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Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Biologie
Die Schwarzmaulgrundel erobert Nordeuropa PDF Drucken E-Mail

schwarzmaulZuerst machte sie sich im Rhein breit und in Holland und in den Flüssen von Belgien. Dann eroberte sie die Ostsee und die Oder. Und jetzt schickt sie sich an, auch die Elbe zu übernehmen: Die Schwarzmaulgrundel ist ein typischer Neophyt. Auch, was die Meinung von Experten und Laien betrifft.

Zunächst einmal ist dieser Fisch, der etwa 25 Zentimeter lang werden kann, in Südosteuropa heimisch. Im Schwarzen Meer, im Donaudelta, im Ägäischen Meer und in der Mariza da fühlt er sich zuhause – und ist es auch. Bewohnen kann er beide Welten, die des Salzwassers genauso wie die des Süßwassers. Ob er nun als blinder Passagier im Bilgewasser eines Schiffes oder über die Donau und andere Flüsse und Kanäle zu uns nach Mitteleuropa gelangte, ist nicht klar. Tatsache ist, der robuste kleine Fisch hat es geschafft.

Bei Anglern ist er umstrittenes Stammtischthema. Die einen schätzen ihn, weil er ein wohlschmeckendes, festes Fleisch hat, das darüber hinaus auch noch nahezu grätenfrei ist. Die anderen nennen die Schwarzmaulgrundel einen Nesträuber, der den Laich und die Larven anderer Fische frisst und damit die Bestände der so genannten Edelfische wie Hecht, Zander und Schleie gefährdet.

Experten sind weniger skeptisch aber nicht frei von Bedenken. Zunächst einmal diene dieser verhältnismäßig kleine Fisch den großen Lauerräubern wie dem Hecht oder der Aalrutte selbst als Nahrung. Er steht damit quasi ziemlich unten in der Nahrungskette. Auch der Laich anderer Fische würde ihn nicht sonderlich interessieren, er hält sich an Plankton und vor allem an Kleinstlebewesen im Grund von Meeren und Flüssen. Krebstierchen, Schnecken, Muscheln und Würmer sind seine Lieblingsspeise. Das hat allerdings auch einen unschönen Nebeneffekt: Da Zander sich mittlerweile großenteils von Schwarzmaulgrundeln ernähren, haben sie so viele Schadstoffe angehäuft, dass sie in manchen Regionen nicht mehr gegessen werden dürfen, weil sie über ihre Beute hoch mit Umweltgiften belastet sind. Die Schadstoffe sind wiederum über Muscheln, die Umweltgifte bekanntlich aus dem Wasser filtrieren, in die Grundeln gelangt.

Wenn der neue Fisch sich in einem Gewässer ausbreitet, so geschieht dies, so haben Forscher herausgefunden, mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Jahr.H.K.

 
Sensationsfund am Bodensee PDF Drucken E-Mail

Das Limnologische Institut der Universität Konstanz ist an der Erforschung des ersten Höhlenfisches Mitteleuropas beteiligt.

Wenige Tiere leben so versteckt wie die, die unter der Erde zu Hause sind. Doch es gibt auch in Europa eine reiche Fauna in Höhlen, im Boden und im Grundwasser, die kaum jemand kennt. Fische waren bisher aber keine darunter. Obwohl Höhlenfische von anderen Kontinenten bekannt sind, fehlten diese in Europa. Die Wissenschaft hat viel darüber spekuliert, warum dies so ist. Nun hat ein Team aus Höhlentauchern und Forschern der Universitäten Konstanz und Oldenburg/Max-Planck Institut für Evolutionsbiologie Plön sowie des Leibniz-Instituts für Gewässerschutz und Binnenfischerei Berlin den ersten Höhlenfisch Europas entdeckt.

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Charles Darwin: Der Mann, der Gott entthronte PDF Drucken E-Mail
Vergangenes Jahr wäre Charles Darwin 200 Jahre alt geworden und seine Evolutionstheorie wurde vor 150 Jahren veröffentlicht. ATLANTIS würdigt in diesem Artikel nicht nur den Wissenschaftler sondern bemüht sich, auch den Menschen Darwin zu zeigen.H.K.
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Biologisches aus Süß- und Salzwasser PDF Drucken E-Mail

Katastrophengebiet Mittelmeer: Die Forschungsstelle Fisch der EU schlägt Alarm. Die Fauna des Mittelmeers ist durch den Klimawandel, die Meeresverschmutzung und vor allem Überfischung bedroht. Während der vergangenen 50 Jahre sind 34 Prozent der Fische und 41 Prozent der Meeressäuger verschwunden. 93 Prozent aller Bestände sind überfischt. Dabei gilt das Mittelmeer als besonders artenreich. Mehr als 10000 verschiedene Arten haben dort ihr Zuhause.

Katastrophengebiet Australien: Ein mächtiger Sturm mit einhergehendem Meereshochwasser in der Gegend von Sydney hat auch mindestens zwei Haien kräftig zugesetzt. Ein Bullenhai wurde von den Wassermassen in einen Flusslauf gedrückt, landete dort im Schlamm und verendete kläglich. Fußgänger fanden das leblose Tier am Tag nach dem Sturm an Land. Mehr Glück hatte ein junger Seidenhai. Das knapp ein Meter lange Tier wurde ebenfalls an Land gespült, landete dort aber in einem Swimmingpool. Zuerst fiel es niemandem auf, dass ausgerechnet ein Hai im Pool kreist und zahlreiche Schwimmer stiegen ins Wasser. Später wurde der Fisch entdeckt, eingefangen und im Meer wieder ausgesetzt.

Säbelzahnschleimfische im Dienst der Wissenschaft: Meiacanthus-Schleimfische haben eine wirksame Waffe, um Fressfeinde außer Gefecht zu setzen. Mit ihrem unangenehmen, säbelzahnartigen Gebiss setzen sie sich zur Wehr und injizieren dem Angreifer ein heroinartiges Gift. Die Giftdrüsen sind, ähnlich wie bei Schlangen, hinter den sichelartigen Fangzähnen platziert. Das enthaltene Peptid lässt beim Angreifer die Muskulatur erschlaffen, senkt den Blutdruck und führt zu einer Unempfindlichkeit gegen Schmerzen. Die vorübergehende Lähmung des Angreifers nutzen die nur fünf Zentimeter langen Schleimfische dann zur Flucht. Die Pharmaindustrie ist mittlerweile auf den kleinen Schleimfisch aufmerksam geworden. Eine Studie zeigte, dass das opiumartige Peptid sich hervorragend dazu eignen könnte, eine völlig neue Art von Schmerzmitteln herzustellen. Das Fischlein lebt im Pazifik und dort bevorzugt an Australiens Großem Barriereriff.

Höhlenfische in Mitteleuropa: Es ist eine kleine biologische Sensation, was Höhlentaucher kürzlich im Versickerungsbereich der Donau gefunden haben – eine besondere Art von Schmerle. Der Fisch ist damit der einzige Höhlenfisch, der in Zentraleuropa jemals gefunden wurde. Bislang sind Höhlenfische nur in Höhlen des Balkan aufgetaucht. Die Schmerle weist alle Merkmale eines Bewohners der Finsternis auf: Kleinste Augen, große Nasenlöcher und empfindliche Barteln im Gesicht. Das ist normal. Der Sehsinn ist in völliger Dunkelheit unwichtig, umso wichtiger sind Geruchs- und Tastsinn, um Nahrung zu finden. In der betreffenden Höhle haben die Taucher rund 150 Exemplare der speziellen Schmerle gezählt. Da dieser Bestand nicht dazu ausreichen würde, eine Spezies über Jahrtausende am Leben zu halten, vermuten die Forscher, dass es unterhalb des Höhlensystems einen großen, ja riesigen, Süßwassersee geben muss, der weiteren Exemplaren Heimat bietet. Damit erhält die Theorie des bekannten Höhlentauchers Jochen Hasenmayer neue Nahrung, der vehement vertritt, dass sich unter der Schwäbischen Alb, dem Bodensee und dem schweizerischen Alpenvorland ein gigantischer Warmwassersee erstreckt. Da ein solcher See sämtliche Energieprobleme Europas lösen würde, bestreiten Experten der Energieversorger, der Erdöl- und Gasindustrie sowie Politiker die Theorie Hasenmayers heftig. Zurück zum Fisch. Dieser wird mittlerweile im Konstanzer Aquarium gehalten und erforscht.

Sächsische Karpfen sind die wertvollsten: Ein Leistungsvergleich verschiedener Zuchtstämme des beliebten Speisefisches Karpfen hat nun ans Licht gebracht, dass die Fische, die aus einem der 200 sächsischen Zuchtbetriebe kommen, besonders reich an Omega-3-Fettsäuren sind, festes Fleisch haben und besonders schmackhaft sind. Untersucht wurden Karpfenstämme aus Sachsen, Bayern, Polen und Tschechien, wobei die Sachsen am besten abgeschnitten hatten. Nach Bayern ist Sachsen in Deutschland der zweitwichtigste Karpfenlieferant. Die Studie lief über insgesamt drei Jahre. Text Heinz Käsinger

 
Die Ostseefauna verändert sich dramatisch PDF Drucken E-Mail

tuemmler(Foto: NASA Mediaarchiv) Seit über einem Jahr schon schwimmen die beiden Großen Tümmler Selfy und Delfy in der Ostsee herum und entzücken die Badegäste. Sie nehmen tatsächlich Kontakt mit dem Menschen auf und lassen sich streicheln und fotografieren.Auch in der Kieler Förde tummelt sich ein Delfin und weiter östlich, zwischen Rügen und Usedom, hält sich ein rund zehn Meter langer Buckelwal auf.

Doch das ist nur das, was man auch auf den ersten Blick sieht. Wer sich mit Kleintieren auskennt und die Möglichkeit hat, abzutauchen, der bemerkt einen unscheinbaren Bodenfisch, die Schwarzmeergrundel. Und im Freiwasser treibt eine besondere Art der Rippenquallen. Beide Tiere sind, wohl im Bilgewasser von Schiffen, in die Ostsee eingeschleppt worden, weshalb man von Invasivarten spricht. Ursprünglich waren die beiden Immigranten nur im Schwarzen-, im Asowschen- und im Kaspischen Meer heimisch.

Die fremden Arten gedeihen prächtig. Wenngleich auch der Klimawandel nicht für die Verbreitung der fremden Arten verantwortlich ist, so begünstigt er doch deren Fortbestand. Experten des Leibnitz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde haben einen Anstieg der Oberflächentemperatur um rund 1,5 °C festgestellt und schätzen, dass sich die Temperatur im laufenden Jahrhundert auf bis zu vier °C erhöhen könnte.

Zurück zu den Meeressäugern. Ob diese auf Dauer in der Ostsee heimisch werden können, hängt von einigen Faktoren ab. So stellen Wissenschaftler fest, dass sich Wale und Delfine auch in der der Ostsee benachbarten Nordsee rapide vermehren. Dort bilden sie schon komplette Familien aus mit männlichen, weiblichen und juvenilen Tieren. In der Ostsee haben sich bislang nur Männchen blicken lassen. Die bleiben auf Dauer nur, wenn auch Weibchen nachkommen.

Ein weiterer Knackpunkt der Ostsee ist, dass sie im Winter oft zufriert, was dauerhafte Säugerpopulationen unmöglich macht – diese müssen als Lungenatmer regelmäßig auftauchen, um Luft zu holen. Dazu kommt, dass Großwale ausdauernde Wandertiere sind und die Ostsee liegt nicht an deren bevorzugten Strecken.

Was Delfine anbelangt, sind die Forscher sich trotzdem fast sicher, dass sie das Hausmeer der Deutschen als dauerhafte Heimat akzeptieren, denn mit Dorsch, Barsch und Hering steht auch genügend Nahrung zur Verfügung. Bei Großwalen aber sind die Wissenschaftler skeptisch. Der Buckelwal vor Usedom wird wohl die Ausnahme bleiben. Heinz Käsinger

 
Der Huchen - Donaulachs PDF Drucken E-Mail

gross1(Bild: Der Donaulachs kommt in Europa ausschließlich in der Donau und seinen Bebenflüssen vor. Dieses Prachtexemplar wohnt in der Traun bei Viechtach. Foto: Hayek)

Mit mehr als einem Meter maximaler Länge und einem Höchstgewicht von 50 Kilogramm gehört der Huchen, auch Donaulachs genannt, zu den größten heimischen Fischarten. Es wäre verwunderlich, wenn nicht auch er höchst gefährdet wäre. Der Fisch liebt schnell fließende, sauerstoffreiche und klare Gewässer, in denen er räuberisch lebt. Seine Bestände gehen deshalb schon seit dem 19. Jahrhundert zurück, denn die fortschreitende Industrialisierung und die explosionsartig gewachsene Bevölkerung verschmutzten die angestammten Gewässer des Fisches erheblich. Das hat sich seit den 1980er Jahren zwar drastisch gebessert, nun aber macht dem Fisch die zunehmende Verbauung der Flüsse und Ströme durch Wasserkraftwerke, Wehre und Dämme zu schaffen.

Huchen gehören zu den Lachsartigen. Er wird mit rund vier Jahren geschlechtsreif, das weibliche Tier legt tausende befruchteter Eier in flache Kiesmulden, wo es nach durchschnittlich 30 Tagen dann vor frisch geschlüpften Larven nur so wimmelt. Der Huchen ist ein Wanderfisch. Da die Verbauung der Gewässer eine Laichwanderung unmöglich macht, droht der Fisch in den kommenden Jahren auszusterben. Auch künstlicher Besatz aus Zuchten hilft ihm nicht viel, denn sein angestammter Lebensraum hat sich verändert. Nur konsequente Renaturierungsmaßnahmen werden den Huchen in der Donau und seinen Nebenflüssen wieder heimisch machen.

Der „Fisch des Jahres“ wird jedes Jahr vom Bundesamt für Naturschutz, dem Anglerverband und dem VDST gewählt. Die Bevölkerung soll durch diese Maßnahme auf die Gefährdung vieler heimischer Fischarten durch menschliches Verhalten aufmerksam gemacht werden.

 
Kraken profitieren vom Klimawandel PDF Drucken E-Mail

oktoH.K. Ob Riesenkrake, Kalmar, Sepia oder hundsgemeiner Oktopus: Die Wirbellosen, die die Wissenschaft Cephalopoden nennt, profitieren vom Klimawandel. Während Wale unter zunehmender Lärmbelästigung leiden, Schwefelsäure die Panzer der Schalentiere auflöst und sich Schildkröten heillos im Plastikmüll verstricken, fühlen sich die Acht- oder Zehnbeiner zunehmend wohl in den Weltmeeren. Das geht aus einer Langzeitstudie hervor, die Meeresbiologen der Universität von Adelaide begleiten. 35 Kopffüßer stehen unter besonderer Beobachtung der Wissenschaft und deren Studie beweist: Die sympathischen Tausendsassas kommen heute rund drei Mal so oft im Meer vor, wie noch 1953.

doubleday„Im Ökosystem der Meere geschieht ganz offensichtlich etwas, das den Tintenfischen gefällt“, kommentiert Studienleiterin Zoë Doubleday (rechts im Bild) das Geschehen. Eine Einflussgröße ist vermutlich die Temperatur. Als wechselwarme Tiere fühlen sich die Kopffüßer im wärmer werdenden Wasser immer wohler. Die Tiere werden agiler, schneller. So entkommen sie Fressfeinden besser. Auch der Fortpflanzungstrieb steigt. Da Oktopusse nur ein bis vier Jahre alt werden, reproduzieren sie sich öfters und passen sich durch die natürlichen Zuchtwahlkriterien schneller an Veränderungen an. Dazu, so Doubleday, käme ihre Schläue. Dank ihrer Intelligenz finden sie schnelle und effektivere Lösungen für Veränderungen.

Die Hauptursache für die Vermehrung dieser Wirbellosen liegt jedoch darin, dass ihre Feinde immer weniger werden. Pottwale dezimieren die Bestände der Riesenkraken nicht mehr, in Nord- und Ostsee fischen Menschen Kabeljau, Dorsch und Seehecht zu Tode – alles Feinde der hier lebenden Sepien. Die Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht sind enorm: Während in den 1970er Jahren jeder zehnte Fang ein Tintenfisch zu finden war, ist es heute jeder dritte.

Quellen: Univ. Adelaide, Australien

 
Mikroalgen – kommerziell produziert PDF Drucken E-Mail

algenH.K. (Bild) Bioreaktor-Pilotanlage des Fraunhofer IGB in Leuna: Die Produktion von Mikroalgen ist aufwändig und teuer. Bislang konzentrierte man sich in USA und Fernost auf die Herstellung des natürlichen Rohstoffes für Biodiesel, Nahrungsergänzung und Biodünger

Seien es Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetika oder Biodiesel: Mikroalgen dienen als Ausgangsstoff für viele Substanzen. In einer neuen vollautomatischen Pilotanlage von Fraunhofer in Leuna können sie nun in großem Maßstab quasi künstlich produziert werden: Die Algenkonzentration in diesen Reaktoren ist fünfmal so hoch wie in üblichen Modellen. Natürlich entstandene Algen aus natürlichen Gewässern brauchen so nicht mehr ausgefiltert zu werden – Umwelteingriffe werden unnötig. Mikroalgen sind wahre Tausendsassas: Einige von ihnen bilden beispielsweise viel Omega-3-Fettsäuren aus, die für den menschlichen Körper lebenswichtig sind – und dienen als Ausgangsstoff für entsprechende Nahrungsergänzungsmittel. Viele der Algen-Inhaltsstoffe kommen auch in Kosmetikprodukten vor, etwa der rote Farbstoff Astaxanthin aus der Alge Haematococcus pluvialis. Andere Mikroalgen wiederum produzieren Öle oder Stärke, aus denen Biodiesel, Ethanol oder Biogas hergestellt wird. Ihre Fertigung ist bislang fest in amerikanischer, israelischer und asiatischer Hand – denn in Europa gibt es nur wenige kommerzielle Produktionsanlagen. In Asien werden die Wasserpflanzen meist in Freilandteichen gezüchtet. Doch die Menge der Algen, die sich aus einem Teich schöpfen lässt, ist begrenzt. Denn die Algen benötigen Licht, um zu wachsen – und das gibt es nur an der Oberfläche. Zudem besteht bei offenen Anlagen immer die Gefahr, dass die Algen mit anderen Mikroorganismen kontaminiert werden.

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„Dorie“ bringt Doktorfische in Gefahr PDF Drucken E-Mail

doktorfischDer Paletten-Doktorfisch ist ein schöner Fisch. An einem dunkelblauen Körper leuchten gelbe Flossen und an der Seite prangt ein interessantes schwarzes Muster. Dazu bewegt er sich in der Umgebung bunter Korallenriffe. Nicht zuletzt deshalb haben ihn die Animationskünstler von Hollywood als Titel gebende Hauptfigur im Zeichentrickfilm „Findet Dorie“ ausgewählt. Dorie leidet unter Gedächtnisschwund und versucht, ihre Familie wieder zu finden. Daraus entwickeln sich meist harmlose Abenteuer und das Happy End ist abzusehen. Für Kinder, halt.

Kein Happy End gibt es aber für manch richtigen Doktorfisch, der sich in den Riffen der Philippinen, Indonesiens oder der Malediven (noch) seines Lebens freut. Denn in Aquarianerkreisen ist der Paletten-Doktorfisch, wegen des Films, zum Liebling avanciert. Um mehr als 800 Prozent ist die Nachfrage nach dem nachtblauen Fisch in die Höhe geschnellt, seit der Film im Sommer in Amerika und im Herbst in Europa in die Kinos kam.

Doktorfische heißen Doktorfische, weil sie hinten am Körper, kurz vor der Schwanzflosse, einen skalpellförmigen Auswuchs haben. Sie werden 30 bis 40 Zentimeter lang und bis zu 1,3 Kilogramm schwer. Dabei gilt der Rifffisch unter Aquarianern als schwierig. Ein einzelnes Exemplar braucht mindestens ein 1000-Liter-Becken, zwei oder drei Fische entsprechend mehr. Der Doktorfisch pflanzt sich in Gefangenschaft nicht fort. Wer einen will, muss diesen aus Wildfängen kaufen und die Jäger in den Tropenriffen sind dabei nicht zimperlich: Sie betäuben die Fische mit Cyanid, um sie fangen zu können. Cyanide sind die Salze der Blausäure, ein hoch giftiges Präparat, das verheerende Umweltschäden in den Riffen anrichtet. Da 80 bis 90 Prozent der gefangenen Fische den Transport nicht überlebt (schwere Organschäden wegen des Cyanids), müssen die Jäger entsprechend mehr Fische sammeln. Und das tun sie gerade mehr als fleißig, jedenfalls mehr, als es den Doktorfischbeständen guttut. Hollywoodfilme haben schon früher zum Raubbau der Meere beigetragen. 2003 hat der Film „Findet Nemo“ eine verstärkte Nachfrage auf Anemonenfische hervorgerufen. In manchen Riffen Südostasiens war der putzige Geselle nahezu verschwunden. Und Stephen Spielbergs „Der Weiße Hai“ hat Mitte der 1970er Jahre eine brutale Treibjagd auf Haie hervorgerufen. Sowohl Peter Benchley, der geistige Vater des Films, wie auch sein Regisseur Spielberg waren von dieser Folge mehr als betroffen. Beide sagten damals unisono, dass dieser Film so nicht gedreht worden wäre, wenn sie das früher gewusst hätten. Text: Heinz Käsinger, Foto: DerHans04/Wikimedie Creative Commos

 
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