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Biologie
Torolf, E. Kroglund: Reise mit Aal, auf den Spuren einer aussterbenden Art PDF Drucken E-Mail

Kroglund, Torolf E.:

Reise mit Aal

Auf den Spuren einer aussterbenden Art

Fester Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 14,5 x 21,5 cm

224 S.

Edel Verlag, Hamburg, 2019

ISBN 978-3-8419-0681-6

Preis: 19,95 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (Februar 2020):

Aale leben sowohl in den Meeren als auch im Süßwasser. Wir wissen nicht viel über diese Grundfische. So haben wir sie z. B. noch niemals laichen gesehen. Wir kennen wohl ihre verschiedenen körperlichen und farblichen Verwandlungen und wissen seit 1920, dass ihre Kinderstube in der Sargassosee zu suchen ist. Was allerdings von dort bis zu unseren Küsten geschieht, ist größtenteils unbekannt. Dabei existieren sie schon seit rund 50 Millionen Jahren, waren also bereits vor den Dinosauriern da. Heutzutage stehen alle 16 Aalarten auf der Roten Liste, wobei unser Europäischer Aal als besonders gefährdet gilt. Er ist vom Aussterben bedroht, in Norwegen allerdings ist er noch etwas häufiger anzutreffen, sodass er dort lediglich als gefährdet gilt. Dass die Zukunft der Aale so trübe ausschaut, ist heimgemacht, liegt leider genauso an uns Menschen, wie vieles andere auch. Denken wir dabei  allein an den Plastikmüll und all das Mikroplastik. Besonders eklatant wirken sich Fang und Schwarzhandel von Glasaalen aus, wenn sie die Küsten erreichen und anschließend in Riesentanks für den Verkauf gezüchtet werden. Dies macht eine Rückwanderung in die Sargassosee genauso unmöglich, wie Querverbauungen zum Aufstau von Flüssen, wie Talsperren und der und Ausbau der Wasserkraft ganz allgemein. Verbauungen wirken sich in beiderlei Richtung störend aus: Zunächst verhindern sie das Aufsteigen der Tiere in die Flüsse. Dabei hilft auch kein Aussetzen, denn bei der Rückwanderung erweisen sich dann wiederum die Turbinen als tödliche Fallen. Hier gehört endlich alles verbessert, an was man beim Bau solcher Anlagen nicht gedacht hat, um den Fischen ein weiteres Überleben zu sichern. Der Autor hat sich sehr intensiv mit Aalen beschäftigt, und er hat alle europäischen Staaten bereist, um dort bekannte Aal-Fachleute aufzusuchen. Dadurch ist ein außerordentlich interessantes Buch entstanden, das von ihm selbst, seinen Reisen und den Aalen berichtet. Der Autor ist Journalist und Sportangler. Leider enthält das Buch keinerlei zusätzliche Fotos, um das Ganze abzurunden, und auch das Lektorat hat leider nicht alle Druckfehler ausgemerzt. Trotzdem ein Buch, dem ich eine möglichst große Verbreitung wünsche.

 
Heinz Krimmer: Aliens der Ozeane PDF Drucken E-Mail

Krimmer, Heinz:

Aliens der Ozeane

Fester Einband mit farbigem Titel, Format ca. 20 x 26 cm

207 S. mit 180 Farb- und 13 Schwarzweißfotos, oft ganz- oder doppelseitig

Franckh-Kosmos Verl., Stuttgart, 2019

ISBN 978-3-440-16664-2

Preis: 25.-- €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (Februar 2020):

Ein Buch, das sich mit allen heute lebenden Kopffüßern auseinandersetzt. Natürlich ist von ihrem Ursprung weit vor der Zeit der Dinosaurier die Rede, wie auch von ihrer großartigen Zukunft, denn Kalmare und Sepien werden im Meer wohl die eigentlichen Gewinner des Klimawandels sein, den der Autor richtigerweise gar als Klima-„Katastrophe“ bezeichnet. Natürlich ist auch die Rede von der besonderen Anatomie dieser Weichtiere: Schließlich haben sie gleich drei Herzen, dazu gänzlich anderes Blut als wir, das auf Kupferbasis aufbaut und ihnen ein besseres Überleben in den kalten Gewässern der Tiefsee und Polarmeere ermöglicht. Hinzu kommt ihr Vermögen, die Farbe zur Verständigung mit Artgenossen, bei der Paarung und beim Beutefang auf unglaubliche Art und Weise zu wechseln. Kraken können zudem die Struktur der Haut verändern und sich auf vielfache Art und Weise unsichtbar machen. Tintenfische zeigen bei der Jagd ein phantastisches Angriffsverhalten sowohl einzeln, als auch in der Gruppe oder mit anderen Partnern, z. B. Zackenbarschen. Einzig sind ihre mit Saugnäpfen bewehrten Fangarme, und bei Gefahr haben sie zudem die Möglichkeit, sich durch eine Tintenwolke unsichtbar zu machen, um sich per Rückstoß in Sicherheit zu bringen. Das gesamte, wenn auch nur kurze Leben der Tintenfische zeigt sich auch bei der Fortpflanzung genauso eigenartig wie alles andere, was wir kennen. Sex ist oft brutal und endet nicht selten mit dem Tod des Männchens. Kannibalismus gehört offenbar zur Tagesordnung. Keine höher entwickelten Lebewesen sind uns so fremd wie gerade diese. Gleichgültig, welchen Aspekt wir auch beleuchten, Kopffüßer erscheinen eigentlich immer äußerst interessant, wobei ihre Neugier und unerwartete Lernfähigkeit besonders herauszustellen sind. Immerhin haben sie neun Gehirne – so zumindest der Autor. In Wirklichkeit sind in den Armen jedoch nur Nervenknoten, sog. Ganglien, die ermöglichen, dass jeder Arm für sich allein bewegt werden kann. Die Hauptbewegung wird jedoch vom Kopfgehirn gesteuert, was vor allem bei der Flucht von ausschlaggebender Bedeutung ist. Alle anderen Aspekte, wie ihre jeweiligen Größen oder die Leuchtfähigkeit im Dunkel werden in diesem Buch mit vielen seltenen, oft doppelseitig gebrachten Farbfotos, sehr gut beschrieben. Allerdings vermisste ich ein unbedingt erforderliches Stichwortverzeichnis, und auch die Abbildung zur Genexpression ist für Laien nicht gerade schlüssig. Da gehört mehr Erklärung dazu. Weiters weist diese Zeichnung noch einen Fehler auf, denn bei der RNA müsste sich das „T“ in ein „U“ verwandeln, was für Uracil steht. Ansonsten haben wir eine Lektüre vor uns, die allen Tauchsportlern unbedingt zu empfehlen ist.

 
Balcombe, Jonathan: Was Fische wissen, wie sie lieben, spielen, planen PDF Drucken E-Mail

Balcombe, Jonathan:

Was Fische wissen

Wie sie lieben, spielen, planen: Unsere Verwandten unter Wasser

Harter Umschlag und schön gestalteter Schutzumschlag, Format ca. 15 x 22 cm

336 S. mit 3 Abb. und ausführlichem Stichwortverzeichnis

Mare Verlag, Hamburg, 2018

ISBN 978-3-86648-283-8

Preis: 28.-- €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (Februar 2020):

Eines der interessantesten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Da geht es nicht nur um die Gesamtzahl von allen vordem und gegenwärtig vorhandenen Fischen, die insgesamt mehr Arten bilden als alle anderen Wirbeltiere zusammen, wie Amphibien, Reptilien, Vögel und auch Säugetiere. Noch mehr faszinierte mich allerdings die Tatsache, dass ich in all den Jahren als vielfacher  Aquarianer und vor allem als langjähriger Tauchsportler und begeisterter UW-Fotograf die meisten Dinge nicht erkannt habe, von denen in diesem Buch die Rede ist. Wissenschaftliches Beobachten ist in der Tat weit mehr als einfaches Betrachten der UW-Welt, wobei man als UW-Fotograf vor allem darauf achtet, seine Motive besonders gut in den Sucher zu bekommen. Es gehört in der Tat viel Wissen dazu, um darauf aufbauend seine Versuche im Aquarium und/oder Freileben durchzuführen. Und man muss genügend Zeit mitbringen, die man als normaler Sporttaucher meist nicht zu besitzen glaubt. Das Buch beschäftigt sich ausführlich damit, wie Fische sehen, hören, riechen und schmecken können, wie sie durch Farbwechsel Stress und Freude ausdrücken. Sie sehen u. a. die Farben ganz anders als wir, manchmal sogar deutlich mehr, und sie haben außerdem mitunter völlig andere, weiterführende Sinnesorgane. Zweifellos reagieren auch sie auf Schmerzen, die beim Harpunieren und Angeln auftreten. Dabei gilt Angeln nach wie vor als ganz normale Freizeitbeschäftigung. Wir hören nicht ihre Schmerzenslaute, und wir können auch keinen sich verändernden Gesichtsausdruck feststellen. Dabei sind auch Fische ganz normale Tiere mit Bewusstsein wie alle anderen, und selbst wenn sie in einem anderen Umfeld leben, so können sie doch fühlen, haben Pläne und können sogar Gedankensprünge machen. Auch verständigen sie sich durch Laute, die man mit entsprechenden Mikrophonen aufnehmen kann, sie haben ein äußerst abwechslungsreiches Sexualleben und betreiben teilweise sogar Brutpflege, die mitunter, z.B. bei Maulbrütern, weit über die normale Eipflege hinausgeht. Insgesamt ein Buch, das für alle Tauchsportler, auch wenn es keine Fotos enthält, von ganz besonderem Interesse ist.

 
Hanlon, Roger - Vecchione, Mike - Allcock, Louise: Octopus & C0. PDF Drucken E-Mail

Roger Hanlon, Mike Vecchione und Louise Allcock:

Octopus & Co.

Die faszinierende Welt der Tintenfische, Kraken und Kalmare

Fester Einband mit farbigem Titelbild, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2019

224 S. mit sehr vielen, meist farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-667- 11577-5

Preis: 29,90

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (August 2019):

Schon der erste Blick in dieses Buch muss ganz einfach begeistern. Das vor allem wegen der Vielzahl  an farbigen Abbildungen, die in allen Meeren, im Mittelmeer, in Korallengebieten und in der Tiefsee aufgenommen wurden, teilweise auch in Aquarien. Sporttaucher werden diese UW-Aufnahmen lieben, zeigen sie doch u. a. selbst Kraken bei der Kopulation, was man normalerweise nur durch Zufall zu Gesicht bekommt – wie auch viele andere Kopffüßer, die für uns in unerreichbaren Tiefen  leben. Die Autoren, Spezialisten ihres Faches, haben alles Wesentliche zu den Stammbäumen der einzelnen Arten während verschiedener Epochen genauso beschrieben, wie deren Körperbau und das Nervensystem der Acht- und Zehnfüßer. Wobei das Ganze durch entsprechende  Zeichnungen zusätzlich verdeutlicht wird. Das gilt z. B. für den Körperbau und die enorme Bandbreite der Körpergrößen im Vergleich zu uns Menschen. Lebensräume, tägliche Wanderbewegungen, alles Mögliche zum Farbwechsel zur Tarnung und Fortpflanzung kommen genauso zur Sprache, wie das, was sie fressen und vieles andere mehr. Jede Besonderheit wird herausgestellt. Es bleibt praktisch kein Feld unbearbeitet. Bei der zusätzlichen Einzelbeschreibung verschiedener Arten ist zudem ein Steckbrief beigefügt, sodass keine Frage offenbleibt. Allerdings können bei dem unglaublichen Artenreichtum bei weitem nicht alle Arten im Einzelnen beschrieben werden. Alles Dargestellte geschieht mit großer Sachkenntnis und gestaltet den Textteil in Form von fünf Hauptkapiteln äußerst spannend. Dabei geht es um die Evolution und die Stammesgeschichte, um die Anatomie, um die verschiedenen charakteristischen Lebensweisen, ums Verhalten ganz allgemein und die enorme Intelligenz dieser Tiere, und schließlich auch um ihre Bedeutung für uns Menschen. All diese Kapitel sind äußerst interessant – wenn auch für Laien manchmal etwas schwer zu lesen, sodass man sich verschiedene Stellen gleich zweimal zu Gemüte führen oder sogar noch weiter zurückblättern muss, um alles einwandfrei zu begreifen. Das liegt u.a. im Wesentlichen daran, dass viele Fremdworte Verwendung finden, die sich leider nicht alle im Glossar auffinden lassen. Trotz dieses Nachteils handelt es sich um ein hervorragendes Buch, das diese Weichtiere derart gut beschreibt, dass es in keiner Tauchsport-Bibliothek fehlen sollte!

 
Sy Montgomery: Rendezvous mit einem Oktopus Extrem schlau und unglaublich empfindsam PDF Drucken E-Mail

Montgomery, Sy:

Rendezvous mit einem Oktopus

Extrem schlau und unglaublich empfindsam:

Das erstaunliche Seelenleben der Kraken

Fester Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 15 x 22 cm

336 Seiten

mareverlag, Hamburg, 3. Auflage, 2017

ISBN 978-3-86648-265-4

Preis: 28.00 Euro

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (Februar 2018):

Ein sehr interessantes Buch, das über Schauaquarien, eigene Lebensabschnitte und vor allen Dingen aus dem Leben und der Sinneswelt von Kraken berichtet. Es ist ein sehr empfehlenswertes Buch, hervorragend ausgearbeitet, Spiegel-Bestseller und schon in der 3. Auflage erhältlich. In Amerika war es ein New-York-Times-Bestseller, und es schaffte es gar bis unter die Finalisten des National Book Award 2015. Es ist leicht und interessant zu lesen, bietet weit mehr als lediglich Unterhaltung: Ein Tatsachenbericht, der Einblicke in das Seelenleben und die Biologie von Kraken gibt, wie wir es in dieser Komplexität nirgendwo anders lesen können. Der persönliche Kontakt zu Wissenschaftlern, aber auch zu Pflegern von Schauaquarien, das Studium fachbezogener Bücher und wissenschaftlicher Aufsätze zu diesem Thema, die im Text anklingen und nochmals im Anhang aufgeführt sind, zeigen das enorme Interesse, das die Autorin diesen Tieren entgegenbringt. Immerhin geht es dabei weder um Wirbeltiere oder gar Primaten, sondern um Weichtiere mit drei Herzen und Saugnäpfen an den Fangarmen, die Superkräfte entfalten können. Es geht um Tiere, die die Färbung und Struktur ihrer Haut ändern, sich fast unsichtbar machen können und durch kleinste Öffnungen zwängen. Es geht um Tiere, die kaum etwas mit uns gemeinsam haben, aber dennoch in Gefangenschaft mit uns Kontakt aufnehmen. Sie sind außerordentlich intelligent und können sogar richtig spielen. Nein, das hatte ich, der viele Kraken im Mittelmeer fotografierte, nicht erwartet. Denn der Titel des Buches erinnerte mich zunächst an einen Sience-fiction-Roman, bis ich den dünn gedruckten Untertitel gelesen hatte. Ehrlich gesagt, gefällt mir dieser Titel überhaupt nicht, denn es geht nicht um das Rendezvous mit einem Oktopus, sondern es sind mehrere, mit denen die Autorin über Jahre hinweg im New-England-Aquarium in Boston Freundschaft schloss. Wegen dieser Tiere lernte sie sogar Tauchen - was ihr offenbar nicht leicht fiel - um sie auch im Freileben studieren zu können. Insgesamt ist das Buch ein absolutes Muss für jeden Tauchsportler, Aquaristik-Liebhaber oder Naturfreund.

 
Lisa-ann Gershwin: Quallen Von der Faszination einer verkannten Lebensform PDF Drucken E-Mail

Gershwin, Lisa-ann:

Quallen

Von der Faszination einer verkannten Lebensform

Fester Einband mit farbigem Titelbild, Größe ca. 21,7 x 24,6 cm

224 S. mit vielen farbigen Abbildungen

Edition Delius im Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

ISBN 978-3-667-11024-4

Preis: 29,90 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (November 2017):

Einer der bedeutendsten, deutschen Zoologen, Ernst Haeckel, veröffentlichte schon ab 1879 eine großartige, mehrbändige und großformatige Monographie mit phantastischen Zeichnungen über „Das System der Medusen“. Mittlerweile sind viele neue Arten zu diesen glibberigen Tieren hinzugekommen. Man weiß auch mehr darüber, und doch setzt man sich erst in neuerer Zeit näher damit auseinander. Nur der kleinste Teil davon, nämlich 50 der faszinierendsten Arten werden in diesem Buch vorgestellt, wobei nicht nur Medusen und Staatsquallen beschrieben werden, sondern auch andere nicht damit verwandt Arten, Rippenquallen etwa und auch die quallenähnlichen, im freien Wasser lebenden Salpen und deren Verwandtschaft. Sehr gewissenhaft und ausführlich setzt sich die Autorin in fünf längeren Kapiteln mit diesen Tieren auseinander: Der Anatomie, dem Lebenszyklus, der Taxonomie und Evolution, der Ökologie und allen möglichen Umweltfragen, wobei die einzelnen Kapitel und Unterkapitel jeweils über eine Doppelseite gehen, gefolgt von Artensteckbriefen, die von ganzseitigen, farbigen Fotos im Dunkelfeld begleitet werden. Quallen gehören zu den ältesten Niederen Tieren, die schon seit rund 500 Millionen Jahren durch die Meere schweben. Die meisten sind klein, einige kleiner als ein Sandkorn, andere nur im Millimeter- oder Zentimeterbereich, dazu durchsichtig. Nur verhältnismäßig wenige faszinieren UW-Fotografen, vor allem größere Arten, darunter solche, die Schirme bis zu drei Metern im Durchmesser messen, sehr schwer werden und 30 m lange Tentakel besitzen, oder die durch ihre Zeichnung auffallen. Die größte ist die Riesenstaatsqualle, die aus vielen einzelnen Organismen besteht und Tentakel über 50 m Länge besitzt. Quallen besiedeln sämtliche Meere, selbst das Süßwasser, auch kalte Meere und die Tiefsee. Vielfach leicht zerbrechlich, werden heute ganz besondere Fangmethoden angewandt. Manche Arten sind völlig ungefährlich, andere wie kleine Würfel- und Irukandjiquallen, die nicht nur nesseln können, sind gar in der Lage, Schwimmer und Badehungrige innerhalb kürzester Zeit zu töten. In Südostasien werden Quallen auch gegessen und gelten dort als knusprige Delikatesse mit Pfiff. Es sind äußerst faszinierende Tiere, wobei die unscheinbare, nur erbsengroße Qualle Turritopsis dohrnii gar unsterblich ist! Vor allem heute können Quallen teilweise in ungeheuren Schwärmen auftreten, ausgelöst durch den Klimawandel, die Versauerung der Meere, durch Überfischung, das Plastikmüllproblem, eingeleitete Chemikalien und andere Maßnahmen. Sie können damit zur allgemeinen Bedrohung werden, zu aufwändigen, technischen Störungen führen und sind gar in der Lage, ganze Lebensräume auf ein niedrigeres, biologisches Niveau zurück zu verwandeln. Damit können diese Tiere, denen man bisher nur geringe Bedeutung beigemessen hat, letztlich auch für uns Menschen gefährlich werden. Es wird Zeit, diesen Besonderheiten eine weit höhere Aufmerksamkeit zu schenken. Insgesamt ein Buch, das eigentlich nicht nur Taucher und Aquarianer, sondern einen jeden begeistern und zum Nachdenken anregen muss.

 
Heinz Krimmer: Netzwerk Korallenriff, wertvoller als Google, Apple und Co. PDF Drucken E-Mail

Krimmer, Heinz:

Netzwerk Korallenriff

Wertvoller als Google, Apple und Co.

Broschiert mit ausfaltbarem Einband. Innen mit Karte der „normalen“ und Tiefseekorallenriffe, Einband mit farbigem Titel, Größe ca. 13,7 x 21,5 cm

224 S. u. zahlreichen Bildern auf Tafeln

Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart, 2017

ISBN 978-3-440-15447-2

Preis: 19,99 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (November 2017):

Der Untertitel schien mir anfänglich zu weit aufgetragen, aber beim Lesen stellt man schnell fest, ein ganz besonderes Buch vor sich zu haben. In der Tat ist es derzeit das umfassendste seiner Art! Der Autor geht wohl in seiner Betrachtungsweise sehr weit zurück und weist u.a. auf riesige Gebirgszüge hin, die im Laufe von Jahrmillionen durch die Arbeit kleiner Korallenpolypen entstanden sind. Damit wird klar, dass diese Tierchen weit umfangreichere Bauten errichtet haben als etwa wir Menschen. Aber noch etwas anderes wird deutlich: Bücher dieser Art, für die Allgemeinheit geschrieben, müssen ganz einfach umfassend sein. Nur so werden Facetten und Zusammenhänge sichtbar, die zuvor manchem verborgen geblieben sind. So wussten durchaus auch andere Autoren Bescheid über die Gebirgsbildung, aber ihre Bücher setzten anders an. Sie berichten über ein bestimmtes Gebiet, dort vorkommende Riffe und deren heutiges Aussehen. Hier aber geht es um die Korallen ganz allgemein, ihre Bedeutung, ihren gegenwärtigen, gefährdeten Zustand und um deren Zukunft. Dabei werden tropische und subtropische Flachwasserriffe angesprochen. Die uns Tauchsportler so begeistern, wobei die meisten allerdings noch nicht einmal zwischen früher, vor etwa 50 oder mehr Jahren, und heute unterscheiden können. Es geht aber auch um Tiefseeriffe, die man vor wenigen Jahren noch überhaupt nicht kannte, und die auf ganz andere Weise ebenso weltumspannend existieren. Sie allesamt werden durch die Meeresversauerung, die Klimaerwärmung und viele andere menschliche Eingriffe ebenso bedroht, wie durch zunehmend sich stärker auswirkende Naturkatastrophen. Dadurch nehmen die Riffe gewaltig ab. Dabei sind sie nicht nur für den Küstenschutz in Zukunft äußerst wichtig, sondern sie können auch mit dem allmählich ansteigenden Meeresspiegel weiter nach oben wachsen.

Korallenriffe lösen mit derartigen Möglichkeiten den Urwald als wichtigstem Lebensraum ab. Wo andere nur wenige Worte brauchen, benötigt der Autor über 30 Seiten, um allein die komplexen Lebensmöglichkeiten der Polypen zu beschreiben. Dabei geht er auch auf deren Fortpflanzung ein, die in verschiedenen Ozeanen zu unterschiedlichen Zeiten stattfindet, sowie auf die Zooxanthellen, die mit Steinkorallen in Symbiose leben – der wohl großartigste Schritt beim Recycling überhaupt. Gleichzeitig zeigt Krimmer das außerordentlich enge Wärmeprofil auf, in dem diese Pflänzchen leben können, und er weist auf über 40 Arten hin, die teilweise auch höhere Temperaturen vertragen. Damit wird ein Hoffnungsschimmer gesetzt, Riffe auch bei steigenden Temperaturen am Leben zu erhalten. Die Akteure müssen „nur“ rechtzeitig zusammenfinden, um ihr Leben nicht während der Korallenbleiche zu verlieren. Ebenso beschreibt der Autor ganze Riffe, für die die Bezeichnung Netzwerk besonders gut gewählt ist. Schließlich haben wir es nicht nur mit Steinkorallen, sondern auch mit Schwämmen, Leder- und Hornkorallen zu tun, auch mit Pflanzen und  vielen verschiedenen Rifffischen und Räubern, mit Krebsen, Weichtieren und anderen mehr, die allesamt abwandern, wenn Riffe tatsächlich verschwinden sollten. Wir nehmen Teil bei einem Blick in das Herz der Evolution und können nur hoffen, dass die Korallenriffe letztlich doch überleben werden. Der Autor folgt neuesten Forschungsergebnissen, berichtet über wichtige Medikamente aus den Riffen, und doch vermisste ich einiges: So berichtete nicht nur Darwin über Atolle, sondern auch Hans Hass, auch der Beitrag über von Gleichstrom durchflossene Baustahlgeflechte zum Nachwachsen ist mir etwas zu kurz. Trotzdem ein Buch, das man nur empfehlen kann! 

 

 

 
Sardet, Christian: Plankton Der erstaunliche Mikrokosmos der Ozeane PDF Drucken E-Mail

Sardet, Christian:

Plankton

Der erstaunliche Mikrokosmos der Ozeane

Harter Einband mit farbigem Titel und farbigem Schutzumschlag

Format ca. 25 x 34 cm

Mit sehr vielen farbigen Abb.

Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 2016

ISBN 978-3-8001-0398-0

Preis: 39,90 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (April 2017):

Phantastisch, endlich ein Sachbuch, das Seinesgleichen sucht! Es gibt eine ganze Reihe wissenschaftlicher Werke, die sich ausschließlich dem Plankton widmen, aber bisher kein einziges, das für die Allgemeinheit bestimmt ist und entsprechende Erklärungen bereithält. Hier ist es nun – großformatig und mit vielen hervorragenden, computergenerierten Farbfotos versehen. Es kann deshalb auch als Bildband betrachtet werden. Dabei auch einige der großartigen Zeichnungen von Ernst Haeckel. Ja, wir finden sogar ein Suchbild, um beim Blick auf eine Planktonprobe verschiedene Organismen zu erkennen, und wir können durch zahlreiche Icoons zusätzliche Webseiten mit weiteren Informationen aufzuschlagen. Hinzu kommen sehr interessante Texte, nicht nur Bildbeschreibungen, sondern auch Kapitel, die sich mit all den Wesen auseinandersetzen, die dem Plankton zugehörig sind. Allerdings sind die Texte nicht immer leicht zu lesen, was jedoch nicht negativ zu verstehen ist. Nur der kleinste Teil der Planktonorganismen kann natürlich bildlich dargestellt werden. Insgesamt macht das Plankton, selbst wenn man die meisten Organismen wegen ihrer Winzigkeit nicht sehen kann, 95% des gesamten Lebens im Meer aus. Das Buch beschäftigt sich mit der Entstehung des Lebens und dem Plankton weltweit. Ihm gehören die meisten Organismen des Meeres zumindest zeitweilig an. Plankton besteht aus Eiern von Fischen und Korallen ebenso, wie den Jugendstadien der verschiedensten Tierklassen und selbst größeren Tieren, wie etwa Quallen. Darunter auch diejenige, der man bislang als einzigem Organismus Unsterblichkeit zuschreibt, da sich ihre Entwicklung umkehren kann – von einer Meduse zurück zum Polypen. Manche, wie etwa Staatsquallen, können aber auch über 30 Meter lang werden. Die meisten anderen allerdings sind so winzig, wie etwa Bakterien und viele andere, dass man sie nicht ohne Mikroskop erkennen kann. Schließlich gehört auch das pflanzliche Plankton dazu, welches immerhin rund 50% unseres Luftsauerstoffs produziert.

Unter dem Begriff Plankton versteht man all jene Organismen, die aus eigener Kraft nicht gegen Strömungen anschwimmen können, sondern sich vom Wasser dahintreiben lassen. Es kann auch nicht in der Tiefsee existieren, sondern kommt nur in den lichtdurchflutenden Zonen des Meeres vor. Es stellt die ersten Stufen der Nahrungskette dar, und das tierische Plankton unternimmt tagtäglich zur Nachtzeit die bedeutendsten Tierwanderungen überhaupt. Treten – wie gegenwärtig – Änderungen durch den Chemismus des Meeres, den Klimawandel und/oder der Überfischung auf, so kann dies unabsehbare Folgen nach sich ziehen. Es ist also durchaus angebracht, diesen Organismen deutlich mehr Aufmerksamkeit als bisher zu schenken. Manche Arten verlassen beim Älterwerden das Plankton wieder und leben erwachsen am Grund oder im Freiwasser weiter. Abgestorbene Teile sinken als „Meeresschnee“ nach unten und dienen auf diese Weise z.T. auch Tiefseeorganismen als Nahrung, und weitere Reste davon wandeln sich im Laufe von Jahrmillionen zu besonderen Energieformen um oder werden gar zu festem Gestein. Ein großartiges Buch, das alle Freunde der UW-Welt besitzen sollten.

 
Palla, Rudi: Valdivia / Die Geschichte der ersten deutschen Tiefsee-Expedition PDF Drucken E-Mail

Palla, Rudi:

Valdivia

Die Geschichte der ersten deutschen Tiefsee-Expedition

Harter Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 17 x 22,5 cm

238 S. mit vielen, z.T. farbigen Abb. und einer Karte

Verl. Galiani, Berlin bei Kiepenheuer und Witsch, 2016

ISBN 978-3-86971-124-9

Preis: 28,00 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (April 2017):

Das Buch beschäftigt sich im Wesentlichen mit dem Verlauf der Valdivia-Expedition. Leider muss ich gestehen, dass es mir nicht sonderlich gefallen hat. Andererseits ist es durchaus angemessen, dieser großartigen Expedition ein zeitgemäßes Buch folgen zu lassen. Immerhin war diese Unternehmung nach der Challenger-Expedition die zweite größere Tiefsee-Expedition überhaupt, die vor über 100 Jahren stattgefunden hat. Da ist es schon interessant, wieso es überhaupt dazu kommen konnte. Schließlich dachte man damals völlig anders als heute, auch über die Meere selbst und die Tiefsee. Ebenso war die Technik eine andere. Das gehört nur deutlicher herausgearbeitet. So liest sich die Geschichte bei weitem nicht so spannend, wie im Klappentext angepriesen. Das Buch enthält im Wesentlichen nur das, was der Expeditionsleiter Carl Chun schon damals in seinem dickeren Bestseller „Aus den Tiefen des Weltmeeres“ zu berichten hatte. – Nein, da habe ich mir insgesamt doch weitaus mehr vorgestellt! In der Tat haben die Meere und die Tiefsee erst sehr spät Einzug in unser Denken gefunden, und dass die Wissenschaftler damals das Weltmeer in einem völlig anderen Zustand antrafen als wir heutzutage, ist genauso selbstverständlich wie sich unser Wissen im Laufe der Zeit grundlegend gewandelt hat. Im letzten Kapitel geht der Autor wohl kurz auf die wesentlichen Schwierigkeiten ein, denen sich dieses Ökosystem mittlerweile ausgesetzt sieht. Allerdings dringt er leider nicht weiter in die Tiefe vor. Immerhin haben wir heute nicht nur ein deutlich umfassenderes Allgemeinwissen und damit auch eine erheblich bessere Vorstellung von den Meeren. Schließlich können wir wöchentlich UW-Filme im Fernsehen sehen (auch wenn dies meist flachere Bereiche betrifft), aber auch über die Tiefsee wird öfter berichtet. Selbst die Tageszeitungen sind voll von Gefahren durch Tiefseebohrungen, vom Klimawandel, dem Abschmelzen der Pole und vom Ansteigen des Meeresspiegels. Von der Erwärmung, der Versauerung und der Überfischung der Meere ist genauso die Rede, wie vom allgemeinen Artenschwund, dem Plastikmüllproblem und vielem anderem mehr. Auch wissen wir mittlerweile mehr über Meeresströmungen, vom Aussehen des Untergrundes, über schwarze und weiße Raucher usw. Da ist in unserem Falle ein Bezug zur Valdivia-Expedition insgesamt wohl naheliegend, doch hätte man die Erinnerung an die erste deutsche Tiefsee-Expedition auch auf andere Art und Weise wach halten können. So wäre z.B. ein Vergleich zwischen damals und heute von Interesse. Immerhin wurden damals viele fragile Geschöpfe in den Fangnetzen zerquetscht und blieben dadurch unerkannt. Ähnliches gilt für alle anderen heutigen Fragestellungen zu diesem Thema. Da möchte man mehr über allgemeine Untersuchungen erfahren, über jüngere Expeditionen, Tiefsee-Tauchboote und ferngesteuerte Rovs, autonome Messgeräte und selbst über die Meeresforschung aus dem Weltall. Da genügt eigentlich kein ein einfaches historisches Werk über den Verlauf einer Expedition und die dabei durchgeführte Äquatortaufe. Ein einzelnes, kürzeres Kapitel hätte dazu längst ausgereicht. Man möchte halt lieber ein Sachbuch lesen, das deutlich mehr Wissen vermittelt. Wer allerdings das Buch von Carl Chun nicht kennt, der sollte trotz meiner obigen Einwände wenigstens zu diesem greifen, das in der Mitte mit sehr schönen Farbbildern versehen ist…

 
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