versauerung der Meere, unter der diese Tiere in besonderer Art und Weise leiden, und die vielleicht dazu angetan sind, unsere eigenen menschlichen Lebensgrundlagen mit zu vernichten. Des Weiteren erfahren wir darüber hinaus auch noch viel über grundsätzliche Zusammenhänge des Lebens und ihrer Erscheinungsformen. Zu den einzelnen Fotos hat Bernadette V. Holthuis am Ende des Buches das Wichtigste aus dem Leben dieser Tiere zusammengefasst. Dabei macht sie darauf aufmerksam, dass in diesem Buch überwiegend amerikanische Wassertiere vorgestellt werden, für die es keine deutschen Trivialnamen gibt. Sofern vorhanden, werden jedoch auch diese nach den englischen und vor den wissenschaftlichen Namen angegeben. Ein ganz besonders empfehlenswertes Buch.

 
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